Der Senior-Experte: Druckmaschine nach Mauretanien
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26. November 2009 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Jobs & Ehrenamt

In der Druckerei in Mauretanien ist Heinz Felkls Rat gefragt. Foto: privat
Den Koran hat Heinz Felkl immer dabei, wenn er zum Experteneinsatz in muslimische Länder fährt. Er legt ihn ganz oben in den Koffer, wenn er unterwegs ist, und stellt ihn bei der Arbeit demonstrativ auf seinen Schreibtisch. »Das sind die kleinen Tricks, die einem das Leben leichter machen«, verrät der 68-Jährige. Kein Zollbeamte machte da je Ärger, und auch bei den Arbeitskollegen am Einsatzort verschaffte Felkl das sichtbare Interesse am Leben der Einheimischen Bonuspunkte. Die kann man durchaus gebrauchen, wenn man als Senior-Experte hinaus in die Welt zieht. »Man ist vor Ort ganz auf sich allein gestellt, da nimmt einen niemand bei der Hand«, sagt der Druckmaschineningenieur aus Zell am Main bei Würzburg, der seit drei Jahren im Ruhestand ist.
Betreut vom Erlanger SES-Büro war Felkl, ein gebürtiger Nürnberger, bisher einmal in Äthiopien und zweimal im westafrikanischen Mauretanien im Einsatz. »Mauretanien ist ein schwieriges Land«, gibt er unumwunden zu. »Temperaturen bis zu 50 Grad, Sandstürme, der Islam ist Staatsreligion.« Mädchen-Beschneidung, Mehrehe, Scharia – Felkl musste sich mit extremen kulturellen Gegensätzen arrangieren. Da kam ihm zugute, dass er schon in seinem Berufsleben in mehr als 60 Ländern der Welt unterwegs war.
In Nouakchott, der Hauptstadt von Mauretanien, arbeitete er für vier Wochen in der Staatsdruckerei. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba war er bei der größten Druckerei des Landes im Dienst. Er optimierte Arbeitsprozesse, stellte einen Investitionsplan auf und prüfte, ob Schlüsselpositionen mit dem richtigen Personal besetzt sind und wie die Druckqualität verbessert werden kann. Als er in Nouakchott ankam, stellte er mit Entsetzen fest, dass täglich mehr als 20.000 Zeitungen von Hand gefaltet werden. Die kaputte Falzmaschine stand direkt daneben. Er ließ die Maschine vom Sand befreien und neue Transportbänder aufziehen, seither läuft sie wieder. Glücklich waren die Mauretanier zunächst trotzdem nicht, schließlich hatte man nun die Arbeitsplätze der Zeitungsfalter vernichtet. »Da habe ich zu ihnen gesagt: Ja, wenn das unser Ziel ist, dann schlage ich vor, wir drucken die Zeitung nicht mehr, sondern schreiben sie ab«, erzählt der gebürtige Nürnberger Felkl – und schien damit den richtigen Ton im interkulturellen Dialog getroffen zu haben: »Besserwisserisch darf man auf keinen Fall auftreten.«
Felkl hatte Erfolg in Mauretanien. Als er Monate später zum zweiten Einsatz in die Druckerei zurückkehrte, waren drei Viertel seiner Empfehlungen in die Tat umgesetzt worden. »Da war ich richtig glücklich«, sagt er. »Man weiß ja erst nicht: Bringt mein Einsatz überhaupt was?«
Und auch wenn die vier Enkelkinder gegen die Herumreiserei des Opas sind: Heinz Felkl hat das SES-Virus längst erwischt. Länger zu Hause hält es den aktiven Senior im Moment noch nicht. Noch im Herbst geht es zum nächsten Einsatz in die Mongolei. Ob er kein Bauchgrimmen hat bei dem Gedanken an den fremden Kulturkreis und die unbekannten Aufgaben? Felkl bleibt gelassen. Den Satz »Das Bessere ist der Feind des Guten« gibt es schließlich in fast allen Sprachen. Und mit dieser Weisheit, sagt er, habe er bisher noch die meisten überzeugt.
Christine Thurner














