Der Rentner im Hamsterrad
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4. Oktober 2010 | Von sechs+sechzig | Kategorie: Jobs & Ehrenamt
»Flotter Rentner (65), überaus fit, sucht Job im Sozialdienst, Pförtner, Fahrer oder ähnliches. Bitte keine Angebote für PC-Arbeit oder Vertrieb. Mache fast alles, was seriös und legal ist!« Solche Anzeigen sind heute keine Seltenheit in Zeitungen und im Internet. Denn immer mehr Rentner suchen sich einen 400 Euro-Job als Zusatzverdienst.
Nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der über 65-Jährigen in Deutschland, die einer nebenberuflichen Tätigkeit nachgehen, von 559 771 im Jahre 2003 auf rund 775 000 im September 2009 gestiegen. Die Gewerkschaften sprechen von einer »alarmierenden Entwicklung«.Zu wenig vorgesorgt
Der 70-jährige Udo B. aus Erlangen beispielsweise arbeitet als Autowäscher für 400 Euro in einem Fürther Autosalon – zwei Mal in der Woche zu je sieben Stunden. Er braucht ein Zubrot, um seine schmale Rente aufzupeppen. Denn er hat in seinem ehemaligen Beruf als Hausmeister einer kleinen Wohnungsbaugesellschaft zu wenig für den Lebensabend vorgesorgt. Das verschweigt er jedoch lieber. Seinen Mitmenschen gegenüber gibt er sich als fürsorglicher Vater aus. Mit einem Teil des Geldes, so erzählt er gern, unterstütze er finanziell seine Tochter in Neuseeland.
Laut Statistik sind die meisten Älteren, deren Rente nicht ausreicht, im Einzelhandel und im Kfz-Bereich tätig, gefolgt von den Branchen Gebäudereinigung, Gesundheitswesen und Gastronomie. 65-jährige Rentner helfen 70-oder 80-jährigen Frauen und Männern, die sich nicht mehr bücken können, beim Heckenschneiden, Pflanzen und anderen Gartenarbeiten. Sie sind auch ge-sucht als Verkehrszähler oder zum Auffüllen von Regalen in Einkaufsmärkten. Rüstige Rentner werden von Kirchengemeinden als Sargträger umworben. Oder sie werden im Behindertenfahrdienst eingesetzt.
Die Betroffenen verschweigen meist, dass sie einen Nebenjob ausüben. Wer es dennoch zugibt, muss sich am Stammtisch oder unter Verwandten oft dumm anreden lassen. »Du brauchst das wohl, hast zu wenig für die Rente getan«, heißt es dann. Steuer-fachwirtin Heike Calaminus vom Lohnsteuerhilfeverein weiß, dass viele Rentner sich schämen, die Grundsicherung in Anspruch zu nehmen und sich lieber etwas dazuverdienen. Die Motive, warum es am Ende eines Erwerbslebens nicht zum Leben reicht, sind unterschiedlich: Wer wegen einer Selbständigkeit nicht kontinuierlich eingezahlt hat, muss mit einer entsprechend niedrigeren Rente rechnen. Ebenso sind Rentner, die ihr Leben lang nur im Niedriglohnbereich arbeiteten, meist auf einen Hinzuverdienst angewiesen.
Unter 65-Jährige müssen aufpassen
Die rechtliche Situation ist bei Ruheständlern über 65 Jahren unkompliziert: Sie können unbegrenzt dazuverdienen. Das Zubrot – ob als Minijob oder sozialversicherungspflichtiges Einkommen – schmälert nicht die Höhe der eigenen gesetzlichen Rente. Die Nebenbeschäftigung muss auch nicht dem Rentenversicherungsträger gemeldet werden. Anders ist die Lage bei Ruheständlern unter 65 Jahren. Sie müssen aufpassen: Für jüngere Altersrentner gilt seit Januar 2008 eine Zuverdienstgrenze von 400 Euro im Monat. Das Limit darf in zwei Monaten im Jahr allerdings verdoppelt werden auf jeweils 800 Euro. Die Altersrente wird dann voll weitergezahlt. Wer nur ein wenig mehr verdient, muss dagegen kräftige Abstriche bei seiner Rente in Kauf nehmen. Dann wird pauschal gekürzt, und die Vollrente wird nur noch als Teilrente ausgezahlt. Das kann bitter werden.
