Fahrbahnen queren – aber sicher
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24. Juni 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Gesundheit & Ernährung
Der Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. hat in
der Bundeshauptstadt für 825 Fahrbahn-Querungsstellen Vorschläge
formuliert, wie das Queren für Fußgänger sicherer und komfortabler
gestaltet werden könnte. Diese Untersuchung ist damit das bisher
umfangreichste sogenannte “Fußverkehrs-Audit”, welches jemals in einem Fußwegenetz in einem städtischen Straßensystem durchgeführt wurde. Die Empfehlungen für Maßnahmen entsprechen den Absichten des 2003 vom Parlament beschlossenen Stadtentwicklungsplanes Verkehr, weshalb das Vorhaben durch die Verkehrslenkung Berlin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstützt wurde.
Das bereits 1994 ebenfalls vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene insgesamt etwa 500 Kilometer lange Netz der 20 Grünen Hauptwege soll zu einem attraktiven Angebot entwickeln werden, kann und soll aber nicht den Fußverkehr auf ein straßenferneres Wegenetz bündeln. Die Kooperationspartner dieses Modellvorhabens, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der BUND-Berlin und der FUSS e.V., waren sich einig, dass verkehrssichere und komfortable Straßenquerungen eine entscheidende Grundlage für den Erfolg dieses Fußwegenetzes für den Freizeit- und den Alltagsverkehr darstellen. Deshalb wurde untersucht, ob die Querungsanlagen dem aktuellen Regelwerk entsprechen (“Stand der Technik”), ob sie unter Einbeziehung der örtlichen Verkehrsverhältnisse höchstmögliche Verkehrssicherheit bieten, attraktiv und komfortabel sind und sich möglichst im direkten Wegeverlauf befinden. Da die grünen Wege ein Angebotsnetz darstellen und das vorhandene oder angestrebte Fußverkehrsaufkommen einen hohen Anteil mobilitätseingeschränkter Personen aufweist oder aufweisen wird, hatte die Barrierefreiheit einen hohen Stellenwert.
Die durchgeführte Analyse erlaubt aufgrund der Größenordnung des
Untersuchungsgebietes und der Netzdichte Rückschlüsse auf die Qualität der Querungsanlagen in der gesamten Stadt, welche auch in anderen deutschen Städten relevant sein dürften:
* Besonders auffällig sind die zahlreichen, meist durch unachtsam
aufgestelltes Mobilar behinderten Sichtbeziehungen zwischen den
Fußgängern und den anderen Verkehrsteilnehmern, sowie die unangemessen hohen Geschwindigkeiten des motorisierten Verkehrs aufgrund zu breiter Fahrstreifen und zu großzügig ausgerundeter Ecken.
* Aufgrund einer unsystematischen Anordnung verschiedener zulässiger Höchstgeschwindigkeiten gibt es zu häufig kurze Wechsel zwischen 50 km/h und z.B. Tempo-30-Strecken, die die Akzeptanz für langsamere Fahrweisen vermindern.
* Ein weiteres Problem sind die immer wieder zu dicht an die
Querungsanlagen herangeführten Parkbuchten für Kraftfahrzeuge und die fehlende Überwachung verkehrswidrigen Parkens z.B. in den
freizuhaltenden 5-Meter-Bereichen.
* Insbesondere außerhalb der Innenstadt sind die Querungsstellen aus
Sicht der Fahrzeugführer oft nicht erkennbar.
* Obwohl die Schaltungen von Lichtsignalanlagen nicht zum Gegenstand
der Untersuchung gehörten, wurden zahlreiche Ampelanlagen registriert, bei denen eine Querung der Fahrstreifen nicht in einem Zuge möglich ist. Das Hauptproblem an Ampeln sind allerdings unvollständig
signalisierte Knotenpunkte, die Umwege und lange Wartezeiten für
Fußgänger verursachen.
Für das Wegenetz wurden annähernd 1.300 Empfehlungen für
Verbesserungsmaßnahmen formuliert. Davon betreffen allerdings
zahlreiche Anregungen die Fragestellung, ob nicht allein durch eine
Korrektur im Wegeverlauf – und sei es nur der Wechsel der Straßenseite
- eine Verbesserung der Bedingungen für die Verkehrssicherheit und
Komfort erreicht werden kann. Diese Vorschläge sind kostenneutral.
Sehr viele Vorschläge beziehen sich auf Markierungen von
Fußgängerkaps, Park- und Fahrstreifen, gehören also im Vergleich zu
Straßenumbauten oder der Anlage von Lichtsignalanlagen zu den
kostengünstigen und kurzzeitiger umsetzbaren Maßnahmen. Eine erste
grobe Einschätzung für die Gesamtheit der Maßnahmenvorschläge ergab einen durchschnittlichen Kostenfaktor von etwa 13.000 Euro pro
Kilometer Wegelänge. Der gesamte Untersuchungsbericht wurde unter
www.fussverkehrs-audit.de veröffentlicht.
Das Projekt wird in absehbarer Zukunft ein Herausstellungsmerkmal des Stadtmarketings sein. Umsetzung und Weiterentwicklung der 20 Grünen Hauptwege in Berlin sind erklärtes Ziel der Landesregierung, das aber nur erreichbar ist, wenn die Grün- und Erholungswege sowie die zu kreuzenden Verkehrsflächen gleichermaßen schrittweise verbessert werden. Deshalb ist die Umsetzung von in diesem Audit empfohlenen Maßnahmen in einem Netzteil der Grünen Hauptwege im Rahmen eines Pilotvorhabens in der derzeit in Abstimmung befindlichen
“Fußverkehrsstrategie für Berlin” enthalten.














