Jetzt gönnt sich Friedrich Strauch etwas

Artikel drucken Artikel drucken 24. November 2009 | Von | Kategorie: Vermischtes
 Foto: Michael Matejka

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»Wehmut hat sich immer noch nicht eingestellt«, verkündet Friedrich Strauch bei seiner offiziellen Verabschiedung als Leiter des Nürnberger Seniorenamtes im Seniorenzentrum Bleiweiß munter. Aber als ihm Nürnbergs Sozialreferent Reiner Prölß die Medaille für treue Dienste überreicht, zittert sein weißer Schnurrbart doch ein bisschen vor Rührung. Spätestens bei der Sichtung der zur Medaille gereichten Informationsmaterialien ist es damit vorbei. Denn es sind genau jene Broschüren, die auf Veranstaltungen der Altenclubs und auf Seniorenfahrten hinweisen, die Strauch in seiner Zeit als Seniorenamts-Chef jedem Mitarbeiter der Stadt Nürnberg zu dessen Ruhestand mitgeben ließ.

Strauch selbst denkt aber im Moment nicht daran, einige dieser Angebote in den Broschüren zu nutzen. »Aufräumen« steht unter den Aufgaben ganz oben auf seiner »To-Do-Liste« für die ersten Wochen seiner Altersteilzeit zu Hause. Kreuzfahrten, Bücher lesen – damit kann man den 61-Jährigen nicht locken. Das eine sei ihm zu steif, das andere zu wenig dynamisch. Deswegen wird der Fan der Rolling Stones, der als Schlagzeuger in einer Nürnberger Band spielt, auch mehr sein musikalisches Engagement in den Vordergrund rücken. Die rüstigen Rocker sind ihm ein Vorbild, Mick Jagger ist schließlich noch ein bisschen älter als er.

Ein betagtes Klavier befindet sich ebenfalls in Strauchs Familienbesitz. Künftig wolle er stärker »in die Tasten hauen«, erzählt er. Um sich geistig fit zu halten, steht erst einmal das Studium der eigenen Familiengeschichte an.

Mit Friedrich Strauch geht ein ganzer Jahrgang an Beschäftigten in der Nürnberger Stadtverwaltung in den Ruhestand. Von seinem Stammtisch, der ihn Jahrzehnte lang begleitet hat, bleiben nur noch wenige im aktiven Dienst. Damit der Abschied von den Kollegen nicht so schwer fällt, erhielt er von ihnen einen Kasten Weißbier, eine individuelle Hitparade mit den Lieblingssongs der Mitarbeiter und jede Menge gute Wünsche.

Nun bleibt Zeit, um die eigene Senioren-Arbeit von der praktischen Seite kennenzulernen. Schließlich hat der scheidende Amtsleiter schon in jungen Jahren als Sozialplaner bei der Stabsstelle »Nürnberg Plan« die Weichen für die heutige Ruhestands-Generation gestellt. Der demografische Wandel war ein Thema, das er als Seniorenamtsleiter quasi seit seinem Entstehen begleitete und die Angebote der Stadt entsprechend darauf vorbereitete. Spätestens im Jahr 2010 möchte Strauch sehen, was aus all den Anstößen geworden ist, die er für die städtische Altenpolitik gegeben hat. Dann soll das Seniorenrathaus im Heilig Geist Spital eröffnet werden. Ein Meilenstein, sagt der alte »Stäbler« aus der früheren Planungsgruppe. Schließlich kehrt das Altenwesen damit zu seinen Wurzeln zurück: an den Ort, an dem der Nürnberger Stifter Konrad Groß vor mehr als 600 Jahren den Grundstein für eine vorbildliche Versorgung der Alten gelegt hat.

Petra Nossek-Bock

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