Handball prägt
sein ganzes Leben

Artikel drucken Artikel drucken 31. August 2010 | Von | Kategorie: Sport & Freizeit

In Sachsen geboren, in Franken heimisch: Dieter Oehler (links) mit seinen Spielern von der SG 1873 Süd / TSV Katzwang. Foto: Michael Matejka

Dieter Oehler ist durchtrainiert. Das sieht man dem 65-jährigen Nürnberger sofort an. Denn seit 48 Jahren gehört seine Liebe dem Handballspiel. Natürlich liebt Dieter Oehler auch seine Frau Irmgard – und das seit fast 40 Jahren. Beides hält ihn überdurchschnittlich fit, körperlich wie auch geistig. Der Franke, der im sächsischen Zwickau geboren wurde, ist im regionalen Handballsport bekannt, denn er hat in verschiedenen Vereinen unterschiedliche Positionen bekleidet.

Im Alter von neun Jahren kommt Dieter Oehler mit seiner Familie nach Nürnberg. Sein Vater war in Zwickau in einer Filiale der Warenhauskette Schocken beschäftigt. Als diese nach Nürnberg verlegt wird, zieht Familie Oehler mit. Als sein Vater stirbt, ist Oehler gerade einmal 13 Jahre alt. »Wir waren mit unserer Mutter allein gelassen«, sagt er, und in diesem Satz kommt auch heute noch die Last der Verantwortung zum Ausdruck, die er und sein Zwillingsbruder sich damals teilten. Zwei Jahre später verlassen die Brüder die Schule, um ebenfalls im Schocken, dem heutigen Kaufhof am Aufseßplatz, Geld für die Familie verdienen zu können.

Zu dieser Zeit ist Dieter Oehler dem Sport schon längst verbunden. Schon mit zwölf Jahren ist er als »Leichtrakete« zur Leichtathletik gekommen. Mit 15 ist er dann beim 1. FCN zum Handball gestoßen. Seine Begeisterung und die Hingabe an den Sport helfen ihm über die nicht immer leichten Jahre seiner Kindheit und Jugend hinweg. Der junge Mann spielt zu jener Zeit mit Leuten wie Klaus Schamberger, der später als Glossenschreiber »Spezi« in der Abendzeitung bekannt wurde, in einer Mannschaft.

Beruflich geht es aufwärts, 1965 erhält Dieter Oehler eine Stelle als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Nürnberg, wechselt dann durch verschiedene Ämter. Und auch sportlich geht es weiter. Er findet seine Heimat beim ESV Rangierbahnhof. An die zehn Jahre dort erinnert er sich besonders gerne. »Es waren die schönsten Jahre im Handball, es herrschte eine tolle Kameradschaft, und wir spielten erfolgreich.« Beim ESV Rangierbahnhof arbeitet er erstmals auch in einer Vereinsführung, dann als Trainer. 1972 qualifiziert er sich weiter, macht seine Trainerscheine und trainiert etliche Mannschaften »nebenbei«. Dieter Oehler ist auch jahrelang als Schiedsrichter im Einsatz. Das Handballspiel kennt er wirklich aus allen Perspektiven.

Mit 27 Jahren heiratete Dieter Oehler seine Irmgard. »Die habe ich beim ESV Rangierbahnhof zum Sport gebracht«, erzählt er zufrieden. Seine in Fürth geborene Frau wird genauer: »Unser erstes Treffen, zu dem er mich sofort hingeschleppt hat, war ein Handballspiel. Das weiß ich noch ganz genau.«

Dieter Oehler gibt seine Erfahrung an Jüngere weiter. Foto: Matejka

Dieter Oehler wechselt später zur SG 1873 Nürnberg Süd. Nach dem Zusammenschluss seines Vereins mit dem TSV Katzwang vor zehn Jahren ist er bei der neu entstandenen SG 1873 Süd/TSV Katzwang Trainer der Männermannschaft. Jetzt im Ruhestand kann sich Oehler noch intensiver dem Handballsport widmen. Wenn Freunde ihn fragen, wie es ihm geht, antwortet er: »Du weißt doch wie es einem Rentner geht, nur Termine, Termine…« Seinen Humor hat er nicht verloren. Da blitzt der typische Sachse durch, wenn er sagt: »Am meisten Spaß macht es mir, wenn wir gewinnen!« Der Handballsport ist aber weit mehr als nur ein Zeitvertreib. »Es gibt mir die Erfüllung, als älterer Mensch so ohne weiteres auch bei jungen Leuten anerkannt zu werden«. Er kenne genügend und auch viel jüngere Trainer, die sich die Betreuung der 15- oder 17-jährigen Spieler nicht mehr zutrauten, weil sie das Gefühl hätten: »Eigentlich bin ich dort der Opa«.

Oehler empfindet es als geradezu tragisch, wenn sich viele ältere Menschen daheim verkriechen. »Die erzählen einem dann von Sendungen, die sie nachmittags oder spät nachts im Fernsehen sehen.« Für den Sportsmann Oehler ist Langeweile kein Thema. Aus seiner Erfahrung heraus empfiehlt er anderen, wenn sie früher beruflich zufrieden waren, sich im Alter etwas zu suchen, »wo sie an ihre Erfahrungen anknüpfen können.« Deshalb hält Oehler auch große Stücke auf Einrichtungen wie das Zentrum für aktive Bürger in Nürnberg, die Menschen mit langjähriger beruflicher Erfahrung suchen. Er selbst ist im Bürgerverein Langwasser aktiv.

Auf der Zielgeraden

Mit dem Handballspiel aufhören? »Diesen Gedanken verdränge ich nicht«, sagt Oehler prompt. Er werde den Zeitpunkt erkennen und sicher rechtzeitig bemerken, wenn andere denken: »Was will der denn noch hier?«, sagt er. Und er setzt dabei auf seine Frau: »Sie soll mich in dieser Hinsicht mal öfter beobachten, und wenn sie sagt, es ist soweit, höre ich auf.« In das berühmte tiefe Loch will er natürlich nicht fallen. Seinen Kollegen hatte er schon beim Eintritt ins Rentnerdasein gesagt, er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freute er sich damals auf die frei verfügbare Zeit, »andererseits, und das ist das weinende Auge, bin ich jetzt auf der Zielgeraden«.

Es ist die Gelassenheit, die Oehler stark macht. Nicht zufällig lautet sein Lieblingsspruch: »Klug ist jeder. Der eine vorher, der andere nachher.« Und der dynamische 65-Jährige weiß genau, woher sein anhaltendes Wohlbefinden kommt: »Der Umgang mit den jungen Leuten gibt mir sehr viel.« Seine Frau Irmgard verrät: »Er würde am liebsten auf dem Handballplatz sterben!« Da zwinkert Dieter Oehler vergnügt mit den Augen.

Dieter Wegener

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