Senioren ermöglichen Chinas Wirtschaftswunder

Artikel drucken Artikel drucken 12. Juli 2017 | Von | Kategorie: Global Oldie

  Hello All, ohne Alte geht die Chose nicht. Nicht für Chinas junge Eltern. 70% aller chinesischen Vorschulkinder wachsen in Obhut der Großeltern auf, während beide Eltern arbeiten. Das ist ökonomisch praktisch und emotional tief verankert. Auf der einen Seite ersparen Chinas Großeltern zig- Millionen Krippenplätze, setzen vor allem die Mütter als Arbeitskräfte frei und erhöhen die Kaufkraft der jungen Familien. Auf der anderen Seite sind der heutigen Großelterngeneration die Gräuel der Kulturrevolution (1966-1976) aus eigenen Kindheitserlebnissen in schlechtester Erinnerung; sie misstrauen jedweder staatlich gelenkter Kinderbetreuung. Während der eignen Jugend hatten die Roten Garden den Familien die Kinder entrissen, um revolutionäre „neue Menschen“ aus ihnen zu formen; hatten die Kleinen militarisiert, gegen die eigene Verwandtschaft aufgewiegelt und von Großeltern und Eltern entfremdet. So etwas wollen die heute sechzig- bis siebzig Jährigen ihren Enkeln ersparen. Zumal die aktuelle Führung Chinas verstärkt darauf drängt, in der Erziehung zum „chinesischen sozialistischen Sonderweg“ wieder starke Akzente zu setzen. Von der Vorschulerziehung bis zur beruflichen Weiterbildung. Langfristige Umfragetrends zeigen, Chinesen, auch die Älteren, sind stolzer denn je zuvor, Teil des so mächtig und nun weltweit respektierten Vaterlandes zu sein. Doch das Vertrauen in staatliche Institutionen bleibt schwach. Es greift die in Jahrtausenden gereifte Erfahrung: in China setzte man klugerweise auf Familie, Verwandte und Freunde anstelle öffentlicher Institutionen. Zumal für die Senioren das nicht nur ein Opfer ist. Chinas Senioren sind überwiegend finanziell schlecht gestellt; der neue Wohlstand liegt in den Händen der heute bis Vierzigjährigen. Die meisten Senioren verpassen daher weder Golfplätze noch Kreuzfahrten. Sie erwartet die Zuneigung der Kleinen und Respektsbezeugungen seitens der Jüngeren. Von wegen Senioren-Tsunami, silberne Zeitbombe oder drohende Überalterung: Chinas Wirtschaftswunder ist bisher nicht trotz, sondern wegen seiner engagierten Alten möglich.

Ihr Global Oldie

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