Schlechte Nachricht
für Pflegebedürftige
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2. Februar 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Pflege & Betreuung, aktuell
Wie lautet die Nachricht in Deutschland, die im vergangenen Jahr von den Medien am meisten vernachlässigt wurde? Antwort: Pflegebedürftige bekommen keine Hilfe mehr, wenn sie ins Krankenhaus müssen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA), die jetzt die Top 10 der 2009 vernachlässigten Themen in Deutschland vorstellte.
Eine halbe Million Menschen in Deutschland brauchen im Alltag eine Pflegekraft. Kommen diese Menschen ins Krankenhaus, müssen fast alle von ihnen auf diese Hilfe verzichten. Denn die Pflegeversicherung zahlt dann keine Betreuung mehr, weil in der Klinik angeblich eine ausreichende Versorgung gewährleistet sei. Tatsächlich haben die Pflegekräfte in den Krankenhäusern bereits zu wenig Zeit für ihre normalen Aufgaben, besonderen Bedürfnissen können sie noch weniger gerecht werden. Häufige Folgen sind: Mahlzeiten werden zu schnell abgeräumt, Patienten mit auffälligem Verhalten werden durch Medikamente ruhig gestellt. Ein Gesetz, das 2009 erlassen wurde, sollte das Problem lösen – es hilft aber nur etwa 500 Betroffenen in ganz Deutschland. Über diese Missstände und über das unzureichende Gesetz wurde kaum berichtet, beklagt die INA.
Die INA wurde im Mai 1997 gegründet und wurde in diesem Jahr von der TU Dortmund und der Jacobs University Bremen getragen. Ideengeber der Initiative ist das US-amerikanische “Project Censored”. Ziel der INA ist es, wichtige Nachrichten und Themen, die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Journalisten und der Öffentlichkeit zu bringen. Medienschaffende, gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Institutionen, aber auch alle Bürger können bei INA ihrer Meinung nach vernachlässigte Themen einreichen. Die Themenvorschläge werden von Studierenden in Recherche-Seminaren auf Richtigkeit und Vernachlässigung geprüft. Alle Themen, die dieser Prüfung standgehalten haben, werden der Jury der INA vorgelegt. Diese entscheidet dann über die gesellschaftliche Bedeutung der Themen, indem sie jeweils Anfang des Jahres die Rangliste der vernachlässigten Top-Themen des vergangenen Jahres wählt – im Januar 2010 bereits zum dreizehnten Mal.
Die Jury der INA setzt sich aus Journalisten und Wissenschaftlern zusammen, unter anderem Prof. Dr. Rainer Geißler (Universität Siegen), Prof. Dr. Peter Ludes (Jacobs University Bremen), Prof. Dr. Johannes Ludwig (Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg), Prof. Dr. Horst Pöttker (TU Dortmund) und Prof. Dr. Christian Schicha (Mediadesign Hochschule Düsseldorf).
Die ausführliche Top-10 aus 2009 sowie die Top-Themen der vergangenen Jahre sind auch online unter www.nachrichtenaufklaerung.de einzusehen.
