Jetzt gönnt sich Renate Blank etwas

Artikel drucken Artikel drucken 23. November 2009 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Vermischtes
Foto: Michael Matejka

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Seit 1974 Mitglied der CSU, von 1984 bis 1990 Stadträtin in Nürnberg, seit 1990 Mitglied des Bundestages, Mitglied im Verkehrsausschuss und dort mitunter streitbare Widersacherin von Bahnchef Hartmut Mehdorn, Präsidiumsmitglied im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz, Mitglied des Kunstbeirats des Deutschen Bundestags.

Noch knapp ein Jahr lang ist der Terminkalender der Bundestagsabgeordneten Renate Blank prall gefüllt. Bis sich nach der nächsten Wahl im Herbst 2009 der neue Bundestag konstituiert, wird sie an Plenar- und Ausschusssitzungen teilnehmen, im Kunstbeirat des Parlaments über den Ankauf neuer Gemälde und Skulpturen beraten und sich in der Bundesstiftung Baukultur für gutes Planen und Bauen einsetzen. Alles in allem stehen noch rund 500 Termine an.

Dann kommt der Ruhestand – und damit eine große Leere? Renate Blank schüttelt den Kopf: »Ich freue mich drauf, endlich spontan sein zu können«, sagt die 67-jährige Politikerin. Und wie alle, die von der neuen Freiheit nach dem beruflichen Korsett träumen, denkt auch sie zuerst ans Ausschlafen, daran, ungestraft bis drei Uhr nachts lesen zu können, ohne das am kommenden Tag büßen zu müssen.

Die erste Zeit, das hat sie sich vorgenommen, wird erst einmal Liegengebliebenes aufgearbeitet. Für private Freundschaften blieb seit Beginn ihrer politischen Laufbahn vor 24 Jahren kaum Zeit. Ihr Mann Günther hat die Kontakte zum großen, über die ganze Republik verteilten Bekanntenkreis gepflegt, während sie erst im Nürnberger Stadtrat und dann in Bonn, später in Berlin Politik gemacht hat. In einem Jahr wird endlich wieder Zeit sein für gegenseitige Besuche. Und auch in ihrem Haus in Eibach ist einiges zu tun: »Mein Mann wartet auf meine Hilfe.«

Sie habe sich immer wieder klar gemacht, dass Politik eine Aufgabe auf Zeit sei, sagt die CSU-Abgeordnete. Daher fürchtet sie auch nicht das Loch nach dem Ausscheiden aus dem Beruf. Ihr sei dabei zugute gekommen, dass sie keine Berufspolitikerin im modernen Sinne sei. In den ersten Jahren ihrer Ehe, als ihr Mann als Handelsvertreter viel unterwegs gewesen war, hatte sie sich um die beiden Kinder gekümmert. Und dann gab es noch ihr Geschäft für Damen- und Herrenoberbekleidung, das sie momentan nur noch für einige Stammkunden weiterführt. Was aus dem Laden einmal werden soll, weiß sie heute noch nicht zu sagen: »Das ist eine offene Baustelle.«

Noch kommt Renate Blank der Ruhestand weit entfernt vor, und sie scheint viel lieber über Bahnreform, Bankenkrise und Baukunst zu reden als über das Rentnerdasein. Eines werde sie sicher vermissen, wenn sie ihr Abgeordnetenbüro endgültig räumen muss: die Arbeit im Kunstbeirat des Bundestages, der das Reichstagsgebäude mit modernen Werken ausgestattet und damit das Parlamentsgebäude zu einer Art Galerie für deutsche Gegenwartskunst gemacht hat. Die Aufgabe hat nicht nur Begegnungen mit großen Künstlern wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, Markus Lüpertz und Anselm Kiefer mit sich gebracht, sondern reicht auch über die Tagespolitik hinaus: »Das hat Bestand, und darauf bin ich auch ein bisschen stolz«, sagt die Nürnbergerin mit dem markanten Haarknoten. Kunst soll aber auch in ihrem Ruhestand eine wichtige Rolle spielen. Schließlich hat sie dann endlich Zeit, die Vernissagen zu besuchen, die sie jetzt noch alle absagen muss.

Georg Klietz

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