„Er ist ein Vorbild für mich“

Artikel drucken Artikel drucken 15. Februar 2016 | Von | Kategorie: Vermischtes
Der Nürnberger »Bratwurstkönig« Werner Behringer (rechts) und sein Sohn Kai sind beide in der Gastronomie tätig. Für gemeinsame Hobbys nehmen sie sich dennoch Zeit. Foto: Michael Matejka

Der Nürnberger »Bratwurstkönig« Werner Behringer (rechts) und sein Sohn Kai sind beide in der Gastronomie tätig. Für gemeinsame Hobbys nehmen sie sich dennoch Zeit. Foto: Michael Matejka

Werner Behringer (76), Gastronom und Hotelkaufmann, ist als Betreiber des Bratwursthäusles an der Sebalduskirche vielen Nürnbergern bekannt. Sein Sohn Kai (49), älterer von zwei Brüdern, ist zumindest in beruflicher Hinsicht in die Fußstapfen des Vaters getreten. Er ist ebenfalls Gastronom.

Kai Behringer: „An Details meiner Kindheit kann ich mich nicht so recht erinnern. Aber es war eine schöne Kindheit. Ich bin in der Wohnung im ‚Bratwursthäusle‘ groß geworden und habe meine Eltern immer gesehen. Ich wurde eigentlich schon streng erzogen. Aber im Grund genommen habe ich gemacht, was ich wollte. Bei Tisch galt: Was man sich selber auf den Teller häufte, das musste gegessen werden.“

Werner Behringer: „Meine Frau und ich haben die Kinder von klein an ins Gasthaus mitgenommen. Das war sicher nicht immer leicht, aber sie konnten dabei viel beobachten und lernen.“

Kai Behringer: „Als es um die Berufswahl ging, konnte ich meine Vorstellung verwirklichen, und meine Eltern haben mich auch immer unterstützt. Mein Ziel war von Anfang an, eine eigene Karriere als Hotelier in den USA zu starten. In den Staaten arbeitete ich von 1988 bis 1989. Dann kehrte ich nach Nürnberg zurück, wollte aber schon nach kurzer Zeit wieder nach Amerika reisen. Da aber dann meine Mutter krank wurde, bin ich bei meinen Eltern geblieben.“

Werner Behringer: „Ich stamme aus der Gastronomie. Ich habe Wert darauf gelegt, dass beide Söhne eine gastronomische Berufsausbildung abschließen konnten. Selbst wenn sie ihr Berufsweg woanders hingeführt hätte, wäre es für sie möglich gewesen, jederzeit in den elterlichen Betrieb zurückzukehren.“

Kai Behringer: „Mein Vater ist in vielen Dingen ein Vorbild, aber manchmal haben wir durchaus unterschiedliche Auffassungen. Im Alter zwischen 16 und 18 hat´s ständig zwischen uns gekracht. Wenn wir uns in dieser Zeit sahen, haben wir uns meistens angeschrieen. Das ist heute längst vergessen, wir umarmen uns immer, wenn wir uns sehen.“

Werner Behringer: „In manchen Dingen würde ich heute nicht mehr dazwischen reden.“

Kai Behringer: „Ich habe das gar nicht so schlimm empfunden. Ich habe in solchen Fällen schon auch meine Meinung gesagt. Wenn ich Sorgen hatte, war und ist meine Mutter eine wichtige Ansprechpartnerin. Das ist gut so. Denn was ich von meiner Mutter gelernt habe, gebe ich heute an meine Tochter weiter. In rationalen Fragen wende ich mich an meinen Vater. In unseren Jobs haben wir wenig Freizeit. Dennoch gehen wir mindestens einmal im Jahr gemeinsam zum Fischen und zum Jagen. Klar, dass wir sporadisch ab und zu eine Flasche Rotwein aufmachen.“

Adalbert Ruschel (rechts) hat mit seinem Sohn Tobias viel Zeit verbracht, als dieser klein war. Foto: Michael Matejka

Adalbert Ruschel (rechts) hat mit seinem Sohn Tobias viel Zeit verbracht, als dieser klein war. Foto: Michael Matejka

Adalbert Ruschel (85) ist Professor für Berufs- und Arbeitspädagogik i.R. Sein Sohn Tobias (46) ist Industriemeister und arbeitet als Disponent.

