Klöster bieten:
Urlaub bei den Mönchen

Artikel drucken Artikel drucken 27. November 2009 | Von | Kategorie: Sport & Freizeit

In rund 300 deutschen Klöstern können sich Menschen inzwischen eine Auszeit besonderer Art nehmen – für die Suche nach Spiritualität, Lebenssinn und Einkehr. Die kirchlichen Anbieter, auch in Österreich und der Schweiz, verzeichnen seit Jahren ein wachsendes Interesse am »Kloster auf Zeit«. Zu den Vorreitern dieses Angebots zählen zwei Klostergemeinschaften: 1961 öffnete die fast 1300 Jahre alte Abtei Niederaltaich im Landkreis Deggendorf, Niederbayern, ihre Tore auch weltlichen Besuchern. 1962 folgten diesem Beispiel die Benediktiner in Deutschland, der älteste aller abendländischen Mönchsorden.

Suche nach Spiritualität, Lebenssinn und Einkehr: In der Abtei Münsterschwarzach finden Laien im Gespräch mit Mönchen Inspiration. Foto: Abtei Münsterschwarzach

Suche nach Spiritualität, Lebenssinn und Einkehr: In der Abtei Münsterschwarzach finden Laien im Gespräch mit Mönchen Inspiration. Foto: Abtei Münsterschwarzach

Heute bieten allein zwischen Passau und Regensburg sechs Benediktinerklöster den »Urlaub mit den Mönchen« an, darunter auch die Abtei Plankstetten bei Berching im Kreis Neumarkt. Marianus Bieber, Prior der Abtei Niederaltaich, sagt im Rückblick auf die Anfänge: »Das war damals ein großes Wagnis, denn die katholische Kirche war noch nicht so weit.« Bekehren wollen er und seine Brüder die »Klosterurlauber« nicht. Die Gäste sollen neue Impulse für ihr Leben finden und Zeit haben, sich vom Alltagsstress zu erholen.

»Für mich ist es eine Oase zum Auftanken«, sagt die 64-jährige Susanne M. aus Oberasbach. Sie war fast 20 Jahre in der Altenpflege tätig und arbeitet im Ruhestand als ehrenamtliche Helferin dreimal pro Woche in einem Hospiz. Mit leisen Schritten geht die Frau durch die Gänge des Klosters Schwarzenberg in Scheinfeld (Kreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim) am Rande des Steigerwalds. »Durch diese Ruhe hier kann ich meine Probleme vergessen und Kraft schöpfen für neue Aufgaben«, erzählt die Besucherin. Sie tauscht seit mehr als zehn Jahren die Stille mit dem Lärm des Alltags. Eine andere Teilnehmerin: »Dank dieser Kurse habe ich schon einige Lebenskrisen bewältigt. Die Tage im Kloster sind mir viel mehr wert als irgendein Urlaub im sonnigen Süden.« Das Kloster entdecken aber auch Kinder: Weniger mit Gebet und Arbeit als mit Spiel und Musik. Im April 2006 fand im Kloster Schwarzenberg der erste »Tag für Kinder« statt. Dazu hatten sich 27 Schülerinnen und Schüler zwischen acht und zwölf Jahren angemeldet.

Für viele Klöster gibt es bereits Wartezeiten. Die meisten nehmen während des ganzen Jahres Gäste nach Vereinbarung auf. Sie können für einzelne Tage, ein verlängertes Wochenende oder eine ganze Woche kommen. Auf Wunsch können sie in vielen Gemeinschaften auch länger bleiben, heißt es in der Broschüre »Atem holen« der Vereinigung Deutscher Ordensobern. »Es ist möglich, sich in große, alte Klöster mit mehreren Hundert Ordensleuten zurückzuziehen oder auch in ganz kleine Gemeinschaften mit nur wenigen Mitgliedern«, erläutert Arnulf Salmen, Pressesprecher der Vereinigung Deutscher Ordensobern in Bamb
Trotz eines scheinbar unattraktiven Urlaubsverlaufs suchen immer mehr Wohlstandsmüde, Einzelgänger, Festgefahrene und Ausgebrannte im Kloster die Ruhe vor der Welt. Erfolgsmenschen gewöhnen sich an karge Menüs und harte Möbel, Manager unterwerfen sich dem Schweigegebot. Oder es geht einfach um Stille bei der geistigen Arbeit. Siegfried Scharrer, Professor für Philosophie, wissenschaftliche Methoden und Theologie an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg, zieht sich mit dem Laptop immer wieder ins Kloster Plankstetten im Altmühltal zurück. Der promovierte Professor, seit 1. April dieses Jahres im Ruhestand, bleibt seinem Beruf verbunden, in dem er regelmäßig die Arbeiten von Studenten korrigiert – öfter auch hinter Klostermauern. »Meistens verbringe ich zwei bis drei Tage in Plankstetten. Ich nehme an den Gebeten und Mahlzeiten der Mönche teil. Dazwischen ziehe ich mich auf mein Zimmer im Kloster zurück, um dort ungestört zu arbeiten«, berichtet er.
Jutta W. (44) aus Lauf, Sozialpädagogin bei der Caritas, hat die klösterliche Abgeschiedenheit vor einigen Jahren entdeckt. Das erste Mal wählte sie »Wanderexerzitien für Einsteiger« auf Schloss Hirschberg im Altmühltal, beim zweiten Mal entschied sie sich für eine einwöchige Schweigemeditation im Karmeliterkloster Birkenwerder am nördlichen Stadtrand von Berlin. »Ich werde mindestens einmal pro Jahr die Besinnung im Kloster suchen. »Das völlige Ausschalten äußerer Reize gibt mir die Kraft zu neuen Impulsen«, erläutert sie.

