Das war schick: Die Wespentaille

Artikel drucken Artikel drucken 26. November 2009 | Von | Kategorie: Finanzen & Vorsorge, Kategorielos
Foto: Fritz-Wolfgang Etzold

Foto: Fritz-Wolfgang Etzold

Die Wespentaille gehört zweifellos zu den »Dauerbrennern« in der Mode. Alle paar Jahre entdecken sie die Couturiers dieser Welt neu. Doch schon lange, bevor dieser dramaturgische Kunstgriff die Schneiderei verließ und dem farblosen Flanell-Rock einen Hingucker bescherte oder dem schlichten Abendkleid zum erotischen Auftritt verhalf, hatte er den Siegeszug um den Erdball angetreten. Es war nichts weiter als ein Dehnbund – eine Hand breit und im Durchmesser gerade so groß, dass er eine Luftröhre bequem umschloss – der sich ab Mitte der 50er Jahre an die Fersen von Bill Haleys Gassenhauser »Rock around the clock« heftete, als blinder Passagier über den Atlantik flog und sich an den Taillen swingender und singender Damen festsetzte. Der französische Modeschöpfer Christian Dior hatte ein paar Jahre zuvor den Petticoat entworfen, und nun zurrte dieser dehnbare Gürtel die bauschig-wippenden Röcke ein Stückchen über dem Nabel aufregend eng zusammen. »Nicht jeder konnte sich teure Ledergürtel leisten«, sagt Maria Oppermann aus Neumarkt in der Oberpfalz. Deshalb trug auch sie rote, blaue oder bordeaux-farbene Gummi-Bänder zu weitschwingenden Bordürenröcken und Nicki-Pullovern. Ihr Schwager, von Beruf Polizist, fertigte in seiner Freizeit dekorative Gürtelschnallen aus Fimo, »die er uns jungen Mädchen in der Verwandtschaft zu passender Gelegenheit schenkte«, berichtet die Neumarkterin. Maria Oppermann trägt die Gürtel noch heute.

Elke Grasser-Reitzner

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