KI Künstliche Intelligenz und verirrte Senioren

Artikel drucken Artikel drucken 10. April 2018 | Von | Kategorie: Global Oldie

 Hello All, mein Großvater wanderte gerne. Als ihn Altersdemenz befiel, verlief er sich öfters. Dann brachten ihn Passanten, ein Telefonanruf und einmal die Polizei nachhause. Ihm war seine banale Hilflosigkeit zutiefst peinlich. Was einst meinen Opa entwürdigte, wiederholt sich in China täglich tausendfach. 500.000 vermisste Senioren wurden  im Jahr 2016 den Behörden gemeldet. Nicht alle dement, aber hilflos allemal. Oft kommen sie nicht aus den Städten, in denen sie sich verlaufen. Sondern waren von den Kindern zur Enkelbetreuung in die Städte geholt worden und waren später geblieben, um im Alter versorgt zu sein. Wenn sie aus anderen Landesregionen stammen, sprechen Ältere nicht unbedingt die lokale Sprache oder Mandarin, was schon ohne Demenz zu prekären Situationen führen kann. Nun setzt die chinesische Polizei vermehrt auf Gesichtserkennung  per Videoüberwachung bei der Fahndung nach abhanden gekommenen Alten. Und vermeldet beachtliche Erfolge, zur Erleichterung der Betroffenen*.

Ich hatte bisher künstliche Intelligenz KI, zu neudeutsch: Artificial Intelligence AI, bisher nicht so direkt mit dem Seniorenwohl in Verbindung gebracht. Auch nicht mit KI-gesteuerter Gesichtserkennung, wie man sie z.B. von Grenzkontrollen und Überwachungskameras kennt. Mir wird mulmig beim Gedanken, dass in den Großstädten Chinas hunderte Videokameras mich an einen KI- Algorithmus verpetzen, der meine Wege nachverfolgen kann. Vielleicht mit dem Suchbefehl: Älterer Herr, vermutlich Weißer mit Halbglatze und randloser Brille schlendert offensichtlich ziellos durch die Straßen.  Bei allem Respekt vor der Wiedersehensfreude der Dank KI Wiedereinten: ich halte das mit dem Adresszettel im Hemd für eine alltagstaugliche Alternative. Es sei denn, man verfolgt mit der ubiquitären Gesichtserkennung noch andere Ziele, als nur eventuell irrenden Senioren den Heimweg zu ermöglichen.

Ihr Global Oldie

*Vergl. China Daily, 10. April 2018. Vier chinesischen Firmen zur KI- gestützten Gesichtserkennung Megvil, Yitu, SenseTime und Cloudwalk halten 55% aller weltweit registrierten Patente auf diesem Gebiet. Und freuen sich über schöne Geschichten.

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