Der gute Wille
hilft beim Verkaufen
Artikel drucken
15. August 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Jobs & Ehrenamt

Lili Schroeder berät eine Kundin. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin kann nicht nur über die Produkte informieren, sondern auch über die Produktionsbedingungen. Foto: Cindric
Auch um Geschenkideen ist sie nie verlegen. Auf Wunsch hilft sie beim Bestücken eines Präsentkorbs mit ausgesuchten Leckereien. »Unbedingt hineinpacken« würde sie beispielsweise Bitterschokolade mit Orangennote und garantiert ohne Beimischung von genmanipuliertem Soja, Schokoriegel mit Kakao-Crème-Füllung, Wildblütenhonig aus Mexiko, Bio-Espresso und Schoko-Crème-Likör. Auf keinen Fall fehlen dürfen köstliche Mango-Produkte, seien es Saft, Likör oder Fruchtaufstrich, alle versehen mit dem Symbol der »Aktion Schutzengel«. Diese Aktion diene der Bekämpfung der Armut auf den Philippinen durch gerecht bezahlte Beschäftigung der Menschen bei Anbau und Ernte der Mangos und bewahre so vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch erwachsene Frauen davor, durch Prostitution Geld verdienen zu müssen, erzählt Lili Schroeder.
Prägende Erlebnisse
Sie ist weit herumgekommen, denn sie und ihr Ehemann Lothar Döpfer sind sehr reiselustig. Die beiden haben mehrere Jahre in Afrika gelebt. Von 1988 bis 1991 waren sie im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts zur Verbesserung der Wasserversorgung im zentralafrikanischen Ruanda. Für Lili Schroeder war diese Zeit voller prägender Erlebnisse. Dazu gehört beispielsweise die Besichtigung eines typischen Teeplantagenbetriebs. »Erst wurde kräftig Gift zur Schädlingsbekämpfung gespritzt, anschließend hat man Frauen zum Teepflücken geschickt«, erinnert sie sich. »Menschenverachtend« findet sie neben den gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen auch die »Hungerlöhne, mit denen die Teepflückerinnen abgespeist wurden«. Einkaufsalternativen gebe es genug, dank einer Reihe von Initiativen im fairen Handel. Diese Organisationen garantieren den Produzenten-Kooperativen Preise weit über dem Weltmarktniveau.
»Um das zu erreichen, genügen keine mildtätigen Gaben. Viel wirksamer ist es, ordentliche Preise für die Produkte von Menschen aus Entwicklungsländern zu zahlen«, betont sie. »Davon profitieren übrigens auch die Verbraucher, denn sie bekommen hervorragende Qualität, bei den meisten Lebensmitteln sogar aus kontrolliert ökologischem Anbau.« Aus Überzeugung engagiert sie sich seit vielen Jahren als Verkäuferin fair gehandelter Produkte, die durch »TransFair«-Siegel gekennzeichnet sind. Seit 1997 arbeitet sie regelmäßig im Lorenzer Laden. »Ich habe gleich gemerkt, dass ich hier richtig bin. Ich bin Christin, aber kein Kirchenmitglied. Jeder wird respektiert, wie er ist. Das finde ich wunderbar«.
Dass es unter den rund 70 ehrenamtlichen Aktivisten in den vier Bereichen des Lorenzer Ladens (Eine-Welt-Laden, Café, Basisgemeinde und Bolivien-Gruppe) ganz verschiedene Persönlichkeiten und Weltanschauungen gibt, ist offensichtlich kein Problem. »Im Gegenteil, es findet reger Austausch statt«, berichtet Sozialpädagogin Helga Reinholtz, neben Pfarrerin Hertha Steinmaier die einzige Festangestellte im Verein. Die beiden legen Wert auf basisdemokratische Organisationsformen. Jeder wird an den Entscheidungen beteiligt. Ob Anfang 20, wie die Sozialpädagogik-Studentin Susanne Kaul, oder über 60, wie die ehemalige Arzthelferin Rose Schulz, alle schätzen die ausgeprägte Kollegialität.
Elisabeth Zeitler
——————————————————————————–
Information
Lorenzer Laden,
Lorenzer Platz 8, Nürnberg,
Tel. 0911/244 699 70
E-mail: Lola@Lorenzer-Laden.de
Internet: www.lorenzerladen.de
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 10-14 Uhr.














