Alter Sack, was nun?

Artikel drucken Artikel drucken 12. Februar 2010 | Von | Kategorie: Reise & Kultur
Kester Schlenz: Alter Sack, was nun? Ein Überlebensbuch für Männer. Mosaik bei Goldmann, München. 16.95 Euro. Auch als Hörbuch erhältlich.

Kester Schlenz: Alter Sack, was nun? Ein Überlebensbuch für Männer. Mosaik bei Goldmann, München. 16.95 Euro. Auch als Hörbuch erhältlich.

Wann ist man ein alter Sack? Ab 40, 50 oder 60? Die Grenzen sind fließend in unserer Party- und Eventgesellschaft. Als ich (Jahrgang 1942) damals 50 wurde, machte ich mir noch keine großen Gedanken, doch für Kester Schlenz, Jahrgang 1958, steht fest: »Fünfzig werden ist Scheiße!« Der Kultur-Ressortleiter beim Magazin Stern – er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne – greift in die Jammerkiste und schreibt: »Von nun geht’s bergab. In Riesenschritten ins Rentenalter! Wampe kriegen, Falten, die letzten Haare verlieren, Sex abgewöhnen, Rollstuhl, Breinahrung, Altersheim Siechtum. Ich geb’ mir die Kugel!«

Doch keine Angst, Männer! Der Autor meint es nicht ganz so ernst. Sein Buch »Alter Sack, was nun?« ist ein Mutmachbuch. Saukomisch und fast auf jeder Seite zum Lachen. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: »Wir Älteren können es immer noch krachen lassen, wenn auch im Schongang.«

Hier eine Checkliste unter dem Motto »Was man bis 50 alles geschafft haben sollte«: Baum kaufen, (sein eigenes) Haus angucken, Kinder verziehen, vom Dreier springen, drei gute versaute Witze kennen, einmal irgendjemand auf die Schnauze hauen (oder wenigstens damit drohen), draußen (in der Natur) Sex haben, gegen geladenen Kuhdraht pinkeln, dem Chef die Meinung sagen, die Nachbarin verführen (zu einem weiteren Glas Wein).

Wer das alles noch nicht auf die Reihe gebracht hat, braucht nicht gleich aufzugeben. In »Alter Sack, was nun?« findet er eine Menge humorvoller Empfehlungen gegen Griesgrämigkeit und Sich-hängen-lassen. Das Wichtigste: Ein alter Sack muss zu sich selber stehen und den inneren Schweinehund besiegen. Schlenz nennt ihn »Gilbert«. Ob wir zu dick sind, zu besoffen, zu faul, zu feige oder zu ungelenkig – an allem ist irgendwie »Gilbert« schuld, jene unangenehme, unbequeme Seite in uns. Wenn wir »Gilbert« immer nachgeben, sind wir verloren. Also machen wir einen Deal mit ihm: Er kriegt ab und an ein Bier und ein Stück Sachertorte und darf auch mal eine Stunde auf dem Sofa liegen. Aber dafür wird regelmäßig gejoggt, der Fernseher auch mal ausgelassen und die Treppe statt des Fahrstuhls genommen. Der Autor rät: »Im Grunde genommen müssen wir mit Gilbert so umgehen, wie einst mit unseren Kindern, als sie noch klein waren – wir müssen ihm liebevoll, aber dennoch mit Festigkeit und Konsequenz den richtigen Weg weisen.« Das ideale Geschenkbuch für (fast) alle Männer mit witzigen Illustrationen von Til Mette.

Horst Mayer

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