So bringen Sie Ihren Blutdruck auf Kurs

Artikel drucken Artikel drucken 29. Mai 2019 | Von | Kategorie: Gesundheit & Ernährung

Roland E. Schmieder sucht Teilnehmer für medizinische Studien zum Thema Blutdruck. Foto: Mile Cindric

Bis zu 30 Millionen Bundesbürger haben Bluthochdruck, so die jüngste Zahl der Deutschen Hochdruckliga. Ein Großteil der Patienten wird medikamentös behandelt. Mehr als 60 verschiedene blutdrucksenkende Wirkstoffe und mehr als 250 verschiedene Handelspräparate gibt es in Deutschland. Doch nicht immer bringt die Therapie auch den gewünschten Erfolg. Der Erlanger Medizinprofessor Roland E. Schmieder sieht Defizite: »Ich wage zu behaupten, dass gut die Hälfte der Bluthochdruckpatienten in Deutschland nicht richtig eingestellt ist.«

Schmieder befasst sich seit vielen Jahren in der Klinischen Forschungsstation der Medizinischen Klinik 4 am Erlanger Ulmenweg mit Nierenkrankheiten und der Diagnostik und Behandlung von Blutdruckerkrankungen. 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle wären vermeidbar, wenn rechtzeitig etwas gegen einen zu hohen Blutdruck gemacht würde. Seit diesem Jahr gibt es neue Leitlinien, wie Bluthochdruck behandelt werden soll. An diesen europäischen und deutschen Empfehlungen war Schmieder maßgeblich beteiligt.

Eine wichtige Erkenntnis: Der Blutdruck-Wert von 140 zu 90 kann weiterhin als Richtwert gelten und muss nicht gesenkt werden. Wobei Schmieder es für zwingend hält, dass Blutdruckwerte kontinuierlich und vor allem unter den täglichen Lebensbedingungen der Patienten gemessen werden. Solche Selbstmessungen seien für eine gute Diagnostik und in der Behandlung unerlässlich.

Mehr Bewegung tut gut

In der Erlanger Forschungsstation geht es häufig um die Frage, wie Patienten geholfen werden kann, die es leid sind, täglich Medikamente zu nehmen. Grundsätzlich empfiehlt Schmieder so genannte Kombinationsmedikamente. Sie enthalten mehrere Wirkungssubstanzen und seien daher komfortabler in der Einnahme. Doch manchmal kommt es dabei auch zu Nebenwirkungen oder ein spürbarer Erfolg der Behandlung stellt sich nicht ein. Für etliche Patienten ist die regelmäßige Einnahme von Tabletten auch eine Last und sie lehnen sie ab.

Eine erfolgreiche Behandlung erhöhter Blutdruckwerte sieht Schmieder bei »seinen« Patienten im Drei-Säulen-Modell (wir berichteten): Bei der ersten Säule, der nicht-medikamentösen Therapie, geht es darum, dass die Patienten ihren Lebensstil ändern, sich aktiv bewegen und den Verbrauch von Kochsalz reduzieren. Auch sollte man sein Normalgewicht anstreben, besser mit Stress umgehen und sich öfter mal entspannen. Alkohol und Zigaretten sollten gemieden werden.

Die zweite Säule ist die medikamentöse Therapie. Die dritte Säule ist die interventionelle Methode: Dabei handelt es sich um das Ablationsverfahren, die Verödung der Nierennerven mit Ultraschall- oder Radiofrequenzenergie. Werden die Nerven in ihrer Leitung unterbrochen, dann kann das zu einer Senkung des Blutdrucks führen. Die Erkenntnis wurde bereits 1923 vorgestellt. »Dass diese Methode in Vergessenheit geriet, liegt wohl daran, dass mittlerweile etliche Medikamente gegen Bluthochdruck auf den Markt kamen und solche operative Eingriffe verdrängten«, so Schmieder.

Bei über hundert Patienten haben er und sein Team das Ablationsverfahren angewendet und dadurch erreicht, dass die Patienten viel weniger oder keine Tabletten mehr einnehmen müssen. Sein Forschungszentrum ist eine von sieben derartigen Einrichtungen in Deutschland und man hofft, bald sichere Erkenntnisse aufweisen zu können, bei welchen Patienten diese Behandlungsmethode besonders gut einsetzbar ist. Allerdings können über die Langzeitwirkung der Behandlungsmethode noch keine verlässliche Aussagen gemacht werden.

Umso wichtiger ist es, dass sich genügend Menschen melden, die sich an weiteren Studien beteiligen möchten. Nur so können die Ergebnisse dazu führen, dass aus dem Forschungsstatus ein Routinestatus wird. Bis Mitte 2020 hoffen die Wissenschaftler, die Zulassung für dieses Verfahren von der Gesundheitsbehörde zu erhalten.

Karin Jungkunz

Wer mehr wissen will über die Kathetergeführte Verödung (Ablation) von Nieren­nerven zur Bluthochdruckbehandlung und an einer Studie teilnehmen möchte, kann sich bei der klinischen Forschungsstation in Erlangen oder Nürnberg melden.

Telefon: 09131/85-42951 oder 
0911/800-99760.

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