Wie kann man Gewalt in Beziehungen älterer Menschen zuvorkommen?

Artikel drucken Artikel drucken 18. Mai 2017 | Von | Kategorie: Vermischtes

Ein Mann wird gegenüber einer Frau gewalttätig. Foto: epd/Steffen Schellhorn

Am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain ist ein Forschungsprojekt gestartet, das nach möglichen neuen Ansätzen zur Hilfe bei Gewalt in Paarbeziehungen älterer Menschen ab 60 sucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt über die Dauer von zwei Jahren mit rund 208.000 Euro.

Das Forschungsteam der Hochschule RheinMain, bestehend aus den Professorinnen Dr. Regina-Maria Dackweiler, Dr. Reinhild Schäfer und den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Angela Merkle und Franziska Peters, hebt die Notwendigkeit hervor, für dieses soziale Problem zu sensibilisieren und die Betroffenen mit bestehenden Angeboten sozialer Dienste besser zu erreichen. Vorliegende wissenschaftliche Studien verdeutlichen, dass auch ältere Frauen und Männer von Gewalt in der Paarbeziehung betroffen sind, da in langjährigen Gewaltbeziehungen mit fortschreitendem Alter physische, psychische und sexuelle Gewalt nicht endet. „Gewalt im Alter ist durchaus ein gesellschaftliches Problem. Diese Gruppe wird besonders schlecht durch Hilfsangebote erreicht, sodass die Opfer die Gewalt oft erdulden und keinen Weg aus der Gewalt finden“, sagt Prof. Dr. Regina Dackweiler.

Krisenhafte Lebensereignisse wie Verrentung, nachlassende Gesundheit und soziale Isolation können gewaltsame Konflikte auch erstmals auslösen. Obwohl es in Deutschland ein dichtes Netz an Hilfeeinrichtungen bei häuslicher Gewalt gibt, suchen gerade Senioren (60+) diese in den seltensten Fällen auf.

Das Team will Wege finden, wie die Betroffenen besser erreicht werden können und ihnen ein gewaltfreies Leben ermöglicht werden kann. Hierbei knüpfen die Forscherinnen an Erkenntnisse an, wonach es für diese Zielgruppe vor allem niederschwelliger Ansätze bedarf. „Auf der Suche nach Möglichkeiten niederschwelliger Hilfsangebote für Betroffene, werden wir ehrenamtliche Senioren- und Gesundheitslotsen befragen, ob sie im Kontakt mit älteren Menschen auf die Gewaltproblematik eingehen können. Zusätzlich werden wir eine Qualifizierung für Lotsen entwickeln, die bei erfolgreicher Durchführung in anderen Bundesländern Anwendung finden soll“, so Dackweiler.

Ziel des Forschungsprojekts ist, herauszufinden, ob dieser Ansatz zur Hilfe geeignet ist, die Verwirklichungschancen älterer Gewaltbetroffener zu steigern und die Chance zu sehen, ihrem Leben potenziell zu jedem Zeitpunkt eine neue Wendung geben zu können.

Kooperationspartner aus der Praxis sind das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main, der Caritasverband Offenbach/Main und die Kommunale Frauenbeauftragte der Landeshauptstadt Wiesbaden.

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