Beim Seniorenticket besteht Verbesserungsbedarf

Artikel drucken Artikel drucken 15. Juni 2019 | Von | Kategorie: Recht & Verbraucher

Hans Klinner fordert bessere Tarife für Senioren.

Eine preiswerte Fahrkarte für Menschen ab 60 Jahren, das fordert der Seniorenrat der Stadt Langenzenn bereits seit 2017. Doch bisher hat der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) die Einführung eines Seniorentickets mit dem Hinweis abgelehnt, es gebe bereits die Mobicard, die auch von älteren Menschen gut genutzt werde. Das Magazin sechs+sechzig sprach mit Hans Klinner, dem Vorsitzenden des Seniorenrats in Langenzenn, über das Thema »Seniorenfahrkarte in Franken«.

sechs+sechzig:
Sie waren die erste Organisation, die sich hinter das Thema geklemmt hat. Haben Sie einen schnellen Erfolg erwartet?

Hans Klinner: Dass dies ein langer Weg werden würde, war uns von vorneherein klar. Wir fordern, die Mobilität älterer Menschen zu verbessern und der TarifBenachteiligung für die ländliche Bevölkerung entgegenzuwirken, sozusagen als gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft. Als erstes nahmen wir die größeren deutschen Verbundtarife in Deutschland unter die Lupe und stießen auf ein erstaunliches Ergebnis.

Lassen Sie hören.
Nur der VGN als zweitgrößter Verbund in der Bundesrepublik kann kein solch verbilligtes Seniorenticket im Angebot vorweisen. Beispiele: Berlin-Brandenburg bietet eine Monatskarte für 49,25 Euro an, Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar in Mannheim für 42.10 Euro, der Münchner Verkehrsverbund (MVV) für 54 Euro. Dagegen kostet die günstigste VGN-Karte im Gesamtraum (ab 9 Uhr) 98 Euro. Das heißt, die Landbevölkerung ist deutlich benachteiligt.

Die Staatsregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und bezahlbare Angebote zu schaffen. Dazu gehört auch die geplante Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für Städte wie München, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Augsburg und Regensburg. Was sagen die Senioren dazu?
Dieser Vorschlag soll zunehmend für Ballungsräume gelten. Er ist unserer Meinung nach in der Form nicht begrüßenswert, denn bekanntlich fahren Senioren nicht alle Tage mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei näherem Hinsehen ist in dem Koalitionspapier nur von »neuen Tarifangeboten für Schülerinnen und Schüler« die Rede. Senioren hat man dabei ausgespart.

Im Juli 2018 hat der Langenzenner Seniorenrat erstmals den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder angeschrieben. Gab es bereits eine Antwort?

Die Staatsregierung teilte uns mit, dass man dabei sei, »Vorschläge auszuarbeiten, eine Einführung günstiger Seniorenangebote jedoch nicht geplant ist«. Das ist keineswegs zufriedenstellend, doch wir lassen nicht locker. Nach wie vor fordern wir gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Der Freistaat soll sich als Gesellschafter im VGN mit einem Millionen-Betrag einbringen, um veraltete Strukturen aufzulösen. Mit zusätzlichen öffentlichen Geldern wollen wir eine generelle Reform im VGN umsetzen, mit einer wesentlichen Tarifvereinfachung und einer Seniorenkarte. Beispiel: Einzelfahrt zwei Euro oder Tageskarte für fünf Euro.

Werden Sie dabei von anderen Organisationen unterstützt?
Wir bekommen Zuspruch von Abgeordneten sowie von vielen Seniorenräten – von Bad Windsheim bis Schwabach und von Fürth bis Kitzingen. Und auch von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) bis zum Sozialverband VdK Deutschland. Wir werden nicht locker lassen, bis die Seniorenkarte im VGN auf dem Tisch liegt. Mit einem Ergebnis rechnen wir noch in diesem Jahr, denn im Frühjahr 2020 stehen Kommunalwahlen vor der Tür. Dann werden die Verantwortlichen an ihren Taten gemessen.

HORST MAYER / FOTO: KAT PFEIFFER

INFORMATION Seniorenrat Langenzenn (Büro) Friedrich-Ebert-Straße 7a 90579 Langenzenn Mail: hans.klinner@t-online.de

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