Vaterlos aufwachsen

Artikel drucken Artikel drucken 26. Mai 2017 | Von | Kategorie: Enkelblog

vignette_mielenzIst es ein „Glück“ vaterlos aufzuwachsen (wie mein Mann das mal sagte) oder fehlen doch entscheidende Erziehungs- und Orientierungsimpulse für die Entwicklung von Kindern, insbesondere von Jungen?. Wie ich auf das Thema komme, das will ich gerne erklären. Ich selber gehöre zur Nachkriegsgeneration und bin in einem „Frauenhaushalt“ groß geworden (Großmutter, Mutter und ich, die Tochter). Mein Vater ist im Krieg geblieben bevor ich geboren wurde, mein Bruder an den Folgen der Flucht gestorben, so dass wir drei Frauen unseren Alltag „ohne Männer“ haben meistern müssen.

Gefehlt hat mir der Vater nicht, für mich war diese Situation (auch als einige Väter meiner Freundinnen aus der Gefangenschaft heimkehrten) selbstverständlich, manchmal fühlte ich mich sogar richtig „frei“, wenn andere Kinder nicht immer nur Gutes von ihren Vätern erzählten.
Meine Tochter ist nach ihrer Scheidung allein geblieben, der Vater kümmert sich nicht um seinen Sohn. Mein Enkelsohn (jetzt 8 Jahre alt) wird also vaterlos (und opalos) groß. Dazu kommt, dass er im Kindergarten und jetzt in der Grundschule auch nur Frauen um sich herum hat. Ich selber habe nicht das Gefühl, dass er durch diese Situation irgendwie beeinträchtigt sein könnte, höchstens dann, wenn ihn seine Freunde aufziehen, dass er wohl gar keinen Vater hat und beim Fußball immer nur seine Mutter oder seine Großmutter dabei ist.
Seit einiger Zeit lese ich immer wieder, wie wichtig Väter (oder Männer überhaupt) für die Entwicklung von Kindern sind, ganz besonders für Jungen. Ich mache mir nun Sorgen, dass meinem Enkelsohn jetzt das „männliche“ Element für seine Entwicklung fehlen könnte. Aber ist das wirklich so wichtig? Und sind nicht aus den Jungen und Mädchen, die vaterlos aufgewachsen sind, ganz normale Männer und Frauen geworden?

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Ein Kommentar
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  1. Ich finde es sehr wichtig mit einem Vater aufzuwachsen oder wenigstens eine männliche Bezugspersonb zu haben. Wie es nach dem Krieg war, ist meiner Meinung heute nicht zu vergleichen. Das war eine ganz andere Situtation für sehr viele Menschen.

    In unserer Familie hat sich vor einem halben Jahr ein tragischer Unfall ereignet. Mein Sohn ist tödlich verunglückt und hinterläßt nun meine liebe Schwiegertochter mit 3 mündigen Kindern. 1 Tochter und 2 Söhne. Die Kinder leiden unendlich. Man mag es kaum mit ansehen. Der Vater war die Säule in der Familie. Zu diesem großen Kummer kommt natürlich auch noch die finanzielle Situtation, da mein sohn erst 45 Jahre alt war. Da ist die Rente noch nicht so hoch. Wir versuchen alles, was wir können. wohnen leider einige 100 Kilometer entfernt. Sie sind mehr oder weniger auf sich gestellt.

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