Atemmasken gegen Altaussehen

Artikel drucken Artikel drucken 9. April 2017 | Von | Kategorie: Global Oldie

Hello All, moderne Menschen vermummen sich nicht und Japan ist ein Pionier der modernen Welt. Doch dort vermummt sich jeder Dritte der 127 Mio. Einwohner. Mit einer Atemmaske, die weitgehend das Gesicht unerkenntlich macht. Es scheint als wären massenhaft Chirurgen unterwegs. Vor ca. 15 Jahren kamen die Einwegmasken in Mode, ursprünglich für Allergiker lanciert. Vorsichtige Japaner setzen sie zudem in der Erkältungssaison auf, um sich und andere vor Keimen zu schützen. Oder wegen des Smogs – der allerdings früher schlimmer wütete als heutzutage. Dennoch wächst der Gesichtsmaskenmarkt in Japan um 20% jährlich. Womit 4,9 Milliarden Einwegmasken 2015 ihren Platz vor einem japanischen Mund und Nase einnahmen*. Zu 60% weiblich. Sind Japans Frauen anfälliger für Keime als Männer? Meine Marktforschungskollegen ermittelten, dass Männer die Maske nutzen, wenn sie sich unsicher fühlen. Frauen, wenn sie in der Früh keine Zeit zum Schminken haben oder sich unattraktiv finden. Wobei angemerkt sei, dass bei Ostasiaten nicht primär Gesichtsfalten, sondern Hautflecken die Anzeichen der körperlichen Reife signalisieren. Was eine Maske diskret verdecken kann; sozial voll akzeptiert, wegen der Sache mit den Pollen, Keimen, Smog. Deren weißen Einheitslook hat die Industrie nun um farbige in Pink oder Schwarz, flache, strukturierte oder gewölbte Masken bereichert. So gestylte Masken lassen das restliche Gesicht mal schmäler, kleiner oder jünger wirken. Womit wir vielleicht zum Kern dieses japanischen Pudels vordringen: Atemmasken zur Verschleierung der biographischen Spuren im Antlitz. Japanische Partnervermittlungsagenturen haben einen rasch wachsenden Markt für Speed-Dating nur mit Maske erschlossen. Deren Kunden schätzen es, dass die/der Gegenüber einen nicht vom ersten äußeren Anschein beurteilen. Zudem sind Maskenträger akustisch schlechter zu verstehen, so dass sich die Gesprächspartner unjapanisch zueinander neigen müssen/ dürfen und ungewohnte, Nähe von Anbeginn ermöglichen.
Wir vermummungsverächtende Westler kommen nicht so elegant um die spontane altersgemäße Zuordnung herum. Gesichtsschleier sind, hier ein No-Go; für Männer sowieso, genuine Tuareg ausgenommen. Als hiesiger Traditionalist kann man sich kurzfristig eine Zeitung oder als Neuzeitler eines der größer dimensionierten Smartphones vor das Gesicht halten. Oder sollten wir es mal mit dem guten alten Fächer versuchen? In China gilt der selbst für Männer wieder als stylish und funktionell obendrein. Übrigens, die Hauptklientel der Masken sind unter 50 Jährige, die mit dem Altern – sprich: Pollen, Keime, Smog – anfänglich noch fremdeln. Japans reifere Senioren stehen zu ihren Gesichtern, ganz unverhüllt; ganz wie wir.
Ihr Global Oldie
*Lt. Japanese Hygiene Products Industry, The Straits Time 8. 4. 2017

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