Lernen mit Nachhilfe

Artikel drucken Artikel drucken 13. März 2018 | Von | Kategorie: Enkelblog

Immer mehr Schülerinnen und Schüler bekommen beim Lernen „Nachhilfe“. Kommerzielle Nachhilfe ist zu einem Riesengeschäft geworden, denn etwa jeder vierte Schüler in Deutschland erhält private Lernhilfen (Nürnberger Nachrichten v. 23.2.2018), vor allem in Mathematik, aber auch in vielen anderen Fächern. Die meisten professionellen Nachhilfeanbieter sind für das kommende Schuljahr ausgebucht. Ein Milliardengeschäft, wie es heißt.

Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, schlechte Schulnoten der Schüler zu verbessern, sondern es geht zunehmend auch darum, gute Noten noch besser zu machen, insbesondere für Zwischenzeugnisse (die über den Schulübergang entscheidend sind) und Abiturnoten (die über die Auswahl des Studienfachs entscheiden). Die Chance Medizin oder Psychologie zu studieren, gibt es eben nur mit supertollen Abiturnoten. Kein Wunder also, dass Eltern alles versuchen, damit auf den Zeugnissen nur sehr gute Schulnoten stehen. Nur so hätten ihre Kinder die allerbesten Voraussetzungen im Wettkampf mit anderen auf einen guten Job mit einem guten Einkommen. Und das wird so lange so bleiben, wie Schulnoten das Maß für den weiteren Lebensweg der Schüler sind.

Wie „relativ“ diese Schulnoten sind, ist inzwischen vielfach kritisiert worden. Abhängig vom Bundesland, von der jeweiligen Schule, vom jeweiligen Lehrer, von der Ausdrucksfähigkeit der Schüler und vom Engagement der Eltern können Schulnoten sehr unterschiedlich ausfallen.

Für die Schüler entsteht ein enormer Leistungsdruck. Aber nicht nur der ist bedenklich, sondern auch ein Bildungssystem, das ausschließlich auf Schulnoten setzt, früh selektiert und die Schüler zumeist sich selbst überlässt, wenn sie nicht gleich alles verstehen. Darüber hinaus ist neben dem öffentlichen Bildungssystem ein privates entstanden, das sich allerdings nur Eltern mit einem guten Einkommen für ihre Kinder leisten können.

Es ist folglich ein Zweiklassensystem in der Schulbildung entstanden, das Kinder ärmerer Eltern außen vor lässt und ihre Chancen mindert, wenn sie nicht die aller tollsten Schulnoten haben. Kinder aus Hartz IV- Familien bekommen übrigens erst dann Nachhilfe bezahlt, wenn sie schon ganz schlechte Schulnoten haben. Chancengleichheit sieht anders aus.

 

 

 

 

 

 

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