Senioren segeln auf sicherem Kurs
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13. August 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Sport & Freizeit

Zu den Sehnsuchtsorten für Segler zählt Plama de Mallorca, egal in welchem Alter sie ihrem Hobby frönen. Foto: Matejka
So wohl, dass er vor 18 Jahren seinen Beruf als Architekt an den Nagel gehängt und das feste Fundament von Neubauten mit den schwankenden Planken eines Bootes getauscht hat. Auslöser für diese Entscheidung waren einige Segeltörns mit Freunden auf dem Ammersee. Fortan konnte er nicht mehr vom neuen Hobby lassen. Später, 1992, hat er sogar mit Bekannten in 28 Tagen den Atlantik überquert. »Ich habe es nie bereut«, sagt er über seinen Berufswechsel. »Segeln ist meine Welt.« Und diese weite Welt des Segelns steht auch aktiven und fitten älteren Menschen bis an den Horizont offen.
Manfred Greubel besitzt heute Nordbayerns größte Segelschule mit Büro und Unterrichtsräumen in Nürnberg und der Basis am Brombachsee. Rund 7000 Männer und Frauen – das Interesse der Frauen am Segelsport nimmt zu – haben seit Gründung der Schule vor den Prüfern des Deutschen Seglerverbandes (VDS) bewiesen, dass sie das Einmaleins des Segelsports beherrschen. Die Schüler kommen nicht nur aus Franken. Österreicher, Württemberger, Sachsen, ja sogar Hamburger, die am Brombachsee urlauben, belegen bei Greubel einen fünftägigen Einsteiger- oder Auffrischungskurs.
Einer, der bei Greubel die Schulbank drückte und auf schwankendem Schiffsboden Gelerntes in die Praxis umsetzte, ist Hans Böhm. Begriffe wie Lee, Luv, Halse, Reffen, Klampe, Achtknoten und Kreuzknoten gehören für den promovierten Physiker und Ingenieur der Elektrotechnik zum gängigen Repertoire. Der frühere Vorstand eines Weltkonzerns hat alle Führerscheinprüfungen bestanden, die man auf Fluss, See und Meer braucht. Und da gibt es eine ganze Menge: den Sportbootführerschein Binnen Segel/Motor, dann den Sportbootführerschein für die See, den Küstenschifferschein, den Sportseeschifferschein, den Sporthochseeschifferschein und so weiter und so fort.
Den Spaß am Segeln entdeckte der heute 73-jährige Hans Böhm vor neun Jahren auf einer Fahrt in der Karibik, zu der den frisch gebackenen Rentner Freunde eingeladen hatten. Er begann, die Kunst des Gleitens hart am Wind zu erlernen. »Damals«, erinnert sich Schul-Chef Greubel, »war der Hans der Älteste von den Segelschülern.« Heute gehört der fast 1,90 Meter große Franke zu den engagiertesten Segelschullehrern Greubels.
Eins sein mit dem Wind
Inzwischen wollen immer mehr ältere Männer und Frauen die Segel hissen und eins sein mit Wasser und Wind. Deshalb hat Manfred Greubel den Segelkurs »50plus« ins Leben gerufen. Und dabei nehmen die Teilnehmer auch eine nicht ganz einfache Theorie auf sich. Wenn es um die geht, ist Ingenieur Böhm in seinem Element. »Rechnen muss man können bei der Navigation«, sagt der Trainer. »Aber wer ein wenig aus der Übung ist, dem helfen wir sanft und pädagogisch wieder auf die Sprünge.« Er ist sich sicher, dass sich die Teilnehmer nach bestandener Prüfung begeistert den Wind um die Nase wehen lassen, sich über den Teamgeist auf dem Boot freuen, am Ufer richtig an- und wieder ablegen.
Falls das »50 plus«-Programm richtig einschlägt, hat Manfred Greubel schon die nächste Idee: »Eine Rentner-Regatta auf dem Brombachsee. Das wärs.« Seine drei Segellehrer jedenfalls haben das passende Alter für die Kundschaft: 58, 62 und 73 Jahre alt.
Ehepaar Taege aus Cadolzburg im Landkreis Fürth hat sich bereits für den Grundkurs »50plus« angemeldet. Reiner Taege weiß, »dass einiges verlangt wird.« Dennoch freuen sich der 54-Jährige und seine drei Jahre jüngere Frau Claudia darauf, mit Gleichaltrigen fünf Tage am Brombachsee zu verbringen, in denen Theorie- und Praxisunterricht im Wechsel stattfinden. Das Cadolzburger Ehepaar hatte bislang zwar noch kein Aha-Segel-Erlebnis, weder auf dem Ammersee noch in der Karibik. Aber die Tatsache, dass die 20-jährige Tochter Cornelia segelt und eine kleine Jolle am Brombachsee liegen hat, ist für sie Motivation genug, es auch zu probieren.
Das Jollen-Segeln lieben auch die Älteren im Yacht-Club-Noris in Nürnberg. »Jollen des Typs >Conger< werden gerne von Senioren, aber nicht nur von ihnen, zum gemütlichen >Kaffeesegeln< genommen«, weiß Jürgen Mahler vom Yacht-Club am Dutzendteich. Er möchte indes keineswegs den Eindruck erwecken, dass die älteren Mitglieder lustig im flachen »Noris-Gewässer« und die jungen nur sportlich auf dem Brombachsee oder gar in Ost- und Nordsee segeln. Mahler: »Wir haben einige alte Hasen, die manchem jungen Segler durchaus den Schneid abkaufen können.« Von den über 400 Clubmitgliedern sind 75 im Rentenalter. Weder in der Segelschule Greubel noch beim Yacht-Club Noris gibt es eine Altersgrenze, den Segelsport zu erlernen. Manfred Greubel: »Unseren Altersrekord hält ein 77-Jähriger.« Jürgen Mahler vom Yacht-Club zusammen, was die anderen denken: »Wenn der Gleichgewichtssinn einigermaßen funktioniert, die Hände noch einen Knoten binden können und man sich auf einfache Zusammenhänge konzentrieren kann, kann man das Segeln lernen".
Günter Dehn

Auf hoher See zählen Disziplin und Erfahrung. Darüber verfügen ältereSegler. Das Hobby findet unter den Ruheständlern immer mehr Anhänger. Foto: Matejka
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Hier kann man schön sehen, dass wir noch beweglich an Körper und Geist sind. Anderswo macht man sich nur lustig über uns:
http://www.fischfresse.de/2010/08/psychotest-gerontologie-klamauk/