Der »Ausstieg ins Kloster« ist allerdings alles andere als ein Komfortangebot: Richtig seien hier diejenigen, die zur Ruhe kommen oder abschalten wollen, sich aber nicht gleich durch ein Gelübde an diese Lebensform binden wollen, warnt Frater Franz Neuhausen vom Kloster Rohr im Landkreis Kelheim. Den »richtigen« Weg fand Helmut S. (63) aus Haßfurt. Er gehörte zu einer Gruppe 60- bis 70-jähriger Rentner, die sich für eine Woche als »Mönch auf Zeit« ins Kloster Münsterschwarzach am Main zurückzogen. Sie waren beim Chorgebet und den gemeinsamen Mahlzeiten der Mönche dabei, arbeiteten je nach Wunsch vormittags in der Druckerei, Gärtnerei oder Sakristei. Die meisten von ihnen meldeten sich für den Klostergarten, in dem sie Unkraut jäteten, Salat anpflanzten und neue Beete anlegten. Und wie klappte das frühe Aufstehen – die erste Anbetung ist um 5.05 Uhr mit dem Psalmensingen? Dazu der 63-jährige Helmut S.: »Ich habe mich doppelt abgesichert, weil ich leise Zweifel hatte, ob ich das durchhalten würde: erstens mit einem Wecker, und zweitens klopfte jeden Morgen ein Kurskollege an meine Zimmertür. Trotz dieser Doppel-Strategie habe ich einmal verschlafen, nahm aber sonst immer an der Frühandacht teil.« Helmut S. hat es so gut gefallen, dass er in naher Zukunft wieder an einem solchen Kurs in Münsterschwarzach teilnehmen möchte.

»Kloster auf Zeit« steht in Dietfurt (Kreis Neumarkt) nicht auf dem Programm, aber dafür eine Menge anderer Kurse wie Ikebana, Kontemplation, Einführungskurse in Zen, Musikmeditation, Tai Chi, Qui Gong und Sakraler Tanz. Wer das dortige Franziskanerkloster zum ersten Mal betritt, reibt sich die Augen: Am Rande des wunderbaren Klostergartens, der direkt am 300 Jahre alten Klosterbau beginnt, erblickt der Besucher ein Stück Japan im idyllischen Altmühltal: Es ist die Zen-Halle (Zendo) im Meditationshaus der Franziskaner, einem in Europa einzigartigen und geschätzten Zentrum. Pater Johannes Messerer: »Za-Zen bedeutet Sitzen im Schweigen. Die zen-buddhistische Methode wird hier in den christlichen Glauben eingebunden. Viele Meditationshäuser sind kirchenfern und theologielos, wir versuchen, eine gesunde Mitte zu finden.« Zu den 50 Kursen mit rund 2000 Besuchern pro Jahr kommen nicht nur Katholiken und Protestanten aus ganz Deutschland, sondern auch Menschen aus anderen Religionen, die sich von den Kirchen abgewendet haben, denen Dogmen, Riten und Strukturen Probleme bereiten, und auch viele, die überhaupt nicht glauben. »Jeder Mensch hat ein mystisches Existenzpotenzial«, betont Messerer, »das Kloster bietet an, dieses Potenzial zur Entfaltung zu bringen«.

Horst Mayer

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Information

Weitere Informationen unter der Internetadresse www.orden.de oder in den Broschüren »Abenteuer Kloster« und »Atem holen«, herausgegeben von der Deutschen Ordensoberkonferenz.
Preisbeispiele: Kloster Plankstetten, pauschaler Tagessatz (Einzelzimmer mit Dusche und WC ) 54 Euro;
Abtei Niederaltaich, pauschaler Tagessatz (Einzelzimmer mit Nasszelle)
zwischen 41 und 52 Euro.

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