Meine erste Auslandsreise – Sieben Geschichten über den ersten Urlaub

Artikel drucken Artikel drucken 17. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Reise & Kultur

Die Deutschen gelten als Reise-Weltmeister. Kein Erdteil ist vor ihnen sicher, alle Verkehrsmittel werden genutzt: Eisenbahn, Flugzeug und Schiff, Bus und Pkw, Motorrad und Fahrrad. Wer heute die Aufmerksamkeit der Daheimgebliebenen für seine Reiseschilderungen erwartet, muss schon mit ausgefallenen Zielen aufwarten. Aber davon soll nicht die Rede sein: Vielmehr berichten hier alte wie junge Menschen von den Eindrücken ihrer ersten Auslandsreise. Mögen die Ziele von heute auch anspruchsvoller sein als früher – das große Staunen, endlich die Enge der Heimat gegen Neues zu tauschen, war schon damals da. Geblieben ist auch die Liebe zum Süden, zum helleren Licht, zu den lauen Abenden dort. Und wie die Menschen, die das Glück hatten, im freien Teil Deutschlands zu leben, bereits in den 50er Jahren ausschwärmen konnten, so taten dies nach der Wiedervereinigung auch ihre Landsleute aus der ehemaligen DDR. Zum Teil mit dem gleichen Glücksgefühl, aber erst 45 Jahre später. Die Urlaubserlebnisse von Menschen aus drei Generationen, willkürlich ausgewählt, stehen exemplarisch für die vergangenen 50, 60 Jahre Freizeiterleben in Deutschland. Blenden wir zunächst ins Jahr 1952. Sieben Jahre nach Kriegsende öffneten sich für die Deutschen allmählich die Grenzen einiger europäischer Länder.

1952

Erna Stang, Jahrgang 1927, aus Neumarkt
Eine Gruppe junger Neumarkter wollte Skandinavien besuchen, darunter auch die gerade 25-jährige Erna. Die jungen Leute erhielten aber nur Visa für Dänemark und Schweden, nicht für Norwegen. 240 DM kostete die Reise gen Norden – viel Geld für die damaligen Verhältnisse. Bis Kiel konnte die Gruppe einen Sonderzug benutzen, der Jugendliche zu einem Zeltlager an der Ostsee brachte. Der Luxusexpress, bestehend aus umgebauten Güterwaggons, brauchte mehr als 24 Stunden von Nürnberg nach Kiel. Von dort reiste die kleine Gruppe Jugendlicher und einiger Erwachsener aus der Oberpfalz auf eigene Regie weiter. Und schon in Dänemark begann das große Staunen. Gerade das kriegszerstörte Deutschland hinter sich gelassen, habe sich die Gruppe hier wie »im Schlaraffenland« gefühlt, erinnert sich Erna Stang. In den Lokalen standen gefüllte Krüge mit Milch auf den Tischen, die es gratis zum Essen gab. Kopenhagen mit seinem Tivoli, dem Schloss, der kleinen Meerjungfrau… Das alles begeisterte die Besucher. Dann folgte die Überfahrt von Frederikshavn nach Schweden auf einem eleganten Fährschiff. In Göteborg faszinierten sie die schönen, gut gekleideten Menschen, der nordische Einrichtungsstil selbst in den Jugendcamps: helle Birkenmöbel, klare Linien, Baumwollvorhänge, geschmackvolle Lampen. Keine Nierentische und überbordende Muster wie in Deutschland. Es ging weiter nach Stockholm mit seinen Hochhäusern, die im gewachsenen Fels wirkten wie verstreutes Riesenspielzeug, die schöne Stadt am Wasser mit ihren Kanälen und ihren Autobahnen mit ihren vierblätterigen Kleeblattauffahrten. Die Gruppe um Erna Stang genoss die Begegnungen mit jungen Schweden, Norwegern, Dänen, Holländern, Franzosen, Belgiern – mit Gleichaltrigen aus anderen europäischen, bis vor kurzem noch verfeindeten Ländern. Die Erlebnisse sind ihr unvergessen, vor allem die dänische Insel Mön mit ihrer unvergleichlich schönen Kreideküste, die der von Rügen in nichts nachsteht. In der kleinen Jugendherberge waren die Begegnungen besonders intensiv. Radebrechend fühlt man sich angenommen nach den grauenvollen Nazi- und Kriegsjahren, erstmals Europa zugehörig.

