Generation Bicycle

Artikel drucken Artikel drucken 10. Mai 2018 | Von | Kategorie: Global Oldie

 Hello All, der „Generation Golf“ hatte man ein literarisches Monument errichtet. Meiner, der älteren „Generation Bicycle“ noch nicht; völlig zu Unrecht. Meine Fahrrad- Alterskohorte teilt völkerverbindende Erfahrungen. Mein erstes Fahrrad hatte ich 1960 mit 11; ein wackeres bisweilen schwergängiges Arbeitsgerät, mit dem ich bis zur Bushaltestelle radelte, um von dort in die Schule in der Kreisstadt zu fahren. Nix mit Sport oder Genuss. Pure Notwendigkeit, ohne Helm und Handschutz. Keine Saison ohne aufgeschürfte Knie und Hände. Doch auch mein Preis für erste mobile Freiheit, verbotene Ausflüge und kleine Fluchten. Noch heute miete ich mir gerne ein Fahrrad, egal wo auf der Welt, um die Umgebung zu erradeln. Schneller als zu fuß, langsam genug, um Gerüche, Geräusche und das ganze Drumherum hautnah mitzubekommen. Und statt Rucksack Gepäckträger. Sehr seniorengerecht.  Spontan kann man anhalten, fragen, ratschen.  Und dann erzählen mir Amerikaner, Indonesier, oder Chinesen in meinem Alter von ihren ersten Fahrrädern – ebenfalls meist derbe Konstruktionen; von deren heimlichen Ausflügen, Fluchten, Taschengeldverdienen per Fahrrad und den weltweit aufgeschürften Knien der jugendlichen Radler. Als wir zwanzig Jahre später in „die besten Jahre“ kamen, fuhren wir zur Arbeit entweder mit Motorroller, Auto oder öffentliche Verkehrsmittel, je nach Land und Status. Unsere Fahrräder mutierten zu Freizeitutensilien, Familienausflugsgeräten, mit Kindersitz, Packtaschen, Gangschaltung und Doppelbremsen. Oder gar zu Prestigeobjekten mit ganz schmalen oder superbreiten Felgen, um Sportlichkeit und technischen Connaisseur unter Beweis zu stellen. Jetzt, da die Generation Bicycle im Ruhestand strampelt, tun wir es meist der Gesundheit zuliebe. Bewegung in der frischen Luft. Die Räder haben inzwischen leuchtturmmäßige Beleuchtung und unser Kopf steckt in Hartschaumhelmen. Die Freude an den nunmehr erlaubten Ausflügen und kleinen Fluchten ist geblieben.  Welcher Literat erkennt das poetische und historische Potential dieser Radelgeneration?

Ihr Global Oldie

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