Was Hape Kerkeling nicht kennt
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17. Dezember 2008 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Sport & Freizeit

Die Kirchenburg in Effeltrich ist zwar St. Georg gewidmet, hat aber auch für die Pilger auf dem Jakobsweg einiges zu bieten. Foto: Mile Cindric
Es ist eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, die sich an einem Sonntagmittag auf den Jakobsweg macht. Ihre Motive, ausgerechnet eine der 17 Etappen zu wählen, die nach dem Apostel Jakobus benannt wurden und von Lichtenfels über Nürnberg bis Rothenburg ob der Tauber führen, sind höchst unterschiedlich. Die einen freuen sich auf einen gemütlichen Sonntagsausflug, die anderen auf die Einkehr am Ende der Etappe. Einige sind einfach nur neugierig. Sie wollen erkunden, ob man den Unterschied zwischen einem x-beliebigen Weg und einem alten Pilgerpfad spürt.
Als Orientierung dient das Buch »Jakobswege in Franken«, das ausführlich Route und Sehenswürdigkeiten am Rande beschreibt. Kapitelüberschriften wie »Die kulinarische Etappe« oder »Das fränkische Rom« sind gleichermaßen verlockend, man einigt sich aber darauf, das Stück zwischen Forchheim und Effeltrich zu wandern, das für alle Generationen gleichermaßen geeignet ist. Dabei hätten die Teilnehmer aus Kalchreuth direkt vor der Haustür starten können, denn dort führt der fränkische Jakobsweg ebenfalls vorbei. Immer häufiger sieht man Wanderer mit Rucksack, die ihn ablaufen: Wenn schon nicht nach Santiago de Compostela, wo das Grab des Apostel Jakobus liegt – dann doch wenigstens durch die Fränkische Schweiz!
Einige aus der Gruppe haben den Bestseller »Ich bin dann mal weg« von Hape Kerkeling gelesen, der seit vielen Monaten die Bücherhitlisten anführt. Das gibt genügend Gesprächsstoff. Der locker-leichte Stil des Fernsehstars gefällt aber nicht jedem. Alois Huber, der sich für die Markierung des Jakobswegs in Franken sehr eingesetzt hat und bei einem Stammtisch der Jakobspilger regelmäßig über den Weg berichtet, gestand einer Reporterin: Er habe das Buch gleich nach der Lektüre in die Ecke gepfeffert. Es sei ihm zu seicht, urteilt der 75-jährige Pfarrer im Ruhestand.
Viele andere haben durch das Buch des Entertainers erst von der Existenz der symbolträchtigen Trasse erfahren. Die Nachfrage nach einem Weg zur inneren Einkehr wuchs daraufhin an vielen Orten. Letztlich führte das steigende Interesse am Pilgern auch zur Rekonstruktion der Etappen durch Franken. Wer den Jakobsweg von Bamberg in Richtung Nürnberg läuft, folgt der Markierung mit dem Muschelsymbol mit gelber Leuchtkraft. Von Osten her kommend zeigt ein Muschelsymbol mit eckigen Formen, wo es lang geht, und von Nördlingen nach Ulm führt eine Muschel mit gekreuzten Pilgerstäben.
Beim Start in Hallerndorf nahe Bamberg strahlt das gelbe Muschelsymbol an den Bäumen. Da es sich um eine Streckenwanderung handelt, ist es ratsam, einen Wagen am Ziel in Effeltrich zu deponieren, um später zu den Fahrzeugen am Ausgangspunkt der Route zu gelangen. Denn leider ist dieses Jakobsweg-Teilstück nur umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Zunächst führt der Weg aus dem Dorf heraus und über die Aisch. Die Markierung ist gut erkennbar. Sie verläuft ein Stück parallel zu einer größeren Landstraße. Dann müssen die Wanderer rechts abbiegen. Nach einer Weggabelung, bei der man sich wiederum rechts hält, gelangen sie in einen ausgedehnten Forst. Etwa acht Kilometer geht es durch den Wald, was im Sommer wegen des Schattens angenehm ist. Forchheim erreicht man über den Stadtteil Burk und von dort geht es direkt ins Zentrum. Die Stadt ist es wert, dass man sich für sie Zeit nimmt. Vielleicht sollte man sie aber auch zum Ziel eines eigenen Ausflugs machen, daher soll Forchheim hier nicht weiter beschrieben werden.
Diese Etappe des Jakobswegs führt aus der Fachwerkstadt in südlicher Richtung entlang einer vierspurigen Straße hinaus. Ab hier hat man immer wieder einen schönen Blick auf die Ehrenbürg (das Walberla), jenen Zeugenberg, der diese Gegend so prägt, dass der Begriff des Pilgerns einmal im Jahr eine eigene Bedeutung erhält – am ersten Wochenende im Mai. Dann wandern viele Besucher von den verschiedensten Richtungen kommend den markanten Berg hinauf zur Walberla-Kirchweih.
