Oma will sie nicht genannt werden

Artikel drucken Artikel drucken 27. April 2018 | Von | Kategorie: Enkelblog

Meine Freundin ist, als sie etwas über 40 Jahre alt war, Großmutter geworden und hat sich mit ihrer Familie auf ihre Enkelin sehr gefreut. Es sei auch ganz schön, in jungen Jahren Großmutter zu werden, meinte meine Freundin. Die Zeit, die sie mit mit der Enkelin gemeinsam verbringen kann, reicht voraussichtlich bis in das Erwachsenenalter des Kindes. Vielleicht wird sie ja auch noch Urgroßmutter werden?
Inzwischen ist die Enkeltochter herangewachsen, sie kann schon einiges sagen, vor allem Mama, Papa und eben auch Oma.
Irgendetwas hat sich aber verändert. So toll findet meine Freundin das nicht mehr, wenn die Enkelin lauthals nach der Oma ruft und alle Leute um sie herum nach ihr sehen, schließlich könnte sie ja  ihrem Alter entsprechend durchaus auch die Mutter sein.
Aber weitaus schlimmer für meine Freundin ist es, dass sie nun in der ganzen Familie zur „Oma“ geworden ist, vor allem wenn in der dritten Person geredet wird und das nicht nur gegenüber der Enkelin, sondern auch unter den Erwachsenen. So fragt z.B. ihr Schwiegersohn, „ob die Oma schon da ist“. Selbst für ihren Mann und ihre Tochter ist sie zur Oma geworden. Diese „familiären“ Anreden sind in unserem Land ja irgendwie beliebt, wenn sich Erwachsene untereinander mit Vati, Mutti und eben auch mit Omi und Opi anreden. Ich bin übrigens eine Stiefgroßmutter,  so nennt mich zwar keiner in der Familie, aber durch französischen Familienzuwachs bin ich nun die „belle grand-mère“, das klingt doch hübsch.
Oma und alt sein, das gehört in der Vorstellung mancher zusammen. Auch meine Mutter hat sich empört, besonders wenn sie während ihrer Besuche auf dem Land von Erwachsenen mit „Oma“ angesprochen wurde, obwohl sie zu dieser Zeit gar keine Oma war.
Die Familie meiner Freundin ist jetzt ziemlich durcheinander, welche Anrede denn meine Freundin gerne hätte: Wenn nicht Oma, dann vielleicht lieber Großmutter – klingt noch „älter“?  Oder doch besser nur den Vornamen, wie es für Vater und Mutter in der Familie üblich war – klingt eher distanziert? Also, doch „Oma“, aber nur für die Enkelin – das wäre doch die Lösung?

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