Jetzt gönnt sich der frühere
Rechtsreferent etwas
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23. November 2009 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Vermischtes

Foto: Michael Matejka
Es sind mehr als 200 Tage, die der frühere Stadtrechtsdirektor bereits im Ruhestand verbringt. Am 1. Mai 2008 hat er den Bürostuhl freilich keineswegs gegen eine Ottomane eingetauscht, um darauf liegend über die literarische Bedeutung der Nürnberger Bratwurst zu sinnieren. Für deren weltweite Anerkennung hat er sich vehement eingesetzt und deren »Schutzverband Nürnberger Bratwurst« ins Leben gerufen.
»Von wegen Unruhestand«, hat er bei seiner Verabschiedung im Frühjahr gesagt. Aber dann sei doch einiges auf einen Unruhestand hinausgelaufen, gibt er zu. Da ein Vortrag, dort eine Veröffentlichung in Fachblättern, aber er publiziert auch populärwissenschaftlich. Das Populäre, nicht der Populismus liegt ihm ohnedies. Die Jurisprudenz ist dem promovierten Juristen Beruf und Hobby gleichermaßen gewesen. »Ich bin dem Metier weiterhin verbunden«, versichert er, »lebe aber nicht mehr im Mainstream.« Im Henkerhaus am Trödelmarkt arbeitet er an der Erforschung der Nürnberger Rechtsgeschichte. Ein Beispiel für sein feinziseliertes Vorgehen, gepaart mit einer Portion Schlitzohrigkeit, hat er in seiner Zeit als oberster Hüter der Rechte der Stadt Nürnberg geliefert, als es um einen Brezenverkäufer an der Lorenzkirche ging. Der war Frommer ein Dorn im Auge, doch es schien keine Möglichkeit zu geben, den Brezenmann von seinem prominenten Platz zu vertreiben. Bis Hartmut Frommer auf den Trichter mit dem Salz kam. Das von dem Gebäck herunterbröselnde Salz setze dem historischen Pflaster zu arg zu, befand er – und der Brezenverkäufer musste sich fortan eine andere Position für seinen Stand aussuchen.
Um seine juristischen Feinheiten auch heute unters Volk zu bringen, hat er nun begonnen, sich in die Geheimnisse eines PC im wahren Wortsinn »hineinzutasten«.
Er engagiert sich weiterhin im sozialen Bereich, beispielsweise in der Hospizbewegung. Und wenn es die Zeit erlaubt, schwingt sich der drahtige 67-Jährige in den Fahrradsattel. Radtouren durch Italien und wie jetzt zuletzt durch Masuren sind für ihn mehr als sportliche Betätigung. »Sie haben für mich meditativ-philosophischen Charakter.« Es wäre »eine Sünd’ und eine Schand«, seine Ziele mit einem Navigationsgerät anzusteuern, sagt Frommer. Den Weg bewusst zu suchen, sich zu verfahren, wieder auf den rechten Weg zu finden – das ist für ihn, der seit 30 Jahren keinen Alkohol trinkt und seit 15 Jahren nikotinfrei lebt, eine Metapher für das Leben überhaupt. Frommer: »Selbst im Sich-Verfahren liegt oft ein gütiges Geschick.«
Günter Dehn














