Ulrike Gräf engagiert sich seit ihrer Jugend prägend im CVJM

Artikel drucken Artikel drucken 10. März 2018 | Von | Kategorie: Jobs & Ehrenamt

Für Ulrike Gräf und ihren Mann Gerhard ist der CVJM eine zweite Heimat geworden.

Schon der Einstieg war ein kleines Highlight: Ulrike Gräf war 14 und gerade frisch konfirmiert, als sie sich zusammen mit drei Freundinnen auf den Weg zum Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) machte. »Das hatten wir schon länger ausgemacht. Es war unser kleines Geheimnis«, erinnert sie sich. Mit Vorfreude erwarteten die Vier den Tag, an dem sie zum ersten Mal zum christlichen Mädchenkreis stießen: »Endlich waren wir alt genug, um zum CVJM gehen zu dürfen.«

Das ist 54 Jahre her. Heute ist Ulrike Gräf 68, im Ruhestand – und noch immer hochaktives Mitglied im Nürnberger CVJM am Kornmarkt. Schon der Großvater und der Vater engagierten sich dort; beide kamen aus der Bäcker-Zunft. Für ihr Metier gab es in dem deutschlandweiten ökumenischen Jugendverband einen eigenen Arbeitskreis, der es ihnen trotz ihrer ungewöhnlichen Arbeitszeiten erlaubte, den Glauben gemeinsam zu leben. Auch in Nürnberg trafen sich Gruppen für Bäckerlehrlinge, -Gehilfen, -Meister und -Frauen. Vater und Großvater hatten da leitende Funktionen, »mir wurde das quasi in die Wiege gelegt«, sagt Ulrike Gräf.

Obwohl die junge Ulrike von ihren Eltern nie dazu gezwungen wurde, wie sie betont, hat sie diesen Pfad gern weiter beschritten: Mit 18 übernahm sie die Leitung des Mädchenkreises, mit 21, kurz nach der Hochzeit, stieg sie um in den »Jungfamilien- und Verlobtenkreis«. Ihren Mann Gerhard, ebenfalls Bäcker, lernte sie beim CVJM kennen und auf einer Frankreich-Freizeit lieben. 40 Jahre lang leiteten sie den Kreis. »Die Paare darin sind zusammengewachsen«, sagt Ulrike Gräf. Irgendwann wurde das »Verlobte« gestrichen, irgendwann das »Jung«. Noch heute gibt es den Familienkreis, obwohl die Mitglieder schon Großeltern, manche Urgroßeltern sind.

Anfangs traf man sich 14-tägig, heute einmal im Monat, um gemeinsam die Bibel zu erkunden, zu beten und zu singen und über Gott und die Welt zu plaudern. Meist beginnt die Runde mit einem Referat, immer endet sie im gemütlichen Gespräch bei Kaffee und Kuchen. »Um Glaube zu leben, braucht es die Gemeinschaft«, hat Gräf erfahren.

Außerdem entstanden Freundschaften, die zum Teil seit mehr als 50 Jahren halten und auch durch harte Zeiten trugen. Anfang der 1990er war so ein Einschnitt: Gerhard Gräfs Asthma wurde zusehends schlimmer; die Eheleute waren gezwungen, ihre Bäckerei in Fürth aufzugeben. Ulrike Gräf war damals 42, die drei Kinder gingen noch zur Schule. Wie sollte es weitergehen? Die Freunde aus dem Familienkreis waren da. »Sie haben uns Kraft gegeben und durch die schwere Zeit getragen«, sagt die 68-Jährige. Durch gemeinsame Gebete, durch kleine Gesten und Anrufe, aber auch durch handfeste Hilfe, wenn der Mann ausfiel oder Personalmangel in der Bäckerei herrschte.

Das Netzwerk half auch beim Job

Bei der Erinnerung daran schwingt Dankbarkeit in Ulrike Gräfs Stimme mit. So wie immer, wenn sie von besonderen Erlebnissen mit »ihrem« CVJM erzählt. Etwa den Trips nach Brasilien und Tansania, beides Konzertreisen der christlichen »Nürnberger Bäcker-Posaunen«, in denen der Ehemann jahrzehntelang blies. Dann wirkt die Frau mit dem flotten Kurzhaarschnitt zufrieden, erfüllt, in sich ruhend. Ihre grau-blauen Augen lächeln. Der christliche Verein habe ihr stets »Halt und innere Zufriedenheit« gegeben, sagt sie.

