Besuch bei den Heiligen in den Dorfkirchen
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20. November 2009 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Reise & Kultur
Walter Dipping hat einen Kirchenführer geschrieben

Walter Dipping: »Auf Spurensuche – Heilige Fränkischer Dorfkirchen«. Verlag Meyer Scheinfeld. ISBN: 978-3-89014-290-7 · 19,80 Euro Foto: Mile Cindric
Über Kirchen in Mittelfranken gibt es jede Menge Literatur. Typisch für die Region sind aber auch die vielen kleinen gut erhaltenen Dorfkirchen, in denen sich eine Vielzahl an Heiligendarstellungen findet, aber über die es kaum etwas zu lesen gibt. Der 75-jährige Walter Dipping aus Nürnberg hat sich auf Spurensuche begeben.
sechs+sechzig: Ausgerechnet ein erfahrener Diplomvolkswirt und Autor eines Buches über modernes Ideenmanagement wie Sie geht auf Spurensuche in mittelfränkischen Dorfkirchen. Warum?
Walter Dipping: Ich bin auf dem Dorf – um es genau zu sagen: im Aischgrund – aufgewachsen. Aus jener Zeit stammt meine Vorliebe für kleine Kirchen auf dem Land. Die habe ich auch später häufig besucht, als ich längst in Nürnberg-Großgründlach wohnte. Allerdings begann ich irgendwann, mich über mich selbst zu ärgern. Welchem Heiligen stand ich gegenüber? Warum befand er sich gerade in dieser Kirche? Zwar wusste ich, dass es in Mittelfranken viele Georgs und Barbaras gibt, aber wieso eigentlich? All diese Fragen haben mich derart gefesselt, dass ich ihnen auf den Grund gehen wollte.
sechs+sechzig: Wie haben Sie das angestellt, Sie sind schließlich kein Kunsthistoriker?
Dipping: Stimmt. Zunächst habe ich in Kirchen jede Menge Fotos gemacht. Die neue Arbeit erforderte viele Fahrten über Land. Außerdem habe ich Kirchengemeinden angeschrieben und nach ihren Kirchenführern gefragt. Leider existierten sie in den seltensten Fällen. Also habe ich mich mit meinen Fragen direkt an Mesner oder Pfarrer gewandt. Später dann, als ich in Ruhestand ging, habe ich acht Jahre lang konzentriert an dem Projekt gearbeitet.
sechs+sechzig: Wie gezielt ging Ihre Schatzsuche vonstatten?
Dipping: Nur Dorfkirchen kamen für mein Projekt infrage, katholische ebenso wie protestantische. Die Bauten mussten jedoch kunsthistorisch bedeutend sein und zudem eine wertvolle Ausstattung besitzen. Dadurch habe ich weit mehr Kirchen kennen gelernt als jene 100, die schließlich in meinem Buch Erwähnung fanden. Doch nur so konnte ich in jenem Kirchlein eine kostbare Altarfigur entdecken und in einem anderen auf der Kanzel einen Christus mit einem Vöglein. Das übrigens sollte sich nach langen Recherchen als Goldfink entpuppen. Im christlichen Glauben kommt dieser Finkenart eine eigene Rolle zu, weil sie Disteln frisst, die zu den Pflanzen der Passion Jesu gehören.
sechs+sechzig: Ist das Buch ausschließlich eine Lektüre für gläubige Menschen, zumal Sie Heiligen und Namenspatronen, deren Viten, Legenden und Martyrien breiten Raum einräumen?
Dipping: Keinesfalls, zum Erkunden der Kirchen und zur dortigen Besinnung möchte ich alle ermuntern. Die Devise lautet: Raus aufs Land! Dort, in unserer unmittelbaren Umgebung, gibt es genug lohnende Ziele. Orte der Spiritualität, wie sie bei weitem nicht nur der Jakobsweg bietet. Wo genau sie liegen, kann man im Buch nachschlagen. Das ist nicht ohne Grund lexikalisch aufgebaut und zudem gut lesbar. Der Bezirk Mittelfranken hat das Buch-Projekt gefördert.
sechs+sechzig: Verraten Sie uns zum Schluss Ihren persönlichen Geheimtipp?
Dipping: Im Nürnberger Land ist das St. Egidien in Beerbach. Einmal, weil die Kirche mit Schul- und Pfarrhaus ein einmalig schönes Ensemble bildet. Zum anderen beherbergt St. Egidien einen wunderschönen spätgotischen Altar.Dieser entstand um 1505 in der Werkstatt von Michael Wolgemut, und der war kein Geringerer als der Lehrer von Albrecht Dürer.
Interview: Ute Fürböter














