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	<title>sechs+sechzig &#187; Pillenreuther Chor</title>
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	<description>Hier surfen die neuen Alten</description>
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		<title>Die heilenden Kräfte der Musik</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 14:39:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sechs+sechzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit & Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Liebe zum Singen sei in Deutschland weithin eingeschlafen, haben Musiker und Pädagogen festgestellt. Nicht einmal drei Prozent der Deutschen singen noch in einem Chor. Alle Experten sind sich aber einig, dass Singen Glückshormone freisetzt und die Intelligenz fördert. Das beweist der Pillenreuther Chor, der sich seit mehr als 50 Jahren durch Singen fit hält. ]]></description>
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<div id="attachment_996" class="wp-caption alignright" style="width: 220px"><img class="size-full wp-image-996" title="chor_hoch_01" src="http://www.magazin66.de/wp-content/uploads/2009/11/chor_hoch_01.jpg" alt="Die Sängergruppe probt in kleinem Kreis, aber mit vollem Einsatz. Foto: Michael Matejka" width="210" height="284" /><p class="wp-caption-text">Die Sängergruppe probt in kleinem Kreis, aber mit vollem Einsatz. Foto: Michael Matejka</p></div>
<p>Sie stehen für viele, die damit jung geblieben sind. Aber sie gehören doch einer Minderheit an: die Sänger Karl Weiß (81), Egon Schönberger (81), Horst Geisbauer (66), Konrad Höfler (83), Heinz Gutseel (81), Heinz Heinritz (71), Georg Hummel (88) und Jürgen Berthmann (71). Das Singen hat diese Männer zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt, die für manche schon über ein halbes Jahrhundert währt. Sie sind die Übriggebliebenen der »Pillenreuther Sängerrunde«, einem einstmals stattlichen Nürnberger Männerchor.</p>
<p>Sie treffen sich regelmäßig einmal in der Woche im Pillenreuther Wirtshaus »Zum Klösterle«. Ein jedes Mal mit Spannung erwartetes Ereignis: »Ich freu mich den ganzen Tag auf das Singen am Donnerstagabend im Klösterle«, sagt Heinz Gutseel, der seit einer schweren Lungenerkrankung auf eine künstliche Zufuhr von Sauerstoff angewiesen ist. Aber er hat sich daran gewöhnt, mit zwei Schläuchen in der Nase zu singen, die ihn aus einer Flasche mit »Luft« versorgen. »Na ja,« sagt er und lacht, »acht Töne hintereinander in einem Atemzug, des pack i’ nimmer.« Was ihn nicht daran hindert, am nächsten Abend bei den Sängern im nahen Mühlhof, ebenfalls im Süden Nürnbergs, den zweiten Tenor zu verstärken. Der 81-jährige Gutseel ist Witwer. Das Singen in der Runde bedeutet für ihn auch, Gemeinschaft zu genießen. Dieses Motiv bestätigen auch seine Sangesbrüder. Karl Weiß, ebenfalls 81: »Wichtig ist für mich auch die Gesellschaft, das Beieinandersitzen.« Er, der noch bis vor wenigen Jahren einen großen gemischten Chor und zwei Männerchöre leitete, schwört auf die heilenden Kräfte der Musik: Nach zwei Schlaganfällen habe ihn das Singen und Klavierspielen »wieder hoch« gebracht: »Ich fühle mich nach jeder Gesangsprobe besser als davor.«</p>
<p>Die Fürther Atemtherapeutin Evelyn Quednau kann dieses Phänomen wissenschaftlich untermauern: Die beim Singen angewandte Atemtechnik verleihe dem Menschen neue Spannkraft. »Das Atmen, und natürlich auch das Atmen beim Singen, bedeuten ständige, innere Bewegung«, sagt die 45-Jährige. Das Singen sei auch gut für die Seele. Komme der Ton, von Atem getragen und gestützt aus dem Körper, gewinne er an Ausdruckskraft, Ausdauer und Vitalität.</p>
