Das war schick:
der Bogenhanf
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17. Juni 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Reise & Kultur
Sie waren in den 50er, 60er und 70er Jahren der letzte Schrei, heute liegen sie achtlos in Schränken, Schüben, Kellern oder auf Dachböden: Dinge, die einmal richtig »schick« waren. Manches davon aber ließ sich nicht wegsperren, verlangte stets nach ein wenig Pflege und hat deshalb in Ecken oder Kammern überlebt. So wie die Metzgersblume oder, fachlich korrekt, der Bogenhanf.
Sie ist eine echte Überlebenskünstlerin, diese Pflanze mit den schmalen, nadelspitzen, grünen Blättern. Sie kommt nahezu ohne Licht, Wasser, Pflege und Zuneigung über Monate hinweg aus. Auch nimmt sie es den Menschen nicht übel, wenn sie monatelang nicht abgestaubt wird. Im Gegenteil, dann wirkt ihr Blattgrün umso intensiver. Ihr gewöhnlicher Lebensraum in vielen Fleischereifachgeschäften hat ihr in den 70er Jahren den wenig charmanten Namen »Metzgersblume« eingebracht, gelegentlich sogar »Metzgerspalme«. Oder auch den kaum schmeichelhaften Ruf, ein »Seniorentrost« zu sein. In Pflegeheimen ist sie häufig ein einsamer Gast gewesen. Doch für die Sansevieria trifasciata laurentii, so der botanische Name des Bogenhanf, kam es noch schlimmer: »Schwiegermutterzunge« musste sich das scharfkantige Gewächs rufen lassen, dabei kann es keiner Fliege etwas zu Leide tun. Zumindest nicht im lebenden Pflanzenzustand.
In früheren Zeiten jedoch wurden aus den grün-gelb gesprenkelten, fleischigen Blättern Bogensehnen hergestellt. Daher stammt auch der Name Bogenhanf des ursprünglich in Afrika beheimateten Gewächses. Es ist hart im Nehmen, verträgt trockene Luft wie hohe Zimmertemperaturen, pralle Sonne wie Halbschatten und sogar trockene Erde.
Weil der Bogenhanf einfach ein Tausendsassa ist, hat er es geschafft, sich überall anzupassen. Diesen Eigenschaften dürfte er es verdanken, dass er heute wieder gefragt ist. Zum Beispiel bei Menschen, die keine Zeit haben, sich um ihre Pflanzen zu kümmern, oder denen der »grüne Daumen« fehlt. In vielen Büros ist die Sansevieria inzwischen (wieder) eine gern gesehene Gesellschafterin, auch Wohnzimmer im edlen Design vermag sie zu schmücken. Eine echte Exotin.
Elke Graßer-Reitzner