Die nächste Station ist Sigritzau, ein malerisches Dorf mit einem ausgezeichneten Restaurant und einer romantischen Eichenallee. Der Ort eignet sich auch als Ausgangspunkt für eine Etappe, die über Effeltrich hinaus führt. Von hier aus verläuft die Route Richtung Kersbach durch den Wald: Nun folgt ein anstrengendes Stück, der Anstieg nach Pinzberg. Dort belohnt der Besuch der Pfarrkirche St. Nikolaus die Mühe. Sie ist eine der zahlreichen fränkischen Wehrkirchen. Die Kapelle zum Heiligen Nikolaus wurde 1371 erstmals erwähnt. 1730 beaufsichtige der berühmte Baumeister Balthasar Neumann die Umgestaltung. Der Apostelaltar links im Kirchenschiff ist beeindruckend: In der Darstellung entdeckt der Betrachter auch Jakobus mit der Hellebarde. Betritt man das Kirchenareal, stößt man auf einen gepflasterten Hof mit Bänken zum Ausruhen. Zur Kirche gelangt man durch einen modernen Anbau. An diesem Sonntagnachmittag empfängt Chorgesang die Gruppe. Ein Ort zum Verweilen und Nachdenken.
Weiter geht es Richtung Effeltrich. Man sollte jetzt auf jeden Fall einen Blick in die Pinzberger Kapelle werfen. Dort erwartet den Gast ein schlichter Innenraum sowie manche Kuriosität. Weiter geht es auf einem schönen Weg Richtung Gaiganz, mit landschaftlich reizvollen Ausblicken zur Ehrenbürg und nach Marloffstein. Diese Gegend der Fränkischen Schweiz ist für schmucke Trachten und für ihre Traditionsverbundenheit bekannt. Hier gießt noch die Bäuerin im Sonntagsstaat ihren Garten und grüßt freundlich die Vorüberziehenden. Nun führt die Route in ein Tal mit Feldern und Obstgärten. Die ersten Baumschulen künden vom Ziel: Effeltrich. Im Ortskern steht eine alte Tanzlinde, die 1000 Jahre alt sein soll. Die Kirchenburg St. Georg lädt zur Besichtigung ein. Sie wurde 1470 bis 1490 erbaut. Imposant ist die Darstellung am Eingang: Sie zeigt den Heiligen St. Georg mit dem Drachen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hielten barocke Elemente Einzug ins Gotteshaus, das allein wegen seines Hochaltars eine imposante Erscheinung ist – und ein würdiges Etappenziel. Erkenntnis des Tages, frei nach Hape Kerkeling: Auch wenn ein Weg mit Schwierigkeiten beginnt, kann er entspannt enden.
Petra Nossek-Bock
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»Nürnberger Jakobusknoten« nennt sich ein Kreis von Jakobus-Freunden um Alois Huber und Helmut Weidinger, beide Pfarrer im Ruhestand, der sich jeden ersten Mittwoch im Monat in der Traditionsgaststätte Steichele, Knorrstraße 2-8, in Nürnberg trifft. Interessierte sind herzlich willkommen. Ein bebildertes Faltblatt dokumentiert den Verlauf des Teilstücks des Jakobswegs in Oberfranken.
Kontakt: Markus Nägel,
Telefon (09133) 60 66 33.
Weitere Informationen unter
www.jakobus-gesellschaften.de
Information
Literaturauswahl zu Jakobswegen
* in Franken, zusammengestellt von Wolfram Unger Sigrun Arenz u.a., Jakobswege in Franken, Wanderführer Ars Vivendi
* Rudolf Beck, Jakobusweg von Fulda nach Würzburg, Michael Imhof Verlag
* Gerhilde Fleischer, Jakobusweg Bad Waldsee – Konstanz, Schwabenverlag
* Fränkischer Albverein (Hg.), Jakobsweg Tillyschanz – Nürnberg, Seehars-Verlag
* Fränkischer Albverein (Hg.), Jakobsweg Nürnberg über Heilsbronn nach Rothenburg/T., Seehars-Verlag
* Monika Hanna, Der Fränkische Jakobsweg (Lichtenfels – Nürnberg), Langen-Müller Verlag
* Hans Hönl, Jakobsweg von Darmstadt und Aschaffenburg nach Freiburg, outdoor 155
* Alois Huber, Jakobuswegeknoten Nürnberg, Eigenverlag (erhältlich in Nürnberger Kirchen)
* Christoph Kasch, Jakobsweg von Tillyschanz nach Konstanz, outdoor 142