Arbeit im Rentenalter ist ein Tabuthema. Nicht nur die hinzuverdienenden Senioren wollen lieber unerkannt bleiben, auch die Arbeitgeber sprechen das Thema ungern an. Selbst in Gewerkschaftskreisen ist das Thema umstritten. Winfried B. vom Bezirksse-niorenausschuss von ver.di Mittelfranken stößt bei den Versammlungen auf eine Mauer des Schweigens. »Ich habe mal rumge-fragt, wer von den Mitgliedern einen 400 Euro-Job ausübt, aber ich bekam keine Antwort. Dabei weiß ich sicher, dass einige von ihnen einer solchen Tätigkeit nachgehen«, berichtet er.
Frauen sind von der Rentenmisere besonders betroffen. Denn sie müssen mit mehreren Nachteilen leben: Zum einen verdienen sie immer noch deutlich weniger als Männer. Damit erhalten sie auch eine geringe Rente. Zum anderen arbeiten Frauen durch-schnittlich zehn bis 15 Jahre weniger als Männer. Dadurch sinken auch ihre Rentenansprüche gegenüber Männern, die meist eine geschlossene Erwerbsbiografie vorweisen. Die Auszeiten kommen vor allem durch Schwangerschaften und die Erziehungszeiten zusammen, Jahre, in denen viele Frauen zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern. Nicht selten haben Frauen danach Schwierigkeiten, wieder in den Job zu finden. Hinzu kommt, dass hauptsächlich Frauen (80 Prozent) im stark gewachsenen Nied-riglohnsektor beschäftigt sind, mit später geringen Rentenansprüchen.
Der Nebenjob sichert die Existenz
Brigitte M. (66) aus Oberasbach baute gemeinsam mit ihrem Mann eine Dekofirma auf. Sie übernahm dabei die Buchführung und Schreibarbeiten. Leider war sie in der Anfangszeit nicht rentenversichert, weil in der jungen Firma das Geld fehlte. Als die Ehe nach 18 Jahren in die Brüche ging, wurden ihr die beiden Kinder zugesprochen. Sie arbeitete dann 20 Jahre als Altenpflegerin, ging aber wegen eines Burnout-Syndroms und Rückenschmerzen mit 61 Jahren in Rente. Pech für sie, denn kurz vorher hatte die rot-grüne Bundesregierung die Regelung gekippt, wonach Frauen mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen konnten. Aufgrund der neuen Regelung muss sie 17 Prozent Abzüge in Kauf nehmen. Um als Alleinstehende mit rund 800 Euro und einer kleinen Zusatzrente über die Runden zu kommen, arbeitet sie für 400 Euro als Kassiererin in einem Supermarkt.
Heidrun H. (66) aus Laufamholz zog nach der Scheidung ihre zwei Kinder groß. Mit 30 Jahren nahm sie ein Studium der Be-triebswirtschaft auf. Sie strebte einen festen Job in der Wirtschaft an, was ihr aber nicht gelang. Dann arbeitete sie viele Jahre bei schlechter Bezahlung für Zeitarbeitsfirmen in Nürnberg und Erlangen. Mit 58 Jahren wurde sie arbeitslos, konnte sich aber mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Als sie mit 61 in Rente ging, musste sie ebenfalls Abzüge in Kauf nehmen. Zum Glück fand sie vor fünf Jahren einen Minijob als Wirtschafterin bei einer Familie in Stein, wo sie für den 13-jährigen Sohn eine Art »Ersatzoma« geworden ist.
Sozialexperten gehen davon aus, dass die finanziellen Probleme von Rentnern in den nächsten Jahren drastisch zunehmen werden. »Viele können sich nur mit einem Nebenjob über Wasser halten, sie sind aber auch die ersten, die bei einer Krise ihre Beschäftigung verlieren«, sagt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK.
Horst Mayer
















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Sieht unsere Zukunft wirklich so düster aus,
das fragt sich Dr. Charly, Thailand.
Rente mit 60, 65, 70 oder gar erst mit 75 Jahren? Warum nicht gleich arbeiten bis zum Umfallen?
Wie die 78-jährige Rentnerin, die immer noch im Supermarkt Regale auffüllt,
weil das Geld nicht reicht.
Denn siehe Beitrag oben: Von der Rente allein können bei weitem nicht alle Menschen im Alter leben.
Das bringt natürlich auch Probleme für die Rentner aus Deutschland hier in Thailand. Aufgrund einer kleinen Rente konnte man hier gut leben. Aber wegen des schlechten Wechselkurses von z. Zt. 40 Thaibaht für einen Euro reichen selbst hier Sechzehnhundert Euro Rente für ein Jahresvisum nicht mehr aus.
Das ist ein großes Problem hier auch Freitags beim Stammtisch.