Die Rose – eine kapriziöse Schönheit
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11. Juni 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Reise & Kultur
Zu verdanken ist es wohl Eva. Als sie und Adam aus dem Paradies vertrieben wurden, soll sie heimlich eine der Blumen mitgenommen haben, die noch heute vorzugsweise in den weltlichen Gärten blüht: die Rose. Um sie ranken sich viele Mythen und Sagen, zahlreiche Gedichte sind ihr gewidmet. Die Rose ist aber auch mit jeder Menge Irrtümern behaftet. Zu den bekanntesten zählen wohl »Die Rose hat Dornen« und »Konrad Adenauer hat Rosen gezüchtet«.
»Adenauer war ein Rosen-Liebhaber. Er hat sie gekauft und in seinem Garten gepflanzt. Das war es schon«, räumt der Rosenspezialist Hans Hofmann aus Langensendelbach im Landkreis Forchheim gleich mit einer der beiden Legenden auf. Es gibt zwar eine Sorte, die den Namen des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland trägt. Sie wurde ihm allerdings nur gewidmet – von einem richtigen Züchter.
Von denen gibt es heutzutage nicht mehr viele. Nur wenige große Gärtnereien tun es, kaum noch kleine. Privatpersonen, die sich damit beschäftigen, neue Kreationen zu zaubern, sind nur schwer zu finden. Zu unrentabel, zu langwierig, zu schwierig. Schließlich geht es beim Kreuzen von verschiedenen Sorten nicht nur darum, eine noch nie da gewesene Blütenform in einer noch nie da gewesenen Farbe zu kreieren. Vielmehr soll die Schönheit der »Königin der Blumen« erhalten bleiben und dabei von einigen ihrer nicht gerade wenigen Handicaps befreit werden.
Anfällig für Pilzkrankheiten
Hans Hofmann weiß, wovon er spricht. Seit 40 Jahren beschäftigt den 57-Jährigen die Rose und er sich mit ihr. »Die eine Rose hat vielleicht eine besonders schöne Blüte, duftet aber nicht«, beschreibt er ein typisches Problem. Eine andere hält sich nicht in der Vase oder wird leicht von Schädlingen befallen. Am meisten Sorge jedoch bereitet, dass die Blumen so anfällig für Pilzkrankheiten sind.
Wie schon zu Zeiten seines Vaters widmet sich die Baumschule von Hans Hofmann im Ort nahe Forchheim noch heute in erster Linie der Vermehrung von Obstbäumen und hat sich dabei auf besondere Sorten spezialisiert wie auf die Felsenbirne. Auch Apfel, Kirsche, Birne und Pflaume gehören zur großen Baum-Familie. »Nach dem Krieg wollten die Menschen erst einmal mit Obst gefüttert werden«, sagt Hofmann. Doch Anfang der 60er Jahre war es soweit. Die Bundesbürger wollten nicht mehr nur etwas für den Magen, sondern auch etwas fürs Auge. Seither werden bei Hofmanns auch Rosen angebaut.
»Anbauen heißt, dass wilde Rosensämlinge im Sommer durch Okulation veredelt, also Edelaugen auf die wilde Unterlage gebracht werden«, erläutert der studierte Gartenbau-Ingenieur. Denn ist erst einmal eine besonders gelungene Sorte gezüchtet, kann sie nicht einfach ausgesät und vervielfältigt werden. Wer weiß schon, ob die Rose den erzüchteten Rosé-Ton erhält oder sich vielleicht doch das Rot des »Vaters« oder das Weiß der »Mutter« durchsetzt?
Um eine bestimmte Rose in einer bestimmten Qualität zu erhalten, müssen von der gewünschten Sorte die an den Blattachsen sitzenden Knospen mit einem Messer herausgeschnitten werden. Die Knospe – das Edelauge also – wird dann in die wilde Rose eingesetzt. Dafür wird in den Wurzelhals der ausgesäten Pflanze ein Schnitt in Form eines T gemacht, in das die Knospe hineingesteckt wird. Was sich wie eine aufwändige Operation anhört, ist Akkordarbeit. »Gute Leute veredeln 4000 Stück – am Tag«, sagt Hofmann. Da eine Pflanze im Durchschnitt fünf Stiele mit je zehn Knospen hat, können aus einer Rose 50 neue entstehen.
Ein teurer Spaß
Rosen sind ein teurer Spaß. Nicht nur die Veredler müssen bezahlt werden. Auch die Hege und Pflege der Pflanzen kostet Geld. Und dann gibt es da noch die Lizenzgebühr für die Züchter. Für jede zu veredelnde Pflanze wird eine »Royalty« von 50 Cent bis zu einem Euro fällig. Oder die Gebühr wird auf die verkauften Pflanzen erhoben. »Das ist mitunter günstiger«, sagt Hofmann. »Denn gezahlt wird nur für das, was am Ende auch wirklich über den Ladentisch geht.«
Die Baumschule W. Hofmann hat sich inzwischen von der Zucht aufs Kultivieren verlegt. Der Betrieb kauft bereits veredelte Rosen, die in Töpfen dann ein bis zwei Jahre lang weiterkultiviert werden, »bis wir unseren Kunden eine fertige, blühende Rose präsentieren können«. Der Begriff Baumschule steht im Übrigen für »in Reihen aufgepflanzt« oder auch »aufgeschult« – und nicht für »schulen« im Sinne von »etwas lehren«.
Die Auswahl ist riesengroß
Wurden früher die Pflanzen in der Zeit ihrer Vegetationsruhe von Ende Oktober bis Anfang April gekauft und gepflanzt, fragt der Verbraucher heute Rosen in ihrem attraktivsten Zustand nach – der vollen Blüte. Die Auswahl ist riesengroß – es gibt zehn Rosenarten und schätzungsweise 10 000 unterschiedliche Sorten – und die Nachfrage ist oft von Moden bestimmt. Seit ein paar Jahren liegen vor allem historische beziehungsweise englische Rosen mit vollen Blütenformen und in edlen Pastelltönen wieder im Trend. In den 80er Jahren hingegen waren Rosen in dunklen Farben wie lila oder schwarz gefragt. Nur die klassische rote Rose ist ein Dauerbrenner.
Dass die Rose die wahrscheinlich beliebteste Pflanze ist, wundert Hofmann ganz und gar nicht. »Rosen blühen von Juni bis Oktober.« Damit sie sich auch voll entfalten können, wollen sie ins Licht. »Rosen sind echte Sonnenkinder.«
Wer die dunkle Seite der Rose fürchtet und die alte Volksweisheit glaubt, »wo Rosen sind, sind auch Dornen«, hat sich geschnitten. Rosen haben Stacheln, wie jeder Botaniker weiß. »Diese sind daran zu erkennen, dass sie sich leicht entfernen lassen, ohne die Oberhaut des Pflanzenstiels zu verletzen«, klärt Hofmann auf. Dornen hingegen sitzen tief. Hätte Dornröschen sich wirklich an einer solchen gestochen, hätte sie schon in einen Kaktus greifen müssen.
Anja Kummerow














