Innere Uhr als Taktgeber
für unsere Gesundheit?

Artikel drucken Artikel drucken 12. April 2018 | Von | Kategorie: Sport & Freizeit

Unser Tag richtet sich nach einem bestimmten Rhythmus. Foto: Pixabay


Der Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt über gesundheitsrelevante Prozesse im Körper. Ist der Rhythmus gestört, können Betroffene aus dem Gleichgewicht geraten. Mithilfe einer speziellen Therapie soll dem entgegengewirkt werden.

Ohne äußere Einflüsse schwingt der „innere Taktgeber“ nicht immer genau im 24-Stunden-Rhythmus. Wissenschaftler sprechen vielmehr von zirkadianen, also nur ungefähr der Länge eines Tages entsprechenden Rhythmen. „Man weiß heute außerdem, dass es nicht nur eine innere Uhr gibt, sondern dass es sich um ein hierarchisch organisiertes System handelt“, erklärt Henrik Oster, Leiter des Instituts für Neurobiologie an der Universität Lübeck. So koordinieren sowohl Teile des Zwischenhirns als auch Gene in den Körperzellen unseren Tagesrhythmus.

Zwar stellt sich die innere Uhr flexibel auf Veränderungen wie die Sommerzeit oder einen Jetlag ein, anhaltende Schlafstörungen oder Ähnliches beeinträchtigen die Gesundheit des Betroffenen dagegen stark. „Chronische Störungen des zirkadianen Systems erhöhen das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, aber auch für Krebserkrankungen“, sagt Henrik Oster. Auch Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und Alzheimer treten dadurch häufiger auf.

Die Stabilisierung des inneren Rhythmus ist daher ein Ziel der sogenannten Chronotherapie. „Das kann etwa durch eine Lichttherapie geschehen, oder durch einen festen Aktivitäts- und Essensrhythmus“, erläutert Oster. Auch über Medikamente kann das zirkadiane System beeinflusst werden. Klinisch erprobt sind bislang allerdings lediglich Wirkstoffe, die auf die Hormone Cortisol und Melatonin und die von ihnen angestoßenen Stoffwechselwege wirken. „Mehr als jeder dritte Bundesbürger leidet an Schlafstörungen oder anderen Störungen des zirkadianen Rhythmus“, so Professor Cornel Sieber, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und Kongresspräsident des 124. Internistenkongresses.

Außerdem soll die auf den zirkadiaden Rhythmus abgestimmte Einnahme von Medikamenten die Wirkung dieser optimieren. Auch die Nebenwirkungen – etwa in der Krebstherapie – sollten so möglichst gering gehalten werden. Bisherige Studien haben jedoch noch nicht zu konkreten Empfehlungen geführt. „Vermutlich muss neben der Tageszeit auch der Chronotyp der Patienten berücksichtigt werden – also salopp gesagt, ob sie eher Früh- oder eher Spätaufsteher sind“, gibt Henrik Oster zu bedenken. Das mache den Studienaufbau zusätzlich kompliziert.

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