1959

Julie Becker, Jahrgang 1941, aus Nürnberg
Knapp 50 Jahre sind vergangen, seitdem Julie Becker einen jungen Mann getroffen hat, dessen Namen sie nicht kennt und den sie bis heute nicht vergessen hat. Knapp 18 Jahre war sie damals alt und mit der italienischen Eisenbahn unterwegs zu ihrem heimlichen Verlobten, der damals in Mailand arbeitete. Irgendwo – sie weiß nicht mehr, wo es geschah – stieg ein junger, hübscher Italiener in den Zug, Julie fand ihn »schön wie Apoll«. Die beiden verliebten sich auf den ersten Blick ineinander, flirteten, unterhielten sich blendend. Nach einigen Stunden war der Italiener an seinem Ankunftsort angekommen. Seiner dringenden Bitte, mit ihm zu gehen, widerstand sie schweren Herzens, um zum heimlichen Verlobten nach Mailand weiterzureisen. Doch den erfreute Julies »Stinklaune« beim Wochenendbesuch gar nicht. Und heute, 50 Jahre danach, denkt sie noch manchmal an den schönen Italiener… mit leiser Wehmut.

1960

Anna-Marie Hanke in Calella an der Costa Brava im Juni 1960. Dorthin führte sie ihre Hochzeitsreise. Foto: Privat

Anna-Marie Hanke in Calella an der Costa Brava im Juni 1960. Dorthin führte sie ihre Hochzeitsreise. Foto: Privat

Anna-Marie Hanke aus Nürnberg-Rosenau, Jahrgang 1923
Sie hat nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1985 die ganze Welt bereist. Sie lief über die Chinesische Mauer, stand auf dem Ayers Rock in Australien, war am Kap in Südafrika und besichtigte das World Trade Center in New York, als es das noch gab. Doch für Anna-Marie Hanke hat ihre allererste Auslandreise nach Spanien einen Ehrenplatz in der Erinnerungsloge: »Das war ja unsere Hochzeitsreise, zwei Jahre nach unserer Flucht aus der DDR«, sagt sie, die 1958 über Berlin in den Westen gelangt war. Zwei Jahre sparten sie und ihr Mann Ernst eisern, bis sie sich Hochzeit und Reise leisten konnten. »Die Reisefreiheit war neben der Redefreiheit für uns das höchste Gut«, betont die gebürtige Thüringerin, »vorher durften wir ja höchstens mal an die Ostsee fahren!« Und nun, 1960, ging es mit einem Reisebus an die Costa Brava, in einen Ort namens Calella: »Schon unterwegs haben wir es in Frankreich und Spanien genossen, die gepflegten, bunten Häuser zu sehen – aus der DDR kannten wir nur alles Grau in Grau.« Von Calella aus unternahmen die Hankes dann genau so viel, wie die Reisekasse eben hergab: »Wir hatten uns alles vom Munde abgespart, ein Glas Wein war für uns die Ausnahme. Aber wir wollten trotzdem mal an der Küste lang, nach Lloret de Mar und nach Barcelona.« Die erste Auslandreise, die 14 Tage dauerte, ist für Anna-Marie Hanke »das größte, einschneidendste Erlebnis« geblieben. Und das, obwohl ihr Mann Ernst dauernd zum Arzt musste: »Leider hatte sich bei ihm ausgerechnet während des Urlaubs ein Zahn entzündet.« Aber dieser Wermutstropfen ist in ihrer Erinnerung längst vertrocknet.

