Ältere Arbeitnehmer fühlen sich häufig diskriminiert

Artikel drucken Artikel drucken 14. Oktober 2018 | Von | Kategorie: aktuell

Viele Ältere fühlen sich bei der Arbeit diskriminiert. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Foto: Pixabay


„Ältere Arbeitnehmer sind nicht leistungsfähig“, „Kredite für Personen im Rentenalter sind zu risikobehaftet“, „Wenn ich alt werde, werde ich krank und einsam“ – stereotype Überzeugungen aufgrund des Alters – prägen allzu oft das Leben älter werdender und alter Menschen. Das kritisiert jetzt das Deutsche Zentrum für Altersfragen.

Rund elf Prozent der Befragten im Deutschen Alterssurvey – einer bundesweit repräsentativen Quer- und Längsschnittbefragung von Personen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden (also 40 Jahre und älter sind) – beispielsweise geben an, in den zwölf vorangegangenen Monaten entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben: Sie fühlen sich aufgrund ihres Alters durch andere benachteiligt oder schlechter gestellt. Allerdings: Altersdiskriminierung wird oft nicht als solche wahrgenommen, weil es sich um Verhaltensweisen handelt, die als selbstverständlich hingenommen werden.

Alterszuschreibungen finden sich in den verschiedensten Lebensbereichen wieder: in der Arbeitswelt, in der Gesundheitsversorgung oder im öffentlichen Leben, aber auch in der Wahrnehmung, im Verhalten und den kulturellen Werten – oft mit negativen Folgen für Individuen und für die Gesellschaft als Ganzes. Alt sein wird von vielen Menschen mit dem Nachlassen körperlicher Kräfte und geistiger Fähigkeiten gleichgesetzt, dies führt nicht selten zu Diskriminierung.

Je nach Alter zeigt sich Altersdiskriminierung in unterschiedlichen Lebensbereichen stärker. Im Deutschen Alterssurvey berichten beispielsweise die noch im Erwerbsleben stehenden Altersgruppen (40- 69-Jährige) vermehrt von Diskriminierung im Bereich Arbeit und Arbeitssuche (rund 14 Prozent). In der medizinischen Versorgung hingegen wird Altersdiskriminierung am meisten von den ältesten Befragten wahrgenommen (70-85 Jahre, rund 7 Prozent). Oft wird älteren Menschen unterstellt, Ärzte nur aufgrund von Isolation und Einsamkeit aufzusuchen und nicht wegen behandlungsbedürftiger Erkrankungen. Dabei handelt es sich um ein altersdiskriminierendes Klischee, wie eine Untersuchung mit Daten des Deutschen Alterssurveys kürzlich zeigen konnte. Das kann aber dazu führen, dass älteren Menschen wirksame Therapien vorenthalten werden.

Auch ältere Menschen selbst haben negative Vorstellungen vom Alter. Solche Überzeugungen werden oft zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung: Älter werdende Menschen verhalten sich dann so, dass die negativen Erwartungen Realität werden. Zum Beispiel sind Personen mit einer negativen Vorstellung vom Alter häufig weniger gesund als andere, die damit positive Erwartungen verbinden.

Immer mehr Menschen werden älter. Aber abwertende Einstellungen, negative Stereotype und handfeste Benachteiligungen können ihnen laut dem Deutschen Zentrum für Altersfragen schaden: nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Gesellschaft als Ganzes. Dazu gibt es viele neue Erkenntnisse aus der internationalen Forschung. Eine gesellschaftliche Sensibilisierung für vorherrschende Altersdiskriminierung und ihre Folgen ist daher lohnend.

„Es scheint sinnvoll, anstatt ausschließlich negativer und ausschließlich positiver Bilder die große Unterschiedlichkeit alter Menschen zu zeigen. Benötigt werden realistische und zugleich hoffnungsvolle Ansätze, die der Vielfalt des Alters gerecht werden. Und die Ermutigung, den eigenen Weg zu finden“, sagt Prof. Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen Berlin. Er hat sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und gemeinsam mit Prof. Liat Ayalon (Bar-Ilan Universität, Israel) ein Buch zum Thema herausgegeben, in dem europäische Wissenschaftler das Wissen zum Thema Altersdiskriminierung zusammengefasst haben. „Die Vereinten Nationen bereiten zum Beispiel eine Charta der Rechte älterer Menschen vor. Die Diskussion um die Charta hat das Potential, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie die Gesellschaft mit älteren Menschen umgeht – und damit auch mit uns als den Alten der Zukunft.“

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