<p>Ist das Singen also eine Form von Wellness? Man kann es so sehen. Allerdings sollte man die älteren Gesangskünstler nicht überfordern. Ein Fehler werde immer wieder gemacht, heißt es auf der Internetseite von »Seniorenfreundliches Singen«: von den Leuten zu erwarten, dass sie mit über 65 Jahren immer noch musikalische Spitzenleistungen erbringen. Sicherlich seien auch einige ältere Sängerinnen und Sänger zu Höchstleistungen fähig. Doch sie sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme.<br />
Zu diesen Ausnahmen gehört zweifellos die 63-jährige Gudrun Krätzig. Sie verstärkt die Alt-Stimmen im Nürnberger Lehrergesangverein. Das Einstudieren eines Oratoriums erfordere zwar volle Konzentration und stimmliche Disziplin, sagt sie, mache dennoch viel Freude. Obwohl sie hervorragend singt: Auch für Gudrun Krätzig sind Geselligkeit und Gemeinschaft »ganz, ganz wichtig«. Vor der Probe und danach ein Schwätzchen – das müsse einfach sein. Und für manche habe sich daraus auch innige Freundschaft ergeben, gemeinsam zu verreisen, sei keine Seltenheit.</p>
<p>Bei aller Geselligkeit müsse ein wenig Professionalität schon sein, meinen die »Stammtisch-Sänger« vom Pillenreuther »Klösterle«. Dass der frühere Chorleiter Karl Weiß dem Auswendigsingen große Bedeutung beimaß, hat zwar manchen Tenor oder Bass murren lassen. Aber spätestens beim öffentlichen Auftritt vor Freunden und Verwandten war man doch stolz darauf, dass nicht nur die Stimmbänder gehalten, sondern auch die Gehirnzellen funktioniert haben. Der gemeinsame Gesang ist auch für Egon Schönberger (81) ein Teil seines Lebens. Seit nunmehr 62 Jahren strapaziert er seine Stimmbänder zur eigenen, aber auch zur Freude der Zuhörer. Zwei Mal singt er in der Woche: bei den »Pillenreuthern« und auch bei den »Mühlhöfern«, die in diesem Herbst ihr 150-jähriges Chorjubiläum feiern. Die beiden Vereine treten gelegentlich gemeinsam auf. Bei Egon Schönberger hat das Singen die Atmung verbessert (das »Schnaufen«, wie er sagt), sein zweiter Bass trägt noch immer. Ihm wurde das Singen in die Wiege gelegt: Schon der Vater sang in einem Chor. »Und in der Schule«, erinnert sich Egon, »war Singen ein Notenfach.« Das habe seine Liebe zum Singen gewaltig beflügelt.</p>
<p>Diese Liebe zum Singen sei jedoch in Deutschland weithin eingeschlafen, haben Musiker und Pädagogen festgestellt. Nicht einmal drei Prozent der Deutschen singen noch in einem Chor. Alle Experten sind sich aber einig, dass Singen Glückshormone freisetzt und die Intelligenz fördert. Die entscheidenden Veränderungen spielten sich in der Stirnregion des Hirns ab: Da werde das Belohnungssystem aktiviert, zudem das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, eine Substanz, die unter anderem Gedächtnisprozesse und soziale Bindungsfähigkeit beeinflusse. Gleichzeitig senke das Singen Aggressivität und Stressanfälligkeit.</p>
<p>Mediziner, Pädagogen und Psychologen stehen aber noch vor Rätseln und bemühen sich, der »Magie des Singens« auf die Spur kommen. Zum Beispiel, indem sie vor und nach Aufführungen Speichelproben nehmen und vergleichen, wie sich während des Gesangs der Hormonspiegel von Laien und Profisängern verändert. Untersucht wurde bereits, wie sich die Schulleistungen von Kindern unterscheiden, die wenig oder viel gesangsintensiven Musikunterricht bekommen.</p>
<p>Von den Absichten der »Pillenreuther Sänger« sind solche wissenschaftlichen Versuche natürlich etliche Oktaven entfernt. Sie lassen sich nicht einmal auf solche Experten-Vorschläge ein wie den, beim Singen stets eine Flasche angewärmten Wassers bei sich zu haben – ohne »a Seidla Bier«, allerdings nicht zu kalt, käme sonst kein Ton über ihre Lippen!</p>
<p><em><br />
Günter Dehn</em></p>
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