Sich aus dem Staub gemacht: eine Erfolgsgeschichte

Artikel drucken Artikel drucken 10. Januar 2014 | Von | Kategorie: Global Oldie

vignette2012 Hello all, Roberto Gonzáles Barrera, Jahrgang 1930 aus Cerralvo bei Monterrey, wurde als Kind bettelarmer Baumwollpflücker geboren. Die Eltern ließen den Bub beim Großvater im Heimatstädtchen Cerralvo, um sich als Wanderarbeiter in den USA zu verdingen. Mit fünf Jahren hockte Roberto am staubigen Straßenrand und bot Eier und Gemüse aus Opas Gärtchen an. Bei dem fröhlichen Kerlchen unter dem Baum an der Landstrasse kauften die Leute gerne. Mit dem, was Großvater ihm an Einnahmen überließ, besorgte sich Roberto eine Schuhputzergarnitur: Einen tragbaren Holzkasten mit einer Fußstütze oben drauf, Creme, Bürste und Poliertuch darunter. Da war er sieben; vormittags ging er in die Grundschule, ansonsten kniete er in den Cafés vor den Besserverdienenden, brachte deren Schuhwerk auf Hochglanz – mit Erfolg. Als Neunjähriger hatte Roberto es zu acht Schuhputzergarnituren gebracht, die er an seine Cousins und Freunde verpachtete. Mit elf hatte er keine Zeit mehr für die Schule, half dem zurückgekehrten Vater beim Aufbau eines Lebensmittelladens. Als er achtzehn wurde, wechselte zur mexikanischen Erdölfirma Pemex als Kraftfahrer, um Sprengstoff zu den Ölfeldern nach Veracruz zu transportierten; ein damals gut bezahlter, aber lebensgefährlicher Job. Roberto überlebte und erwarb mit den Ersparnissen Anteile an einer Kokosölpalmenplantage. Nach deren Verkauf investierte er zusammen mit dem Vater in einen Stromgenerator, womit er seine Heimatstadt Cerralvo elektrifizierte. Mit Strom konnte man auch Mühlen betreiben – Maismühlen, bald eigene. Zu Mexikos Grundnahrungsmitteln gehören Tortillas, und Roberto Gonzáles Barreras Mühlen, Molinos Azteka, später Gruma, belieferten allmählich ganz Mexiko, später die Welt mit Maismehl. Sein steigender Investitionsbedarf hatte ihn mehrfach zu Kreditinstituten und zu eigenen Gedanken über Finanzierungen gebracht. Mit dem Verdienst aus den Maismühlen – und nicht ganz durchsichtiger Hilfe aus der Politik – erwarb er 1992 die Mehrheit an Banorte, die unter seiner Leitung zur größten Privatbank Mexikos anwuchs. Als Roberto Gonzáles Barrera im August 2012 verstarb, hinterließ er neben 18 Enkel ein milliardenschweres Vermögen sowie seine philanthropische Stiftung „Patronato Cerralvo“, die Mexikanern in Notsituationen hilft.

Roberto Gonzáles Barrera ist nicht allein unter denjenigen, die sich buchstäblich aus dem Staub des Schuhputzers in die gesellschaftlichen Höhenlagen hochgearbeitet haben: Ebenfalls Perus späterer Präsident (2001 – 2006) Alejandro Toledo hatte sein Land zunächst ganz unten kniend kennen gelernt, bevor er zum Staatschef gewählt wurde. Und Soulsänger James Browns („It’s a man’s, man’s, man’s world…“ ) Erfahrungen als Schuhputzer mögen jene legendäre Leidenschaft seiner Lieder befeuert haben.

Freunde, kommt eines Tages ein staubiges Bürschchen mit einem Schuhputzkasten auch bei Ihnen vorbei – geben Sie auch seiner Laufbahn eine Chance!

Ihr Global Oldie

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