Pelzmärtel oder Nikolaus?

Artikel drucken Artikel drucken 9. November 2017 | Von | Kategorie: Enkelblog

Meine sechsjährige Enkeltochter war ziemlich enttäuscht, als ich sie  besucht habe und für sie nichts vom Pelzmärtel dabei hatte. Dabei weiß doch jeder, sagte sie, dass am 11. November der Pelzmärtel käme und den Kindern Süßigkeiten und kleine Geschenke bringen würde. Nun ist mir wohl bekannt, dass der 11. November als „Martinstag“ sowohl für das Gansessen als auch für den Start in die Faschingssaison ein besonderer Tag ist.

Der Pelzmärtel allerdings ist mir völlig unbekannt. In meiner Kinderzeit kam am 6. Dezember in Vorfreude auf Weihnachten der Nikolaus und füllte über Nacht die geputzten Schuhe mit allerlei Naschzeug. Und wenn es schlecht lief, dann war auch noch eine kleine Rute in den Schuhen. Wer soll denn nun kommen, der Pelzmärtel am 11. November oder der Nikolaus am 6. Dezember? Ganz klar für meine Enkeltochter, erst kommt der eine und dann später halt der andere.

Dass in Franken nach alter Tradition am 11. November der Pelzmärtel die Kinder beschert, wissen nur wenige. Was der eigentliche Ursprung dieser Tradition ist, lässt sich bis heute nur vermuten, wie auch der Name dieses Herrn mehrere Schreibweisen hat. „Pelzen“ hat nichts mit der Kleidung zu tun, sondern heißt im alten Wortsinn „prügeln“, „Märtel“ ist eher ein Kosename für Martin. Passt aber eigentlich nicht zusammen, der liebe und gütige, aber prügelnde Martin?

Plausibler erscheint die Erklärung, der Pelzmärtel sei im Zuge der Reformation als protestantische Alternative zur Verehrung der katholischen Heiligen St. Martin und St. Nikolaus „erdacht“ worden.  Zumindest in Franken ist die Tradition des Pelzmärtel  bewahrt worden.
Und so hat meine Enkeltochter mit ihren sechs Jahren schon jetzt ein gutes ökumenisches Empfinden, wenn doch am besten alle beide bei ihr vorbeikommen sollen.

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