Aus Angst nicht zum Arzt?

Artikel drucken Artikel drucken 29. Dezember 2015 | Von | Kategorie: Reise & Kultur

Foto: epd

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Stellen Senioren Anzeichen des Alterns fest, wollen sie sich mit ihren Fragen nicht sofort an eine klinische, neurologische oder psychiatrische Einrichtung wenden. Sie befürchten, dass Untersuchungsergebnisse über funktionelle Einbußen an die Behörden wie zum Beispiel die Führerscheinstelle oder auch an andere Stellen weitergeleitet werden und ihnen dadurch Nachteile entstehen.

Zwar können mit dem Alternsprozess viele Veränderungen einhergehen, die subjektive oder objektive Einbußen der kognitiven oder körperlichen Funktionstüchtigkeit mit sich bringen. Doch Prof. Dr. Frieder R. Lang, Leiter des FAU-Instituts für Psychogerontologie (IPG) sagt: „Viele Einbußen, die ältere Menschen erleben, bedürfen meist keiner besonderen medizinischen Behandlung. Aber dennoch stellen sich viele Fragen und der Beratungsbedarf ist oft hoch.“

Deshalb beginnt das IPG im Januar 2016 ein bundesweit einmaliges, innovatives Beratungsmodell. Gefördert wird dessen Aufbau von der Nürnberger Theo und Friedl Schöller-Stiftung über den Zeitraum von fünf Jahren. Das neuartige, an die Universität angekoppelte und explizit nicht-klinische Konzept „Beratung für gesundes Altern“ (BegA) ist ein umfassendes, vorsorge-orientiertes Angebot, das sich speziell an ältere Menschen in der zweiten Lebenshälfte, aber auch Angehörige richtet. Es unterstützt die Betroffenen, sich in der eigenen Lebensplanung auf allfällige Einbußen des Alterns einstellen zu können. Getragen und umgesetzt wird BegA von einem von Prof. Dr. Frieder R. Lang und seinem Mitarbeiter Dr. Roland Rupprecht geleiteten interdisziplinären Team, in dem unter anderem Gerontologen, Psychologen, Ärzte, Sozialpädagogen und Ergotherapeuten zusammenarbeiten.

Die Experten beraten etwa hinsichtlich zentraler Themen des Alternsprozesses: Was kann man tun, um fit zu bleiben? Wie ernährt man sich ab 50plus gesund? Wie lässt sich die Selbständigkeit erhalten? Dr. Roland Rupprecht sagt: „Um viele Menschen zu erreichen, ist unser Angebot bewusst niederschwellig und leicht zugänglich gehalten.“

In einem kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch werden zunächst die aktuellen Fragen und Probleme der Betroffenen besprochen. Dabei wird geklärt, ob eine weitergehende, auf die individuelle Problemlage der Betroffenen angepasste und wissenschaftlich fundierte Diagnostik sowie weitere Beratungsleistungen zu empfehlen sind. Außerdem besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an Präventionskursen und jährlichen Kontrolluntersuchungen. Hinzu kommt eine streng vertrauliche Vorgehensweise, bei der die Betroffenen über die Verwendung Ihrer Angaben selbst bestimmen.

Aus den anonymisierten Daten, die im Rahmen der BegA-Angebote erhoben werden, wollen die Forscher sich vielfältige wissenschaftliche Fragen beantworten: Inwiefern sich die Teilnahme an Präventionsangeboten auf die Betroffenen auswirkt und wie sich der langfristige Verlauf der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Personen darstellt, die sich wegen subjektiv empfundener Gedächtnisbeeinträchtigungen bei BegA melden. Oder wie Senioren damit zurechtkommen, wenn sie freiwillig nicht mehr Auto fahren.

Das Institut für Psychogerontologie (IPG) ist ein bayernweit einzigartiges Institut, das neben seiner Expertise in der Forschung und Lehre zu Fragen des Alterns über langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Therapie von Gedächtnisproblemen sowie der Beratung zu alternsgerechten technischen Lösungen und Wohnumwelten verfügt. Informationen zu BegA gibt es unter www.geronto.fau.de/bega.

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