Fürther Klinikum schult Patienten mit Lungenbeschwerden
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26. November 2009 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Gesundheit & Ernährung

Das Team vom Fürther Klinikum erklärt Patienten gerne, wie sie mit einem Peak-Flow-Meter zurechtkommen. Foto: Mile Cindric
Nie hätte ich gedacht, dass ich so spät im Leben noch Asthma kriege, aber dann hat es mich 1996 nach einer Lungenentzündung erwischt«, erzählt Irene Heintze aus Seukendorf. Es wurde so schlimm, dass die heute 66-Jährige kaum noch Treppen steigen oder ihre Hausarbeit erledigen konnte. Mittlerweile schafft sie das wieder, und zwar locker. Sie geht sogar bergsteigen. In Nepal hat sie sich heuer auf stolze 5400 Meter gewagt, in Afrika letztes Jahr den Kilimandscharo bestiegen. Möglich wurde das durch eine Atemschulung am Fürther Klinikum, in der Betroffene lernen, sich selbst zu helfen.
Zwei Programme gibt es bei der Atemschulung, eines für Asthmatiker und eines für COPD-Patienten. Die Abkürzung steht für »chronic obstructive pulmonary disease«, zu Deutsch: chronisch verengende Bronchitis. Das ist eine Erkrankung, die hauptsächlich durch Rauchen oder berufsbedingte Belastungen mit Stäuben entsteht. Im Unterschied dazu wird Asthma meist durch Allergien ausgelöst, also durch Unverträglichkeiten gegen Pollen, Schimmelpilze, Tierhaare oder auch chemische Stoffe, die zu einer Entzündung der Atemwege führen. Daher bieten Dr. Christian Schacher, Internist und Oberarzt am Klinikum Fürth, und Chefarzt Prof. Dr. Heinrich Worth zwei getrennte Kurse an: NASA (Nationales Ambulantes Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker) und COBRA (chronisch obstruktive Bronchitis ambulantes Schulungsprogramm).
Ist man wirklich richtig eingestellt?
Es geht dabei hauptsächlich um Wissensvermittlung und Verhaltensänderung im Alltag. Die Kranken erfahren in Gruppen zu je acht Patienten zuerst, was es mit ihrem Leiden auf sich hat. Dann wird bei vier Terminen zu je eineinhalb Stunden trainiert, Veränderungen zu erkennen, um Anfällen von Atemnot effektiv vorbeugen zu können. Hier kommt das Peak-Flow-Meter zum Einsatz, ein kleines, transportables Gerät, mit dem die Lungenfunktion gemessen wird. Wer damit umgehen kann, ist jederzeit in der Lage, die Weite seiner Atemwege zu bestimmen. So ist man vorgewarnt, wenn sie sich verengen. Einfach mit einem kräftigen Stoß reinpusten – schon weiß man, wie es der Lunge geht. »Unsere Schulungen wollen mündige Patienten schaffen, die sich selbst im Notfall helfen können«, erläutert Dr. Schacher. Darum ist auch Medikamentenkunde ein wichtiger Bestandteil. Alle lernen zu erkennen, ob sie gut eingestellt sind. Wer seine Medizin selbst dosiert, ist besser an den Schweregrad der Erkrankung angepasst. Da die Medikamente bei Asthma und COPD überwiegend inhaliert werden, gehört auch die korrekte Inhalationstechnik zum Programm, ebenso ein Patiententagebuch, in dem man protokolliert, welche Werte wann gemessen wurden. Ampelfarben helfen, auf einen Blick zu sehen, was ansteht: Grün bedeutet okay, Gelb Vorsicht und Rot sofort handeln, zum Beispiel ein Notfallmedikament inhalieren. Denn die meisten Anfälle kündigen sich lange im Voraus an.
