Verdächtiges nach dem Weg fragen

Artikel drucken Artikel drucken 7. Juni 2018 | Von | Kategorie: Global Oldie

 Hello All, fragte ich neulich eine Mitvierzigerin auf offener Straße nach dem Weg. Skeptisches Zögern, gefolgt von mitleidigem Lächeln. Hilfloser Senior auf Reisen! Die Dame zückte ihr Smartphone, tippte mein Ziel in die Suchmaschine und hielt mir eine Minute später die digitale Wegbeschreibung hin. Ob ich mich mit einem bebilderten Google Street View leichter täte? Sie kann mir das schnell auf mein Handy schicken. Übrigens, da drüben gibt es freies Wi-Fi; falls mein Smartphone Strom bräuchte, auch eine Aufladestation.

Meist bin ich bei Kurzbesuchen im außereuropäischen Ausland zurückhaltend, mir eine lokale SIM-Karte zu besorgen oder das unberechenbare Daten-Roaming zu aktivieren.  In alter Gewohnheit „haue“ ich mutmaßliche Orts- und Sprachkundige an. Was mich zunehmend der billigen Anmache verdächtigt, oder der Trickschnorrerei. Völlig aus der Zeit gefallen komme ich mir vor, wenn ich Passanten mit „Blue-Tooth-Knopf“ im Ohr nach einer Busverbindung frage.  So diese freundlich reagieren, verzichten sie aufs Tippen. Sie diktieren meine verschrobene Frage in die Luft, um Sekunden später mir die soufflierte Antwort aus dem Kopfhörer, betont seniorengerecht verbal und gestikulierend, zu vermitteln. Je jünger, desto wahrscheinlicher, dass die drahtlosen Kopfhörerträger sich einen Siri, Cortana oder Google Now genannten Flaschengeist im Handy halten, jene fast alles wissende und willfährigen Ginis dieser Tage.

Wobei mir diese non-stop Bluetooth-Verbundenen die Angst mildern, eines Tages  selbst mit einem Hörgerät unterwegs zu sein. Ich würde mir eines suchen, das im zeitgemäßen Apple-Design daher kommt. Nur, dann glaubt mir erst recht niemand mehr, ich meinte das mit der Wegeauskunft ernst.

Ihr Global Oldie

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