Vertrauen in ältere Ärzte?

Artikel drucken Artikel drucken 23. November 2017 | Von | Kategorie: Global Oldie

 Hello All, auch Ärzte sind fehlbare Menschen, also  ist Vorsicht geboten. Obwohl treuherziges Vertrauen in deren Heilkunst die Genesungschancen erwiesenermaßen fördert. Der iatrogenen Effekt, die  „Droge Arzt“ wirkt ähnlich wie inhaltsfreie Placebos, wenn Patienten vorbehaltlos vertrauen. Auch Schamanen und Medizinmänner anderer Kulturen verblüffen bisweilen mit  Therapieerfolgen. Glauben hilft heilen, weltweit. So gesehen sind Zweifel am Arzt kontraproduktiv, zumindest während der akuten Behandlung. Dennoch tragen Ärzte die gleichen altersbedingten Risiken in sich wie alle Menschen. Z.B. den allmählichen Abbau der kognitiven Fähigkeiten. Zwischen dem 40. bis 75. Lebensjahr nehmen diese durchschnittlich um 20% ab. Anzeichen von Demenz weisen 5 – 7 % der 65- Jährigen auf; die Demenzquote verdoppelt sich ab 65 alle fünf Jahre. Davor sind Ärzte nicht gefeit. Hinzu kommen, mit entsprechenden Wahrscheinlichkeiten, weitere altersbedingte Einschränkungen, z.B.  beim Seh- und Hörvermögen, Aufmerksamkeit und Feinmotorik. Triftige Gründe für Ärzte sich rechtzeitig ihrer eigenen naturgegebenen Grenzen bewusst werden – und trotz hoher Motivation und treuer Klienten das Stethoskop an den Nagel zu hängen. In Deutschland bestehen Altersgrenzen für Kassenärzte und Angestellte. In den USA ist eine solcher Zwangsruhestand wegen Altersdiskriminierung tabu. So nimmt man dort den empirischen Weg und zeigt anhand von Studien, dass Krankenhauspatienten älterer Ärzte einer höheren Sterblichkeitsrate unterliegen als unter Behandlung von jüngeren Ärzten; dass ältere Ärzte öfters wegen Kunstfehler belangt werden als ihre jüngeren Kollegen.* Anstatt fixer Altersgrenzen führen US-Krankenhäuser vermehrt Qualitätskontrollen und sog. „Peer-Reviews“ durch, um sich der leistungsschwachen Doktoren evidenzbasiert zu entledigen. Diese Maßnahmen erfassen die selbständig niedergelassenen Ärzte jedoch nicht. Da machen manche weiter, bis zum Umfallen – auch der Patienten. Vertrauen in alte Erfahrung und Intuition mögen beruhigen, solange man auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Ein rechtzeitig kritischer Blick auf Frau/ Herrn Doktors Fitness kann jedoch auch in unseren Breiten die eigene Überlebenswahrscheinlichkeit signifikant fördern.

Ihr Global Oldie

*Harvard Medical School. „Physicians‘ age linked to patients‘ mortality risk.“ ScienceDaily, 17 May 2017; Roger Collier “Diagnosing the aging physician”, Canadian Medical Association Journal, 2008 Apr 22; 178(9): 1121–1123.

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