Hörzentrum Nordbayern hilft auch bei schweren Fällen

Artikel drucken Artikel drucken 18. Mai 2018 | Von | Kategorie: Computer & Technik

Genaue Diagnostik, viel Erfahrung und Besprechung im Team: Heinrich Iro (links) und Ulrich Hoppe passen ein Cochlea-Implantat an. Foto: Uni-Klinikum Erlangen

Mit dem Hören im Alter ist das so eine Sache. Da hat man vielleicht sogar schon ein Hörgerät, und trotzdem nimmt man seine Umgebung immer schlechter wahr. Erst versteht man den Fernseher nicht mehr so gut, dann die Enkel beim Familientreffen und schließlich die Freunde bei der Schafkopf-Runde. Doch was ist die Ursache: ein vermindertes Gehör, ein falsch eingestelltes Hörgerät oder möglicherweise eine beginnende Demenz?

»Für den Patienten wirkt das alles gleich«, weiß Professor Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter der Audiologie am Universitätsklinikum Erlangen. Die wahre Ursache kann nur ein Fachmann feststellen. Aber geht man nun besser zum HNO-Arzt oder zum Hörgeräteakustiker? Abhilfe in solchen Fällen will das Hörzentrum Nordbayern schaffen. Diese bayernweit einzigartige Einrichtung wurde im November 2017 gegründet und ist an die Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen angegliedert. Sie verspricht den Patienten einen umfassenden Blick auf Hörprobleme aller Art, denn hier arbeiten Experten aus verschiedenen Fachbereichen Hand in Hand. »Zu unserem Team gehören Ärzte, Techniker, Audiologen, Logopäden und Ergotherapeuten«, zählt Hoppe auf.

Cochlea-Implantate müssen genau angepasst werden

Die Möglichkeiten, das Hörvermögen zu verbessern, sind vielfältig: Medikamente, Hörgeräte, Implantate oder Operationen. »Die Therapie richtet sich nach Ursache und Ausmaß des Hörproblems und muss an das Lebensalter und die Ziele des Patienten angepasst werden«, sagt Ulrich Hoppe. Ohne eine genaue Diagnostik, viel Erfahrung und Besprechungen im Team gehe da nichts. Hoppe hat das Hörzentrum seit dem Jahr 2000 gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Iro, Direktor der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen, aufgebaut. Zunächst wollte man vor allem die Expertise im Bereich Cochlea-Implantate (CI) ausbauen. Diese elektrischen Hörprothesen können die Funktion eines beschädigten Innenohres übernehmen, indem sie mit Stromimpulsen den Hörnerv aktivieren. Wer ein solches Implantat bekommt, benötigt umfangreiche Nachsorge. »Etwa zwölf Monate braucht man, um mit einem CI gut zurechtzukommen«, erläutert Hoppe. »Um es immer wieder nachzustellen und das Gehirn schrittweise an das neue Hören zu gewöhnen, sind in dieser Zeit zehn bis 20 Termine hier im Hörzentrum vonnöten.«

Um genau diese Nachsorge strukturiert anzubieten, wurde 2009 das Cochlea-Implantate-Centrum CICERO gegründet, dessen Leiter Hoppe ist. Über die Jahre wuchs das Angebot immer weiter, auch die Hörgeräte rückten ins Blickfeld. So entstand sukzessive das Hörzentrum Nordbayern. Ein altes Schwesternwohnheim in der Erlanger Waldstraße wurde dafür umgebaut: vier Stockwerke mit etwa 1200 Quadratmetern. Etwa 50 Mitarbeiter kümmern sich hier ausschließlich um den Bereich Hören.

Frühzeitige Behandlung ist wichtig

Zu den Erlanger Spezialisten kann jeder kommen, der schlecht hört. Etwa die Hälfte der Patienten sind ältere Menschen, die andere Hälfte Kinder. Gerade bei letzteren ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um ihnen einen guten Start, etwa für die Sprachentwicklung, zu ermöglichen. »Bei schwerhörigen Kindern operiert man im Normalfall schon vor dem ersten Geburtstag«, sagt Hoppe. Auch hier kommen Cochlea-Implantate in Frage. Sie eigneten sich für alle Altersgruppen; sein ältester CI-Patient war 90 Jahre. Wobei der Audiologe die Implantate als »ultima ratio« betrachtet; zunächst gehe der Blick immer auf das Hörgerät und dessen richtige Einstellung. »Wir wollen Schubladen-Geräte vermeiden«, sagt Hoppe.

Dafür investiert man am Hörzentrum auch in die Forschung. In Studien werden neue Generationen von Hörgeräten getestet, auch an der richtigen Programmierung wird getüftelt. Außerdem stehen die CI im Interesse der Wissenschaftler: Wie kann man schon während der Operation messen, wie das Implantat hinterher eingestellt sein muss? Oder wie vertragen sich ein CI und ein Hörgerät? Der vermutlich prominenteste Patient mit dieser Kombination ist Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein. Er trägt rechts ein Hörgerät und hat sich linksseitig nach einem Hörsturz von den Erlanger Ärzten ein Cochlea-Implantat einsetzen lassen. Drei Monate nach der OP war sein Gehör wieder soweit hergestellt, dass er problemlos das Münchner Oktoberfest besuchen konnte.

Annika Peißker

Weitere Informationen und Kontakt:

  • Hörzentrum Nordbayern, Waldstraße 1, 91054 Erlangen, Tel. 09131/85 404 34
  • E-Mail: info@hoerzentrum-nordbayern.de
  • www.hoerzentrum-nordbayern.de

 

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