Enkelkind lebt im „Wechselmodell“

Artikel drucken Artikel drucken 5. Mai 2017 | Von | Kategorie: Enkelblog

vignette_mielenzUnser Sohn ist seit einem Jahr geschieden, seither lebt unsere 8-jährige Enkeltochter in wöchentlichem Wechsel mal bei der Mutter und mal beim Vater. Zum Glück wohnen beide nicht weit von einander entfernt, so dass die Erreichbarkeit von Schule, Freunden, Sportverein und Musikschule für unsere Enkeltochter kein Problem ist.
Unser Sohn und unsere Schwiegertochter haben sich auf dieses sog. Wechselmodell geeinigt, da unser Sohn eine starke Bindung zu seiner Tochter hat und auch nach der Scheidung an ihrer Erziehung mitwirken wollte. Unserer Schwiegertochter kam dieses Lebensmodell entgegen, da sie beruflich sehr engagiert ist und die „kindfreie Woche“ nutzen kann, um einiges vor- und nachzuarbeiten.
In vielen europäischen Ländern ist das „Wechselmodell“ bereits gesetzlich geregelt, in Deutschland gibt es nur ein befürwortendes Gerichtsurteil. Unsere Enkeltochter hat also bei ihrer Mutter ihren Hauptwohnsitz (nach dem „Residenzmodell“) und das Kindergeld wird auch an sie ausgezahlt, obwohl von unserem Sohn die Hälfte der Betreuungsleistung erbracht wird. Auch den Kindesunterhalt zu errechnen ist im Wechselmodell eine höchst komplizierte Angelegenheit, wenn sich beide Elternteile gleichberechtigt und gleichermaßen um ihr Kind kümmern. Dazu Einvernehmen herzustellen, geht nur, wenn die Eltern gut kooperieren und die Erziehung ihres Kindes verantwortlich gestalten.
Wir Großeltern waren sehr skeptisch gegenüber diesem Lebensmodell für unsere Enkeltochter, mal in der einen und mal in der anderen Wohnung zuhause zu sein. Kleine Kinder brauchen doch einen festen Lebensmittelpunkt?
Und dann das ganze Hin und Her von Kleidung, Schul- und Spielsachen bedeutet jedes Mal einen erheblichen oganisatorischen Aufwand, nicht ausgeschlossen, dass wieder irgend etwas vergessen wird. Auch wir Großeltern finden es immernoch befremdlich, unsere Enkeltochter in verschiedenen Wohnungen zu versorgen, wenn wieder einmal eine Betreuungslücke entstanden ist. Wie es unserer Enkeltochter im „Wechselmodell“ geht, ob sie bei Mutter oder Vater lieber ist oder wo sie sich mehr zu Hause fühlt, trauen wir uns sie nicht zu fragen, schließlich geht uns das ja nichts an … oder?

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