Die Strickliesel
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20. November 2009 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Kategorielos

Foto: Michael Matejka
»Liesel«, die man mancherorts auch »Susel« ruft, kommt auf den ersten Blick recht hölzern daher. Die betagte Dame ist stocksteif, hat buchstäblich Haare auf den Zähnen und verfügt über einen ansehnlichen Stammbaum, der sogar bis zu den Wikingern zurückreicht. Denn schon damals fädelte man mit Hilfe ihrer aus Holz geschnitzten Vorfahrinnen Fasern auf und fabrizierte so kleine Seile. Die neuzeitliche Liesel brachte in den 1950er und 60er Jahren Mädchen und jungen Frauen das Stricken bei und bereitete sie sorgsam auf ihre hausfraulichen Tätigkeiten vor. Denn Strickliesel produzierte im Handumdrehen Schnüre, mit denen man beispielsweise Kinderfäustlinge verbinden und so »unverschwindbar« machen konnte. Topflappen entstanden, später sogar Mützen und Schals. Heute ist die Liesel wieder zu haben (etwa im Internet unter www.amazon.de). Und sie geht mit der Zeit: Ihre Fäden drehen sich zu farbenfrohen Bildern oder trendigen Handy-Taschen.
Dr. Ursula Hölzel aus Nürnberg-Laufamholz hatte jüngst eine unverhoffte Begegnung mit ihrer Liesel aus der Schulzeit. Sie entdeckte sie auf dem Dachboden wieder. Ihre Neugier erwachte, sie recherchierte: »Die ›Original-Strick-Liesel‹ erblickt schon 1926 als echte Fränkin das Licht der Welt bei der Firma Spear & Söhne in Nürnberg. Sogar einen ›Strickpeter‹ stellt man ihr ursprünglich zur Seite, aber wie so oft damals: nach 1945 steht sie als Frau alleine da. Einige Jahre als Trümmerfrau – sie besteht aus einer hölzernen Garnrolle mit oben eingeschlagenen Nägeln – und dann gibt das Wirtschaftswunder auch ihrem Leben wieder Farbe.« Ursula Hölzel jedenfalls sieht die
Liesel heute in einem ganz anderen Licht, dank der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Internet preist. Dort ist sie übrigens auch unter ihrem englischen Namen »knitting nancy« oder »spool knitter« zu finden.
Elke Grasser-Reitzner














