Der erste Schritt zur Barrierefreiheit im Bad ist eine unabhängige Beratung

Artikel drucken Artikel drucken 3. März 2019 | Von | Kategorie: Finanzen & Vorsorge

Gerda Stromberger freut sich über den Komfort in ihrem umgebauten Bad. Foto: Michael Matejka

Als das Bad in ihrem Haus – immerhin war es schon 23 Jahre alt – erneuert werden musste, legte Johanna R. großen Wert auf die Breite der Türe. »Da muss man auch mit einem Rollstuhl durchfahren können«, meinte die damals 55-Jährige. Dass sie dann, 19 Jahre später, selbst anfangs mit einem Rollator, später mit dem Rollstuhl hineingeschoben werden musste, konnte damals keiner ahnen. »Es war einfach eine vorausschauende Maßnahme«, sagt ihr Mann heute. Allerdings musste die Duschkabine noch barrierefrei umgerüstet werden. Also Duschwanne raus, alles ebenerdig fliesen, neue Fliesen bis zu einer gewissen Höhe, neue Abdichtungen. Die Sanitärfirma organisierte den gesamten Umbau der Dusche. »Alles in einer Hand«, hieß die Devise. So gab es bei den Arbeiten keinen Leerlauf. Und die Patientin konnte noch das letzte Vierteljahr ihres Lebens, im Rollstuhl sitzend, geduscht und gewaschen werden.

Türen sind oft zu schmal

Häufig ist es der Sanitärbereich, der barrierefrei umgebaut werden muss. Die Nürnberger Architektin Agathe Kopp-Büeler macht nicht selten die Erfahrung, dass vor allem die Türen zum Sanitär- oder Toilettenbereich zu schmal sind, um mit einem Rollator oder Rollstuhl durchzukommen. Dabei empfiehlt sie, gerade den Umbau eines Badezimmers an eine Firma zu vergeben, die eine Komplettlösung anbietet. Das heißt: Diese Firma organisiert den gesamten Umbau. Aber der erste Schritt zu einer barrierefreien Wohnung, meint sie, sei immer die Beratung durch einen unabhängigen Fachmann. Das können Architekten, Ingenieure, aber auch Handwerker sein, die über Umbau-Erfahrungen verfügen.

Den Begriff »Barriere« muss man in diesem Zusammenhang durchaus weiter fassen, als man es zunächst vermuten könnte. Schon ein fehlender oder zu hoch angebrachter Lichtschalter kann eine Barriere darstellen, wenn man ihn im Rollstuhl sitzend nicht mehr erreicht. »Auch ein Fenster über der Badewanne wird mit zunehmendem Alter unerreichbar«, meint die Architektin. In die ebenerdige Dusche gehören stabile Haltgriffe, ein rutschfester Fliesenbelag.
Wenn Fenster und Terrassentüren erneuert werden, sollte man damit auch einen schwellenlosen Zugang zum Balkon oder zur Terrasse verwirklichen. Dasselbe gilt auch für die Küche. Wenn die alte ausgedient habe, so Kopp-Büeler, sollten bei der neuen Küche Arbeitshöhen angepasst werden. Backofen und Kühlschrank begegnet man dann gewissermaßen auf Augenhöhe. Kurzum: Ein vorausschauend geplanter barrierefreier Ausbau der eigenen Wohnung ist kein überflüssiger Luxus. Und: Es ist niemals zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Denn die meisten Menschen wollen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Kowab hilft beim Planen

Eine Stelle, die Senioren beratend zur Seite steht, ist das »Kompetenznetzwerk Wohnungsanpassungsberatung«, kurz »Kowab«. Hier sind alle Initiativen vertreten, die in irgendeiner Weise mit dem Umbau von Wohnungen zu tun haben. Kowab ist ein Angebot des Pflegestützpunktes Nürnberg. Gabriele Metschl vom Pflegestützpunkt weist darauf hin, dass interessierte Bürgerinnen und Bürger von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kostenlos und unabhängig beraten werden.
Einem Problem begegnen die Kowab-Experten immer wieder. Ältere, die ihre Wohnung verlassen müssen und eine barrierefreie Alternative suchen, tun sich sehr schwer, etwas zu finden. Metschl: »Hier ist die Nachfrage größer als das Angebot.« Und ganz schwierig sei es, für Menschen mit Behinderung eine geeignete Wohnung zu finden. Das Kompetenznetzwerk, das nur in Nürnberg aktiv ist, informiert zudem Umbauwillige auch über die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen.
Gerda Stromberger aus Nürnberg-Boxdorf zum Beispiel hat sich bei Kowab erst kundig gemacht, bevor sie in ihrem Haus das Badezimmer in der kleinen Mansardenwohnug unterm Dach behindertengerecht umbauen ließ. Die 77-Jährige versorgt hier ihren 80-jährigen pflegebedürftigen Bruder. Er ist völlig auf ihre Hilfe angewiesen. Die Badewanne wurde abmontiert und stattdessen eine ebenerdige Dusche installiert. Jetzt kann sie ihren auf einem Stuhl sitzenden Bruder abduschen und waschen. »Der Umbau ging problemlos und zügig vonstatten«, versichert sie. Alle Firmen – Elektriker, Schreiner, Fliesenleger – habe die Sanitärfirma eingeteilt. Es habe keinen Leerlauf gegeben.
Gerda Stromberger lag mit dem Umbau des Mansardenbades ausgesprochen im Trend. Denn: die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnen steigt.

Günter Dehn; Foto: Michael Matejka

Wer sich mit dem Gedanken an einen seniorengerechten Umbau trägt, kann sich an den Pflegestützpunkt Nürnberg wenden (Telefon: 0911 / 53 98 953). Hier bekommt man erste Informationen.
Bei den Alt- und Neubautagen im Bildungszentrum der Handwerkskammer Mittelfranken in der Sieboldstraße 9 in Nürnberg informiert die Architketin Agathe Kopp-Büeler am 9. und 10. März 2019 über barrierefreies Umbauen, gibt Tipps aus der Praxis und steht für Fragen zur Verfügung. Die genauen Vortragstermine werden rechtzeitig auf der Seite www.altbautage-hwk.de bekannt gegeben.

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