Aufwachsen bei den Großeltern

Artikel drucken Artikel drucken 27. Mai 2018 | Von | Kategorie: Enkelblog

vignette_mielenz„Ich bin bei meinen Großeltern groß geworden“, das ist ein Satz, den ich in meiner Generation immer wieder mal höre. Aber auch heute ist die nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz so bezeichnete „Verwandtenpflege“ gar nicht so selten. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes für 2016 leben 190.804 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in verschiedenen Betreuungsformen außerhalb ihrer Familien, sei es, dass die Familien ihre Erziehungsaufgaben nicht erfüllen können oder gar Misshandlungen der Kinder vorgekommen sind.

In Vollzeitpflege als Hilfe zur Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz befinden sich etwa 70.000 Kinder, d.h. sie wachsen in Pflegefamilien auf, viele bei Verwandten (sog. Verwandtenpflege). Rd. 70 % der Verwandten, die Kinder aufnehmen, sind die leiblichen Großeltern. Das ist aber nur die offizielle Zahl, denn es gibt wahrscheinlich sehr viel mehr Kinder, die bei ihren Großeltern aufwachsen.  Diese Großeltern nehmen keine Leistungen der Jugendämter in Anspruch, z.T. auch aus Sorge, dass das Jugendamt sie als Pflegefamilie ablehnen könnte. Daher sind diese Zahlen sehr ungenau und unerforscht, wenn keine Hilfe zur Erziehung beantragt wurde, sondern ganz informell zwischen Eltern und Großeltern Einvernehmen hergestellt wurde. Bei solch einem „Einvernehmen“ muss das Jugendamt nicht um Erlaubnis gefragt werden.

Die Gründe für die „Großelternpflege“ der Enkelkinder sind vielfältig: Krankheit, unregelmäßige Berufstätigkeit, Tod, aber auch Erziehungsunfähigkeit, Drogen- oder Alkoholprobleme, Inhaftierung der Eltern … das ganze Spektrum eines misslingenden Familienlebens halt.
Großeltern nehmen ein Enkelkind auf, weil sie sich familiär, also „natürlich“ verbunden und verantwortlich fühlen.
Allerdings wird das Aufwachsen bei den Großeltern auch skeptisch beurteilt. Da wird die mangelnde Distanz zum Kind kritisiert, genauso wie veraltete Erziehungsvorstellungen, das schlechte Verhältnis zur Herkunftsfamilie … naja, auch diese Liste ließe sich fortsetzen. Aber richtig bleibt doch wohl, lieber bei den Großeltern aufwachsen als in einer fremden Familie oder gar in einem Heim?

 

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