SIN-Vorsitzender Prey kämpft gegen zuviel »Denglisch«

Artikel drucken Artikel drucken 6. Juni 2010 | Von | Kategorie: Jobs & Ehrenamt

Erwin Prey formuliert sehr präzise. Was er zu sagen hat, fasst er kurz und prägnant zusammen: »Ich möchte die Belange älterer Menschen stärker in die Öffentlichkeit tragen«, sagt der ehemalige stellvertretende Vorstandsvorsitzende eines Versicherungskonzerns. Deshalb ließ er sich zum Vorsitzenden der Senioren Initiative Nürnberg (SIN) wählen. Die Vereinigung verbindet Menschen, die unabhängig von ihrer weltanschaulichen und religiösen Prägung etwas für die Verbesserung der Lebensbedingungen von betagten Nürnbergern beitragen möchten.

Kontakt zu Jungen pflegen

Die wichtigste Schiene, auf der ihre Anliegen transportiert werden, ist der Stadtseniorenrat. Die SIN stellt mit Erich Guthmann den Vorsitzenden dieses politischen Gremiums. Doch darüber hinaus entwickelt die Gruppe um Erwin Prey eigene Themen, allen voran die Diskussion über den Umgang mit der deutschen Sprache. Seit einigen Jahren haben sie dem D’englisch den Kampf angesagt, dem starken Einfluss des Englischen in der deutschen Sprache. Die Vertreter der Generationen, die nicht wie heute selbstverständlich mit Englisch aufgewachsen sind und es nicht in der Schule spätestens ab der fünften Jahrgangsstufe gelernt haben, reagieren mit Unverständnis und Ablehnung, wenn Geschäfte mit »Sale« werben oder der »Bratwurst-Point« seine fränkische Spezialität anpreist.

»Das easyCredit-Stadion hat uns eine Steilvorlage geliefert«, sagt Erwin Prey und berichtet, dass sich der Unmut über den Verkauf des Namens für das frühere Frankenstadion mitnichten gelegt habe, selbst wenn das Thema fast aus der Medienöffentlichkeit verschwunden ist. Das zeigen die Unterschriftenlisten der SIN, auf denen sich die Gegner dieser Umbenennung eintragen können. Mehrere Tausend Namen sind dort inzwischen verzeichnet.

Der fitte Mittsechziger will nicht als rückständig gelten. Er möchte Brücken zur jungen Generation schlagen, auch wenn sich das manchmal nicht so einfach gestaltet. Derzeit entwickelt die SIN gemeinsam mit den zuständigen städtischen Stellen ein Konzept, um mit Schulen gemeinsam Vorlesestunden in Altenheimen anzubieten. Außerdem machen sich die Mitglieder der SIN Gedanken darüber, wie man Schülern ein positives Altenbild vermitteln könnte.

Zukunftsaufgaben der SIN

Prey sah sich mit Eintritt in den Ruhestand das erste Mal persönlich mit dem Thema Altern konfrontiert. Es hat dazu geführt, dass er sich für das arbeitsintensive Ehrenamt entschieden hat. Schließlich will er auch bei den aktuellen Entwicklungen in der Seniorenpolitik der Stadt mitreden. So begrüßt es die SIN, dass es Überlegungen gibt, das Nürnberger Seniorenamt mit Büroräumen im Gebäude des Heilig Geist Spitals unterzubringen. »Das bedeutet eine große Aufwertung«, urteilt Prey über die Pläne. Er freut sich, dass die Debatte um die Auflösung des Seniorenamtes nun vom Tisch zu sein scheint und prognostiziert der städtischen Dienststelle allein durch die räumliche Veränderung deutlich mehr Besucher. Auch über die mögliche Sanierung und Wiedereröffnung des Volksbads freuen sich die SIN-Mitglieder. »Das kommt den Älteren und den Jüngeren zugute«, ist Prey überzeugt. Vor allem diejenigen, die in ihrer Kindheit in der Jugendstilperle das Schwimmen gelernt haben, verbinden mit dem Gebäude neben dem Planetarium viele positive Gefühle.
Manches Hintergrundwissen schöpft der SIN-Vorsitzende aus den regelmäßigen Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten. Mal ist der Experte für Gerontologie aus dem Klinikum Nürnberg zu Gast, mal der frühere Kulturreferent Hermann Glaser. Oder es wird ein Vertreter des Bündnisses für Sprache eingeladen, mit dem man zum einen gemeinsam für Deutsch als Amtssprache in der Europäischen Union eintritt und zum anderen versucht, den durch die Fußballweltmeisterschaft ausgelösten patriotischen Schwung in die Alltagssprache hinüberzuretten.

Petra Nossek-Bock

Die Senioren Initiative Nürnberg freut sich über neue Mitstreiter. Kontakt über:
Erwin Prey
Stettiner Straße 6,
90425 Nürnberg
Telefon 09 11 / 300 54 84

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