1961

Ingrid Ullmann, Jahrgang 1943, aus Nürnberg
Ingrids großer Bruder brachte jeden Samstag seine Freunde mit nach Hause, und sie als zweitälteste von vier Geschwistern war voll in diesen Kreis junger Leute integriert. Sie hatten viel Spaß und wenig Geld, aber immer war Leben in der Bude. »Wir tanzten, machten Ausflüge. Und im Sommer ´61 konnte sich mein Bruder sein erstes Auto leisten, einen VW-Käfer«, berichtet Ingrid Ullmann. Bald reifte die Idee, gemeinsam nach Italien zu fahren. Doch da Ingrid noch keine 18 Jahre alt war, hatte ihre Mutter Bedenken. Viel Überzeugungsarbeit war deshalb notwendig, und die Mutter willigte schließlich ein. Ingrid, ihre Freundin, ihr Bruder und seine beiden Freunde, zwei Zelte und jede Menge Konservendosen sollten ins Auto. In letzter Minute sagte die Freundin ab: Deren Eltern hatten zu große Bedenken angemeldet. Doch Ingrids Mutter zog ihre Erlaubnis nicht zurück, nachdem der Bruder gelobt hatte, die jüngere Schwester zu beschützen. Auch die Freunde galten als vertrauenswürdig. Also zuckelten die vier im voll beladenen VW in Richtung Gardasee. Auf der alten Brennerstraße, oben an der Grenzstation, musste der Käfer »verschnaufen«: ebenso wie bei den meisten anderen Autos kochte der Motor. Selbst der Inhalt der Konservendosen, die die Jugendlichen der Einfachheit halber zum Wärmen geöffnet in die Sonne stellten, brodelte. Abends aber machten sich die jungen Nürnberger fein und gingen tanzen. Ingrid mit Petticoat und Pfennigabsätzen. Flirts, harmlos natürlich, waren angesagt. Doch eines Tages wurde Ingrid von einer Mücke im Gesicht derart gestochen, dass sie total verschwollen aussah und sich zurückzog, weil sie sich sehr hässlich fand. »Adios amore!«, hieß es da für sie. Eines Nachts erwachte sie bei Blitz und Donner. »Gewitter am Gardasee sind nicht lustig, vor allem nicht für ein Großstadtkind alleine im Zelt. Mein Zelt war eingestürzt, ebenso wie das der ›Buben‹ nebenan«, berichtet sie. Die Jungen versuchten, ihres wieder aufzurichten. Ingrid aber rollte sich zusammen und schlief weiter. Das eingestürzte Zelt hatte Zeit bis zum nächsten Morgen bei Sonnenschein…. Ihr erster Auslandsurlaub blieb dennoch ihr vergnügtester. Trotz Mückenstich und Konservennahrung.

1971/1980

Ute und Thomas Fürböter aus Heroldsbach bei Forchheim, (Jahrgänge 1953 und 1952)
Schier unglaublich ist die Geschichte von Ute und Thomas Fürböter. Sie begann 1971 in Ostberlin und führte nach vielen Irrwegen und Trennungen die beiden im Jahr 2000 wieder zusammen. Sie hatten sich im Herbst 1971 als Volontäre beim DDR-Fernsehen ineinander verliebt. Und weil Ute ständig von Prag schwärmte, schenkte ihr Thomas zu Weihnachten eine Fahrkarte in die »Goldene Stadt«. Dort wollten beide bei Bekannten ein paar Tage wohnen. Verständlicherweise war er alles andere als erfreut, als im Zug sein Rivale Karl auftauchte, der kurz zuvor erklärt hatte, ebenfalls nach Prag zu reisen. Ute reiste also zwischen zwei Männern in die »Goldene Stadt«, und Thomas fühlte sich gelegentlich als »fünftes Rad am Wagen«. Seine Begeisterung über den Reisekumpan hielt sich selbstredend in Grenzen. Der Silvesterabend in einer Prager Bar jedoch entschädigte ihn. Die Atmosphäre war gelöst und weltoffen. Die Begegnungen mit Gästen aus dem »kapitalistischen Ausland«, speziell mit Gleichaltrigen aus der Bundesrepublik, verliefen heiter, brachten auch viele gute Gespräche. Und zu mitternächtlicher Stunde sanken sich alle in die Arme. Drei Jahre später, 1974, trennten sich Ute und Thomas. Für immer, wie sie glaubten. Denn im Herbst 1979 gelang Thomas über Bratislava, Pilsen und Waidhaus im Kofferraum des Autos von jugoslawischen Freunden, von denen einer im Besitz eines Diplomatenpasses war, die Flucht in die Bundesrepublik. Thomas blieb eher zufällig mit seiner neuen Freundin in Erlangen hängen. Der erste Kulturschock war bald überwunden. Fast alles fand er wunderbar, und deshalb ging er bereits im Mai 1980 in einem uralten Auto auf die Reise. Nach Italien zum Gardasee. In Sirmione in der warmen Frühlingssonne, unter Palmen und Oleander, Obstbäumen und Blumen fühlten er und seine Partnerin sich wohl. »Wie schön ist die Welt!«, hieß ihr Credo. In einem »Nobelschuppen« am Seeufer speisten sie fürstlich: Lachsforelle, dazu ein Flasche Spumante. Die irren Lire-Beträge auf der Speisekarte ignorierten sie großzügig. Der vornehme Ober präsentierte ihnen die Rechnung vornehm. Und für die allerletzten Lire gönnte sie sich noch einen Espresso.
Der Urlaub in Sirmione entschädigte Thomas für seine allererste Auslandsreise nach Prag, die durch die Anwesenheit von Karl ziemlich verkorkst war. Sirmione war quasi seine erste gelungene Urlaubsreise in Freiheit. Mehr als zehn Jahre nach der Wende, im Jahr 2000, begann er nach Ute zu suchen, seiner großen Liebe. Sie war im »anderen Teil Deutschlands« geblieben, hatte geheiratet, eine Tochter bekommen und war inzwischen geschieden. 26 Jahre nach der Trennung fanden sich die beiden wieder, diesmal wohl für immer. Seit sieben Jahren sind sie verheiratet.