Lebensqualität steigern
»Das ist vielleicht der wichtigste Punkt an unserer Schulung: die Angst vor Atemnot-Attacken nimmt ab. Natürlich steigt auch die Lebensqualität, weil die Menschen weniger Infekte bekommen und insgesamt seltener zum Arzt müssen. Aber psychologisch bedeutet es besonders viel, sich freier zu fühlen und die Erstickungsängste loszuwerden«, so Professor Worth. Tausende von Patienten haben die Programme schon durchlaufen, seit die Kurse vor rund 15 Jahren begannen. Allein 2008 waren es schon über 500 Teilnehmer.
Begonnen hat alles Anfang der 1980er Jahre stationär in Düsseldorf. Von dort wechselte Professor Worth nach Fürth und entwickelte die ambulanten Schulungen. Deutschlandweit werden Ärzte von hier aus geschult, um das Konzept umzusetzen; Trainer werden ausgebildet, die es vor Ort weitergeben. Natürlich ist auch entsprechende Fachliteratur vorhanden. Die Kassen sind begeistert. Sie erstatten die Kosten, weil die Schulungen im Asthma-Fall das Dreifache an Kosten einsparen. Das Fürther Team besteht aus den Ärzten Professor Heinrich Worth, Christian Schacher, Boris Otte und Harald Eisenbarth, alle Medizinische Klinik I. Sie verbessern den Lehrgang ständig, beziehen neue Forschungsergebnisse und Medikamente mit ein. Auch Patienten geben Anregungen, damit alles gut verständlich und einfach umsetzbar ist.
Manch einer fühlt sich so fit, dass er sich jahrelang nicht mehr beim Arzt meldet. Man sollte aber regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen gehen, raten die Experten vom Klinikum. Und bei COPD gilt es logischerweise, das Rauchen aufzugeben. Das sehen nach der Schulung auch alle Teilnehmer ein, allerdings ist es nicht einfach, auf die Glimmstängel zu verzichten. Rund 20 bis 40 Prozent schaffen die Entwöhnung, andere rauchen trotz kranker Atemwege weiter.
Wer alles beherzigt, was er bei NASA oder COBRA gelernt hat, hat es geschafft. Dann wird man nicht mehr von der Krankheit kontrolliert, sondern kontrolliert sie selbst. Der Lohn: mehr Aktivität, persönliche Freiheit, Selbstvertrauen und gesteigertes Wohlbefinden. Wer zusätzlich Sport treibt – zum Beispiel in der Lungensportgruppe des TV 1860 Fürth – kann die Lebensqualität noch weiter verbessern, denn Bewegung ist wichtig bei Atemwegserkrankungen.
Weniger Asthmaanfälle
Karl-Peter Pöllmann (66) aus Fürth, der vor fünf Jahren an dem Schulungsprogramm teilgenommen hat, verspürt beim Laufen und Radeln in normalem Tempo keinerlei Atembeschwerden. Wenn er ruhig sitzt, könnte er sogar fast glauben, völlig gesund zu sein. Sein Notfallspray hat der Richter im Ruhestand trotzdem immer dabei. Verzichten muss er nur auf Kontakt zu Tieren, weil er gegen Haare und Schuppen stark allergisch ist. Auch wenn er »das Asthma immer irgendwo im Hinterkopf« hat, ist sein Lebensgefühl durchweg positiv: »Die Schulung ist jedem zu empfehlen.« Irene Heintze denkt an ihre früh verstorbene Schwester, die sich ein Leben lang mit Asthma herumplagen musste: »Da hat sich inzwischen doch sehr viel getan bei den Arzneimitteln.«
Claudia Schuller
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Information
Ambulante Schulung für Patienten mit Asthma und chronischer Bronchitis COPD im Klinikum Fürth: Anmeldung unter Telefon 0911 / 75 80 11 02 im Patientensekretariat. Im September sind neue Kurse gestartet. Hier gibt es auch Informationen zur Rauchentwöhnung und zur Lungensportgruppe im TV 1860.














