Gemüse vorziehen: Essen startet auf der Fensterbank

Artikel drucken Artikel drucken 14. März 2019 | Von | Kategorie: Wohnen & Betreuung

Pflanzenexpertin Natalie und Kollegin Wanda machen sich jetzt ans Werk, damit die jungen Gemüsepflanzen später draußen gedeihen können. Foto: meine ernte

Mit den ersten richtigen Sonnenstrahlen steigt bei Natalie die Vorfreude auf die Gemüsesaison. „Wenn aus einem winzigen Saatkorn langsam eine richtige Pflanze heranwächst, stehe ich noch immer mit leuchtenden Augen davor und empfinde das als kleines Wunder,“ sagt die Firmengründerin von meine ernte über ihre Leidenschaft Gemüseanbau. Auf Basis von inzwischen 10 Jahren Anbauerfahrung erklärt sie im Folgenden Schritt für Schritt, wie einfach Vorziehen funktioniert.

Während die Aussaat im späten Winter im Freiland zumeist erfrieren würde, hat man mit dem Vorziehen bereits ab Februar die Möglichkeit, sein Gemüse auf der Fensterbank „das Licht der Welt“ erblicken zu lassen. So verlängert sich die Saison für Kulturen, für welche unsere klimatischen Bedingungen nicht mild genug sind. Außerdem ist die etwas kritische Phase des Austreibens durch die konstante Temperatur besser reguliert – eine vorgezogene Pflanze hat es draußen später leichter. Ebenfalls ein starkes Argument: Man ist ganz nah dran und kann sich Tag für Tag über die Fortschritte seiner zarten Schützlinge freuen.

Gute Bedingungen schaffen

Jeder kann Gemüse vorziehen, wenn die Grundlage stimmt. Dazu zählen passendes Pflanzsubstrat, einwandfreies Saatgut, der richtige Zeitpunkt und ein geeigneter Standort. Pflanzen geben uns deutliche Signale, ob die Bedingungen für sie in Ordnung sind, oder ob es ihnen an etwas mangelt.

Die Grundlage jeder Pflanze ist das Substrat, in dem sie heranwächst. So ist es wichtig, möglichst nährstoffarme Erde, zum Beispiel speziell ausgewiesene Anzuchterde oder Kokosquelltabletten, zu verwenden. Die zarten Wurzeln der Pflänzchen suchen aktiv nach Nährstoffen und wachsen zu diesen hin. Nährstoffknappheit beantworten sie mit einem verstärkten Wurzelwachstum, das wir uns für Gemüsepflanzen wünschen. Ein Keimling signalisiert durch eine satte grüne Farbe, dass er gut versorgt ist.

Tipp: Werden die Blätter mit der Zeit blasser, ist die Pflanze hungrig. Dann ist es Zeit, die Pflanze in nährstoffreichere Erde umtopfen oder düngen.

Richtiges Timing ist die halbe Miete

Nicht jedes Gemüse keimt zum gleichen Zeitpunkt. Hier gilt es die Angaben auf den Saatgutverpackungen hinsichtlich des Zeitpunktes und der Aussaattiefe sorgfältig zu beachten, um Erfolge zu erzielen. Frühe Sorten, wie etwa die Paprika, Chili, Aubergine oder Andenbeere starten bereits im Februar. Kürbis, Tomate oder Zucchini, möchten erst Ende März/Anfang April vorgezogen werden. Sorten, die unterirdisch wachsen, sät man direkt im Garten oder Hochbeet aus. Hierzu zählt vor allem Wurzelgemüse, wie Möhren, Rote Bete, Rettich. Auch eine gute Qualität sowie das Alter des Saatgutes sind zu berücksichtigen, denn die Keimfähigkeit nimmt mit der Zeit ab. Für die Planungsübersicht ist ein Aussaat- und Pflanzkalender sinnvoll. Auf der Internetseite https://www.meine-ernte.de/aussaat-und-pflanzkalender/ gibt es einen solchen Kalender.

Tipp: Damit in jedem Töpfchen auch wirklich ein Keimling entsteht, sollte man jeweils 2-3 Saatkörner auslegen. Sind diese gekeimt, wählt man das kräftigste Pflänzchen aus und lässt es weiterwachsen.

Der ideale Standort liegt in Süd-Ost-Lage

Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor ist der Standort, an dem das Gemüse keimen soll. Vor allem hell muss dieser sein, denn Licht ist für den gesunden Stoffwechsel der Pflanzen wesentlich. So bieten sich besonders Fensterbänke mit Süd-Ostlage-Lage an, die im besten Fall nicht unmittelbar über einer Heizung stehen. Zu viel Wärme trocknet schnell das Substrat aus und es droht ein enttäuschendes Ende.

Schlechte Lichtverhältnisse beantwortet ein Keimling mit dem sogenannten „Geilen“. Hierbei versucht die Pflanze mit allen Mitteln zum Licht hin zu wachsen, was sie lang und dünn werden lässt. Eine schlechte Grundlage, um später einen gesunden Pflanzenkörper auszubilden, schwere Früchte tragen zu können und Krankheiten zu trotzen. Ein langsames und kontinuierliches Wachstum mit wenigen Schwankungen ist hingegen optimal. Wer keine Fensterbank in geeigneter Richtung vorweisen kann, kann sich optional mit einer speziellen Beleuchtung helfen.

Gießen nicht übertreiben

Solange das Saatgut quillt, um den Keimprozess zu starten, muss es unbedingt feucht gehalten werden. Hier bietet sich auch eine Abdeckung der Töpfchen an, um der Verdunstung entgegen zu wirken. Zeigt sich jedoch das erste Grün in Form der Keimblätter, hemmt zu viel Wasser die Ausbildung gesunder Wurzeln, man fördert zudem Krankheiten, daher behutsam gießen und Staunässe vermeiden.

So funktioniert das Vorziehen Schritt für Schritt:

  • Qualitativ hochwertiges, frisches Saatgut auswählen
  • Nährstoffarme Erde oder Kokosquelltabletten in ein Gefäß geben, das sich zum Vorziehen eignet (Pflanztopf, Vorziehschale, aufgebrauchte WC-Rolle etc.)
  • Einen Gieß-Rand von ca. 1 cm lassen
  • Die Pflanzgefäße am hellsten Standort der Wohnung platzieren
  • Substrat etwas andrücken und Saatgut in die Erde bringen, Faustregel: Saatkörner in etwa so tief in die Erde geben, wie sie groß sind
  • Eine dünne Schicht Substrat über die Samen geben und die Erde nochmals andrücken (bei den Kokos-Quelltabletten ist Angießen nicht notwendig, da das Substrat bereits feucht ist)
  • Mit Pflanzsteckern o.ä. beschriften, damit man weiß wo was wächst
  • Saatgut feucht halten, aber Staunässe verhindern
  • Heizungsluft möglichst vermeiden, da diese die Anzucht schnell austrocknen kann
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