Meine analoge Verunsicherung

Artikel drucken Artikel drucken 9. August 2019 | Von | Kategorie: Global Oldie

  Hello All, Hamlet hadert seit 500 Jahren mit der Frage „sein oder nicht sein?“ Dialektik in Reinform. Ähnlich hin und her gerissen bin ich heutzutage bei der Konkurrenz zwischen „analog oder digital“. Seitdem Sheryl Sandberg, langjährige Geschäftsführerin von Facebook, die Weltöffentlichkeit wissen ließ, dass alles was digitalisiert werden kann, früher oder später auch digitalisiert werden wird, ahnen wir: Digitales steht für den überlegenen Ansatz des 21. Jahrhunderts; Analoges für das Überkommene. Mit Ausnahmen und Notwendigkeit der Begriffspräzisierung.

Bei der Uhrzeit für den täglichen Gebrauch bewährt sich noch immer die klassische, analoge Information aus der Stellung des Stunden- und Minutenzeigers. Auch beim Tachometer oder Kompass bevorzugen die Nutzer analoge Zeiger anstatt digitaler, numerischer Informationen. Beim Radio, Fernsehen oder Telefon kommt der Empfang dank digitaler Technik störungsfreier rüber. Was zwischenmenschliche Kommunikation und Gefühle angeht, ziehen selbst die 3D- digitalen Medien den Kürzeren gegenüber einer Berührung oder Kuss.

Dann wurde mein Fahrrad reparaturbedürftig. Ich googelte meinen inzwischen umgezogenen Radhändler, um auf dessen Website zu erfahren, er habe sich ganz auf Pedelecs und E-Bikes spezialisiert. Allerdings würde seine Werkstatt auch noch „analoge“ Fahrräder warten. Ich sah mein Radl verwundert an: tatsächlich nirgendwo Bits und Bytes erkennbar. Allerdings auch keine Zeiger. Blech, Gummi, ölige Kette und Zahnräder… Analog, nur weil es nichts Digitalisierbares aufweist?

Wie ist das mit meinen Frühstücksbrötchen? Sind die nun eher digital – weil sie beim Systembäcker aus dem Backautomaten plumpsen oder sind sie analog, weil sie meine Geschmacksknospen sensorisch ansprechen sollten? Doch nicht alles Analoges taugt mir: Bei Billigpizza mit Analog-Käse, sprich „tut nur so, als wäre es Käse“ schaudert es mich regelrecht. Von einem qualitativ überlegenen Digital-Käse habe ich noch nicht gehört. Vielleicht will da Frau Sandberg später noch nachbessern, sobald Billig-Tiefkühlpizzas ins erweiterte Facebook-Spektrum geraten.

Mit analogem Gruß, Ihr Global Oldie

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