1973

Die Familie Bott erlebte bei ihrer ersten Auslandsreise nach Norwegen viele Abenteuer zu Wasser und in der Luft. Foto: Priva

Die Familie Bott erlebte bei ihrer ersten Auslandsreise nach Norwegen viele Abenteuer zu Wasser und in der Luft. Foto: Priva

Christel Bott aus Nürnberg-Reichelsdorf, Jahrgang 1934:
Erst mit 36 Jahren unternahm Christel Bott ihre erste Auslandsreise. »Mitte der Fünfziger bin ich mit meinem Mann einmal ins Fichtelgebirge gefahren, dann sind die Kinder gekommen, und dann hat mein Mann beruflich umgelernt, so hat sich das Reisen verzögert«, erklärt die gebürtige Berlinerin, der man den Akzent immer noch anhört. 1973 war es dann aber so weit. Ihr Mann fragte sie: »Wohin würdest Du denn am liebsten fahren?« Spontan gab sie zur Antwort: »Ich will nach Norwegen!« Schließlich hatte Christel Bott damals in ihrer Firma traumhaft schöne Bilder dieses Landes auf einem Jahreskalender vor Augen. Gesagt, getan: Mit den Kindern auf dem Rücksitz ihres Opel Kadett fuhren die Botts nach Kiel, nahmen von dort eine Fähre nach Oslo und reisten bis zum Nordkap. »Norwegen war damals für mich ein Traum, das Land schien alles zu haben, was ich liebte: das Wasser, die Wälder, die schroffe Natur.« Vorher hatte sie immer mehr Angst bekommen, ob die Realität auch wirklich so schön sein könne wie die Kalenderbilder. »Aber es war dann wirklich wunderbar«, erinnert sich Christel Bott. Im Gepäck hatte die Familie auch viele Lebensmittel, weil die in Skandinavien so teuer waren. Außerdem angelten Vater und Sohn für die Familie: »Einmal haben wir drei Tage lang nur von Fischen gelebt«, erzählt Christel Bott, »und danach habe ich protestiert: Ich will auch mal wieder was anderes haben!« Das Einkaufen sei aber gar nicht so einfach gewesen, weil man den Lebensmitteln ihren Geschmack nicht ansehen konnte – so erwies sich dunkles Brot als süß, ein anderes hatte eine Anis-Note, und beides habe so gar nicht zu den Bockwürsten gepasst, die man dazu gekauft hatte. Ganz stark im Gedächtnis blieben ihr auch schlechte, einspurige Küstenstraßen und Orte mit Unmengen an Mücken vor dem Camping-Häuschen. Trotz solcher Fehlerchen – oder gerade wegen ihnen – wiegt für Christel Bott ihre Norwegen-Tour »mindestens genauso schwer wie alle großen Reisen später«. Die sparsame Fahrt im Kadett nach Norwegen steht der späteren Kenia-Safari der Botts im Jeep in nichts nach.

