Etwa 2500 Pilzarten wachsen im Wald

Artikel drucken Artikel drucken 10. August 2010 | Von | Kategorie: Sport & Freizeit

In der Pilzsaison gehen vor allem Rentner auf die Pirsch. Pilzberaterin Ursula Hirschmann hilft bei der Bestimmung der Beute. Foto: Michael Matejka

Manche Namen scheinen ihren Ursprung im Reich der Feen und Kobolde zu haben oder in der Welt der Waldgeister und Baumhexen. Da gibt es beispielsweise den Fransigen Wulstling, die Himbeerrote Hundsrute oder auch das Judasohr. Es ist eine geheimnisvolle Welt, die zu verstehen und zu lieben es jahrelanger, einfühl- und aufmerksamer Zuwendung bedarf. »In die Pilze gehen« hat nicht nur etwas mit profaner Suche nach Nahrung zu tun; da mischen sich vielmehr Liebe zur Natur mit detektivischer Lust und naiver Entdeckerfreude. Und als Höhepunkt rundet am Ende ein feines, gesundes Mahl den Tag ab.

Es sind nicht nur bekannte Arten wie Steinpilz, Pfifferling, Rotkappe, Bovist, Brätling, Butterpilz und Parasol, die den Pilzkenner jubeln lassen. Da wächst aus toten Laubholzstämmen der Beringte Schleimrübling, auf Kohleabraumhalden der ebenfalls essbare Erbsenstreuling und an Weidenästen der Samtfußrübling. Schleimkopf, Kuhmaul oder Ziegenlippe – Namen, die den Laien wohl kaum zur Bestellung animierten, stünden sie im Restaurant als Gericht auf einer Speisekarte.

Es riecht nach Wald und ein wenig nach Moder, wenn Ursula Hirschmann, Pilzberaterin bei der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg, im Katharinensaal der Stadtbibliothek auf einem langen Tisch Ratsuchenden in kleinen Schalen verschiedene Pilzarten präsentiert. Man schnuppert, prüft, begutachtet Stiel und Hut. Die Beraterin zeigt auf Ringe, schneidet auseinander, weist auf rasche Verfärbungen hin. Sie berät nicht allein: 16 Frauen und Männer sind es, die ehrenamtlich als Pilzauskunftsstellen für die Naturhistorische Gesellschaft in Nordbayern tätig sind.

Pilzvergiftung vermeiden

Sich informieren und sich beraten zu lassen, das kann nie schaden. Ursula Hirschmann wünschte sich, dass noch mehr Leute den Service der Naturhistorischen Gesellschaft in Anspruch nähmen. Manch eine Pilzvergiftung ließe sich auf diese Weise vermeiden. So klingelte im Jahr 2007 allein beim Giftnotruf am Nürnberger Klinikum exakt 40 Mal wegen einer Pilzvergiftung das Telefon. Meist stellten sich die Symptome als harmlos heraus, aber in immerhin sechs Fällen kamen die Betroffenen mit akuten Vergiftungserscheinungen auf die Intensivstation.

Wer in die Pilze geht, hat seine Augen überall. Sie heften sich nicht nur an den Waldboden, durchdringen nicht nur modriges Laub, denn Pilze wachsen fast überall. Von Juli bis in den November hinein erwacht in nicht wenigen Zeitgenossen wieder der alte Trieb des Sammlers und Jägers. Doch spätestens hier kommt von Pilzberatern- und -beraterinnen die Mahnung, nicht alle entdeckten Schätze zu rauben. Ursula Hirschmann bittet darum, »nur für den Eigenbedarf« zu sammeln. Und wer sich nicht sicher sei, ob der entdeckte Pilz auch genießbar ist, sollte nicht mehr als zwei Exemplare dem Boden entreißen und zur Begutachtung bringen. Allein das fränkische Sortiment ist reichhaltig: etwa 2500 Arten wachsen zwischen Reichswald und Fichtelgebirge. »Es gibt immer wieder Pilze«, weiß die 60jährige Ursula Hirschmann, »die neu entdeckt werden, Pilze, die noch nicht beschrieben sind.«

Naturschutz geht vor Eigennutz – doch manchen Pilzesammlern fällt es nicht leicht, das gefundene Füllhorn von Waldpilzen nicht ganz zu leeren, dem Nachkommenden auch etwas übrig zu lassen. Egon Schönberger, Zeit seines Lebens passionierter Pilzesammler, verbindet mit einem reichlichen Fund sofort auch die Erinnerung an die Nachkriegszeit: »Da waren Pilze ein ganz wichtiges Nahrungsmittel«, sagt er. Der 81-Jährige geht seit seinem neunten Lebensjahr in die Pilze. Da hat ihn der Vater mitgenommen in den Forst rund um Kammerstein, hat ihn eingeweiht in die Geheimnisse dieser Gewächse. Mit in den Wald mussten indes auch die Gesellen und Lehrlinge aus der Schneiderwerkstatt des Vaters. Abends gab es dann für alle ein reichliches Pilzmahl mit Kartoffelbrei.

Als Erwachsener absolvierte Schönberger trotz Vorkenntnissen zusammen mit seiner Frau Gertrud zwei Jahre lang Pilzkurse an der Volkshochschule. Danach konnte er auch einen Pantherpilz von einem Perlpilz unterscheiden. Ursula Hirschmann erinnert sich an einen Fall, wo ein wohlmeinender Pilzsammler von seinem überreichen Fund seinem Nachbarn abgab, und zwar in Gestalt eines zubereiteten Gerichts. Stunden später konnte der Sammler den von ihm Beschenkten in der Klinik besuchen. In der Meinung, ein Perlpilzgericht zubereitet zu haben, hatte er seinem Nachbarn einen ungenießbaren Pantherpilz kredenzt.
Die Abteilung für Pilz- und Kräuterkunde der Naturhistorischen Gesellschaft führt regelmäßig Pilzlehrwanderungen, Vorträge und Lehrgänge durch. Außerdem kann nach Terminvereinbarung jederzeit bei Sachverständigen in Nürnberg und Umgebung der eigene Fund zur Begutachtung vorgelegt werden.
Günter Dehn
Ansprechpartnerin ist Obfrau Ursula Hirschmann,
Telefon 0911 / 814 93 15. Bei Vergiftungserscheinungen ist der Notruf der Giftinformationszentrale Nürnberg unter der Rufnummer 0911 / 398 24 51 oder 0911 / 398 26 65 rund um die Uhr erreichbar.

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2 Kommentare
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  1. Wir haben jetzt 3 Wochen Urlaub und ich möchte mit meinem Mann eine Pilzwanderung machen um frühere Kenntnisse aufzufrischen.

    Ich wohne in Lindelburg (Schwarzenbruck). Wissen Sie von einer Wanderung die wir beiwohnen können?

    Mit freundlichen Grüßen

    Gitte Danner

  2. Liebe Frau Danner,
    schauen Sie doch mal im Programm der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg nach. Die veranstaltet immer wieder Pilzwanderungen. Hier der Link http://www.nhg-nuernberg.de/main.php