Tobias Ruschel: „An meine Kindheit kann ich mich nur sehr wenig erinnern. Mit Entbehrungen und Schwierigkeiten hatte ich nicht zu kämpfen. Den Begriff ‚glücklich‘ verwende ich nicht gerne und wenn, dann nur sparsam. Jedenfalls waren es lehrreiche Jahre. Ich wurde genau richtig erzogen. Auf jeden Fall ohne Gewalt und nicht mit Liebesentzug.“

Adalbert Ruschel: „Wir waren keine Basta-Eltern. Regeln wurden erklärt und begründet. Beispielsweise gab es nicht die Regel: Was auf den Teller kommt, muss gegessen werden.“

Tobias Ruschel: „Im Rahmen meiner Möglichkeiten konnte ich meine Vorstellungen bei der Berufswahl verwirklichen und wurde dabei unterstützt. Mein Vater hatte für mich kein konkretes Berufsziel.“

Adalbert Ruschel: „Ich habe selbst eine komplexe Biographie, also war ich mit Berufszielen für meinen Sohn zurückhaltend. Es wäre mir auch nicht recht gewesen, wenn er seine Ziele an meinen Wünschen ausgerichtet hätte. Aber eine geordnete Berufsausbildung sollte es schon sein.“

Tobias Ruschel: „Natürlich gab es Zeiten, in denen wir uns mal weniger gesehen haben. Aber ich würde nicht von Entfremdung sprechen. Ob mein Vater für mich ein Vorbild ist? Ja.“

Adalbert Ruschel: „Ich glaube nicht, dass ich als Vorbild besonders tauge. Die Vorstellung, dass meine Kinder so werden sollten wie ich, bereitet mir mehr als Unbehagen. Ich wollte keine Klone als Kinder. Meine Frau war der unaufgeregte und liebevolle Mittelpunkt der Familie. Von ihr lernten unsere Kinder sich zu benehmen und auszudrücken. Von mir lernten sie zu argumentieren und zu diskutieren. Als unsere Kinder noch klein waren, habe ich viel Zeit mit ihnen verbracht, ich war beispielsweise ein Kinderwagenschieber. Davon gab es damals noch nicht viele. Später ließen mir berufliche und gesellschaftliche Belastungen nicht mehr so viel Zeit dazu. Aber wenn wir beisammen waren, dann war das immer innig. Da ging viel Liebe und Zärtlichkeit hin und her. Ich glaube, dass ich meinen Kindern Hilfsbereitschaft, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Achtung vor anderen und Konfliktfähigkeit vermittelt habe, und hoffe, dass ihnen das hilft in ihrem gesamten Leben. Machen wir uns nichts vor: Weil Erziehung meistens in die Zukunft gerichtet ist, bleibt sie in hohem Maße Glückssache. Ohne Vertrauen, manche sagen Gottvertrauen, geht gar nichts. Als meine Frau im Sterben lag und schon nicht mehr sprechen konnte, schrieb sie mir mit zittrigen Fingern auf einen Zettel: ‚Wir haben Glück gehabt!‘ Ich denke, dass sie damit nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder gemeint hat.“

Aufgezeichnet von Horst Mayer
Fotos: Michael Matejka

Literatur zum Thema „Väter und Söhne“

  • Iwan Turgenjew „Väter und Söhne“ (Patmos-Verlag), Roman und Bühnenstück
  • Robert Bly, „Eisenhans“ (rororo), ein Buch für Väter von heranwachsenden Söhnen
  • Walter Kohl „Leben oder gelebt werden“ (Integral-Verlag), eine Abrechnung mit seinem Vater Helmut Kohl, dem ehemaligen Bundeskanzler
  • Hartmut Radebold, „Abwesende Väter“ (Klett-Cotta), Folgen der Kriegskindheit in Psychoanalysen
  • Ralf Rothmann, „Im Frühling sterben“ (Suhrkamp Verlag Berlin), der Autor erzählt die Kriegsgeschichte seines Vaters, der als 17-Jähriger noch 1945 eingezogen wird
  • Michael J. Diamond, „Väter und Söhne“ (Brandes & Aspel, Frankfurt), eine Beziehung im lebenslangen Wandel
  • Horst Petri, „Das Drama der Vaterentbehrung“ (Ernst Reinhardt Verlag)
  • Niklas Frank, „Der Vater – eine Abrechung“ (Goldmann), der ehemalige STERN-Reporter schildert den grausamen Weg seines Vaters, des Nazi-Generalgouverneurs Hans Frank
  • Andreas Altmann, „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (Piper), eine Geschichte voller Misshandlungen und Demütigungen

Drama:
Arthur Miller, Der Tod des Handlungsreisenden, Vater-Sohn-Konflikt zwischen dem 63-jährigen William „Willy“ Loman und dessen 34-jährigen Sohn Biff

Film und Fernsehen:
Das Thema ist auch Stoff vieler Filme. Auf dem Schloss von Faber-Castell in Stein drehte Regisseur Bernhard Sinkel 1986 einige Aufnahmen zum TV-Vierteiler „Väter und Söhne“ mit Burt Lancaster (das Schicksal einer einflussreichen Industriellenfamilie in der 1. Hälfte des 20, Jahrhunderts).

Ihre Meinung interessiert uns:
War mit Ihrem Vater gut zu reden? Hatten Sie ein enges Verhältnis? Wie haben Sie Konflikte gelöst? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen zu diesem großen Thema an: Redaktion sechs+sechzig, Burgschmietstraße 37, 90419 Nürnberg.

Tags: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Bitte führen Sie diese Berechnung durch * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.