1982

Sonja Rascher, Jahrgang 1964, aus
Erlangen:
»Erst wenn du 18 Jahre alt bist, darfst du mit deinem Freund in Urlaub fahren«, hatten Sonjas Eltern entschieden. Und so geschah es: 1982 fuhr Sonja mit ihrem Freund im gelben Ascona Richtung Jugoslawien. Endlich waren sie allein zu zweit, verliebt und vergnügt machten sie sich auf die Reise. Der Wagen war nicht neuwertig, hatte schon einige Kilometer auf dem Buckel und blieb just nach der österreichischen Grenzkontrolle stehen: Der Anlasser streikte. Die Schlange der Fahrzeuge hinter den beiden wurde lang und länger, das Hupkonzert immer lauter. »Unsere Nervosität rührte die Grenzbeamten. Einer von ihnen hatte einen prima Tipp: ›Ihr müsst mit einem Stein auf den Anlasser klopfen, dann springt der Motor an‹«, berichtet Sonja. Es funktionierte tatsächlich, der Motor sprang an, und den Stein durften sie sogar mitnehmen. Zum Glück. Herrliches Wetter und die schöne Landschaft verleiteten sie nämlich dazu, an einem Aussichtspunkt anzuhalten. Dort aber mussten sie die selbe Prozedur durchführen, um wieder loszukommen: »Ich übte bei offener Kühlerhaube den ›Steinschlag‹, stieg ein, und wir rollten weiter. Jetzt wussten wir, dass sich dieses Ritual fortsetzen würde«, erinnert sich die Erlangerin. Doch der nächste Schrecken erwartete sie bereits: Sie verfehlten den Grenzübergang nach Jugoslawien und gerieten in militärisches Sperrgebiet, wo sie Soldaten mit gezückten Gewehren zum Halten zwangen. Sie erkannten wohl, dass es sich um zwei junge, harmlose Reisende handelte und forderten zur Weiterfahrt auf. Die Soldaten rechneten allerdings nicht damit, dass Sonja zu diesem Zweck mitsamt Stein aussteigen musste, um die Karre wieder flott zu kriegen. »Das veranlasste sie erneut, ihre Gewehre in Anschlag zu bringen…« Mit gemischten Gefühlen erreichten die beiden jungen Leute ihr Urlaubsziel am Meer und genossen die Tage. So lange, bis Sonjas Freund beim Absperren des Vehikels plötzlich den Schlüssel nebst Autoschloss in den Händen hielt. Ein jugoslawischer Schmied übernahm die Reparatur und brachte sogar den Anlasser wieder hin. Eine richtige Werkstatt konnten sie sich nicht leisten, da beide noch in der Ausbildung waren und nicht viel Geld besaßen. Allmählich stellte sich bei ihnen eine Durchhaltementalität ein: »Wir waren wild entschlossen, den Urlaub dennoch zu genießen. Als uns auf der Heimfahrt, kurz vor München, Überholende pausenlos anblinkten, weil wir einen Platten hatten, war die gute Laune aber doch etwas verkrampft«, erzählt Sonja. Denn der Ersatzreifen lag ganz unten, sie mussten erst das Auto leer räumen um hinzukommen. Sonjas Freund und heutiger Mann hatte die Nase endgültig voll und ließ das Vehikel nach der Heimkehr verschrotten. Ihren Schwur »Nie wieder Jugoslawien« haben sie gehalten.

Magda Schleip

Vielmehr berichten hier alte wie junge Menschen von den Eindrücken ihrer ersten Auslandsreise. Mögen die Ziele von heute auch anspruchsvoller sein als früher – das große Staunen, endlich die Enge der Heimat gegen Neues zu tauschen, war schon damals da. Geblieben ist auch die Liebe zum Süden, zum helleren Licht, zu den lauen Abenden dort.
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