Erinnern mit Emotional Tagging

Artikel drucken Artikel drucken 11. März 2019 | Von | Kategorie: Global Oldie

Hello All, Gedächtnislücken: eine Altersplage. Gewisse Ereignisse erinnern wir wesentlich besser als andere. Welches Sieb im Hirn sortiert das ohne unsere Anweisungen aus? Eine Erklärung liegt im „emotional tagging“, der emotionalen Markierung von Eindrücken. Erlebnisse, die wir mit tiefen Gefühlen verbinden, verklumpen „grobkörning“ und rutschen damit weniger wahrscheinlich durch die Maschen des Gedächtnissiebes als aalglatte Sachinformationen ohne emotionale Haken.  Offenbar funktioniert das mit unangenehmen Gefühlen (leider) genauso effektiv wie mit besonders schönen Ereignissen. Mein Großvater und Vater nervten mich mit ihren Kriegserlebnissen; ihre seelischen Wunden gönnten ihnen kein Vergessen bis ans Lebensende. Umgekehrt bleiben aber auch die erste Liebe und der Duft des Lieblingsessens nachhaltig in Erinnerung.  Das heißt, tief Empfundenes hält länger als rein intellektuell Gelerntes. Daraus ließe sich die kühne These ableiten: wer viel fühlt, könnte mehr erinnern.

Hier die gute Nachricht für uns Senioren: Die empathische Sensibilität und Emotionalität nehmen im Alter tendenziell zu. Zwar lassen uns das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis mit abstrakten Informationen immer öfters im Stich. Doch wenn wir das Erinnerungswerte mit mehr Gefühl befrachten, bleibt es auch bei uns Alten wahrscheinlicher und länger hängen. Am besten klappt das mit den entwicklungsgeschichtlich ältesten Empfindungen: Gerüche, Tastsinn und Angst. Beispiel: Man stellt mir Jenny, Heinz und Yvonne vor, mitten im Empfangsgetümmle. Fast chancenlos. Jetzt der Trick: „Jenny mit dem schwerem Parfum“, „der schmerzhafte Händedruck von Heinz“, „Yvonne, die aussieht wie damals meine Lieblingstante“ … es klappt tatsächlich besser mit dem Namenmerken.  1001 Nacht spielt im aromatisch anspruchsvollen Orient; teure Marken entwickeln bewusst dezente Düfte – um besser in Erinnerung zu bleiben. Erlauben wir uns im Alter also möglichst viel Emotionales, und optimieren wir uns damit das verbleibende Erinnerungsvermögen. Wäre doch eine Ausrede für öfters mal duftende Blumen, bewegende Musik und umwerfende Ausflüge.

Ihr Global Oldie

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