Selbst beim Neuanfang nach der Geschäftsschließung half das CVJM-Netzwerk. Über langjährige Freunde kam Ulrike Gräf an eine Stelle als Buchhalterin im Kirchengemeindeamt – auch wenn sie ihr dreimal angetragen werden musste, bis sie zusagte. »Das war ein Geschenk«, weiß Gräf rückblickend. Und es bescherte ihr mehr freie Zeit, »denn die 40 Arbeitsstunden pro Woche waren ja nur Teilzeit, verglichen mit der eigenen Bäckerei«.
Zeit, die sie dem CVJM schenkte. Zwölf Jahre lang saß Gräf im Vorstand, rief zusammen mit Freunden die Gruppe »Halbzeit« ins Leben, für Menschen zwischen 50 und 70, wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Rente aber noch auf sich warten lässt. Die Runde beschäftigt sich neben christlichen Themen auch mal mit der Geschichte der USA oder dem Bierbrauen und wandert in der Fränkischen Alb.

Inzwischen leitet Ulrike Gräf ehrenamtlich den Bereich 55 plus beim CVJM am Kornmarkt, dem größten der Nürnberger Ortsgruppen. Zusammen mit der hauptamtlichen CVJM-Sekretärin Angelika Böhm plant sie »das größere Ganze«. Denn trotz des Vereinsnamens hat der CVJM auch für ältere Semester einiges zu bieten: Neben den nach wie vor aktiven Bäcker-Gruppen wird wöchentlich ein Seniorencafé angeboten, mit anschließendem »Nachmittag der Begegnungen«. Zudem gibt es einen Bibelgesprächskreis, einen Tanzkreis, einen Clubnachmittag für Menschen mit geistigem Handicap, monatliche Stadtspaziergänge, eine Tischtennis-Gruppe und einen Sportkurs mit den Smovey-Ringen, allesamt geleitet von Ehrenamtlichen. Hinzu kommen besondere Aktionen wie Bibeltage, Ein- und Mehrtagesfahrten und ein Nostalgie-Café.

Helfende Hände werden gebraucht

Neueinsteiger sind in den Seniorenrunden jederzeit herzlich willkommen; auch helfende Hände werden immer gebraucht – sei es bei der Arbeit mit Menschen mit Handicap, in der Migrantenschule des CVJM oder einfach in den Kaffeerunden. »Hier kann jeder, der Anschluss sucht, etwas für sich finden«, ist die 68-Jährige überzeugt. Denn wie im gesamten CVJM fuße auch die Seniorenarbeit auf zwei Pfeilern: miteinander den Glauben leben und Freunde finden. »Hier trifft man Menschen, die die gleiche Wellenlänge haben.«

Ulrike Gräf trifft darüber hinaus oft auch: die eigene Familie. Vier ihrer fünf Geschwister sind hier aktiv; der jüngste Bruder war über 20 Jahre lang Vorsitzender. Die Kinder wurden hier groß, Sohn und Tochter lernten ihre Ehepartner über den CVJM kennen, alle drei Kinder engagieren sich inzwischen auch ehrenamtlich. Bei Gottesdiensten musizieren die Gräfs manchmal gemeinsam. »Das macht einen schon stolz, wenn man die Familienbande da vorn stehen sieht«, gesteht Ulrike Gräf. Der CVJM und ihre Lebensgeschichte – sie sind fest miteinander verwoben.

Annika Peißker, Foto: Michael Matejka

Der CVJM Nürnberg feiert in diesem Jahr 120-jähriges Bestehen. Wer mehr über die Senioren-Aktivitäten wissen oder sich selbst engagieren möchte, wendet sich an Angelika Böhm, Tel. 0911 / 206 29 29. 
Das Programm findet sich auch online auf: www.cvjm-nuernberg.de

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